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Facebook: Russen-Posts für 126 Millionen Nutzer

126 Millionen Nutzer erhielten Russen-Posts per Facebook
Facebook-Logo: Umfangreiche Probleme. Keystone

Die Polit-Anzeigen aus Russland auf Facebook im US-Wahlkampf waren viel weiter verbreitet als bisher angenommen. 126 Millionen Nutzer können diese gesehen haben – doppelt so viele, wie Trump wählten.

Nach Angaben von Facebook ist die Verbreitung der aus Russland stammenden Polit-Anzeigen zur Spaltung der US-Gesellschaft deutlich grösser gewesen als zunächst angenommen. Die Werbung könnte 126 Millionen Nutzern angezeigt worden sein, schätzt Facebook.

Das weltgrösste Online-Netzwerk könne aber zugleich nicht sagen, wie viele von ihnen die Anzeigen bewusst wahrgenommen oder ungelesen durchgescrollt hätten. Dies erklärte Facebook in einer Stellungnahme an den US-Kongress, die diversen US-Medien vorlag.

80'000 Posts aus der «Troll»-Fabrik

126 Millionen ist eine beträchtliche Zahl: Facebook hat in Nordamerika nach jüngsten Angaben 236 Millionen monatlich aktive Nutzer – und für Trump stimmten bei der Präsidentenwahl insgesamt knapp 63 Millionen Amerikaner.

Zwischen Juni 2015 und August 2017 wurden rund 80'000 Posts von der mutmasslichen «Troll»-Fabrik Internet Research Agency aus St. Petersburg platziert, wie aus der Facebook-Stellungnahme hervorgeht. Bei Facebook kann man dafür bezahlen, dass Beiträge in den Nachrichtenstrom von Nutzern eingefügt werden.

Angst vor Einwanderern geschürt

Die neue Schätzung berücksichtigt das Teilen von Inhalten durch Nutzer untereinander. Direkt sei die gebuchte Werbung 11,4 Millionen Nutzern angezeigt worden. Facebook hatte vor einigen Wochen erklärt, es seien Anzeigen für 150'000 Dollar entdeckt worden - nur ein Bruchteil der gesamten Wahlkampfausgaben in der Präsidentschafts-Kampagne 2016.

Bei den russischen Anzeigen ging es darum, Spannungen zwischen sozialen und ethnischen Gruppen in den USA anzuheizen. So wurde dort zum Beispiel die Diskriminierung von Afroamerikanern kritisiert – aber auch die Angst vor muslimischen Einwanderern geschürt.

Mehr als 2700 dubiose Twitter-Profile aus Russland

Der Kurznachrichtendienst Twitter fand Insidern zufolge 2752 dubiose Profile aus Russland und damit ebenfalls weit mehr als bislang bekannt. Zunächst war von gut 200 die Rede.

Diese Nutzerkonten, die ebenfalls zur russischen Internet Research Agency zurückverfolgt worden seien, seien gesperrt und ihre Namen den US-Behörden mitgeteilt worden. Experten zufolge sollen dort Hunderte sogenannte Trolle beschäftigt werden, die über ein falsches Profil Kommentare auf sozialen Netzwerken posten. Google sprach von 4700 Dollar für Internet-Werbung mit Verbindungen nach Russland während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016.

Anhörung im Kongress am Mittwoch

Vertreter von Facebook, Twitter und Google sollen sich in dieser Woche am Mittwoch vor Kongressausschüssen zu dem Verdacht einer Einmischung Russlands in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 über die Verbreitung von Fehlinformationen äussern.

US-Geheimdienste waren zu dem Schluss gekommen, die russische Regierung habe eine Beeinflussung des Wahlkampfs zugunsten des jetzigen Präsidenten Donald Trump angeordnet. So sollen Hacker peinliche oder belastende E-Mails aus dem Lager von Trumps Kontrahentin Hillary Clinton ausgespäht und veröffentlicht haben. Zudem soll im Auftrag Russlands Anti-Clinton-Propaganda in sozialen Netzen verbreitet worden sein.

Russland weist die Vorwürfe zurück. Trump hat erklärt, es habe keine Kooperation zwischen seinem Wahlkampfteam und der Moskauer Regierung gegeben. Mehrere US-Ermittlergruppen befassen sich mit den Vorgängen.

(sda/me/mbü)

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