Die Krise in der Solarbranche kostet weitere Arbeitsplätze in Deutschland: Der US-Konzern First Solar macht seine Produktionsstätten in Frankfurt (Oder) dicht und streicht dort 1.200 Jobs. Ende Oktober soll an der Oder das letzte Dünnschicht-Modul vom Band laufen - nur kurz nach dem Auslaufen einer fünfjährigen Arbeitsplatzgarantie, mit der das Unternehmen sich einst 45 Millionen Euro Fördergeld sicherte. Zudem fallen 150 der 175 Arbeitsplätze der europäischen Vertriebssparte mit Zentrale in Mainz weg.

«Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht», teilte Konzernchef Mike Ahearn am Dienstag am Firmensitz in Tempe im US-Bundesstaat Arizona mit. Die Produktion in Deutschland lohne sich nicht mehr mehr, unter anderem wegen der Kürzung von staatlichen Fördergeldern für Solaranlagen.

650 Arbeitsplätze fallen zudem in Malaysia weg, insgesamt streicht First Solar damit weltweit jeden dritten Arbeitsplatz. Das US-Unternehmen gehört zu den grössten Spielern in der Branche. Mehrere Rivalen sind bereits pleite.

Am Dienstagvormittag informierte die Unternehmensleitung die überraschten Beschäftigten in Frankfurt. Erst im vergangenen Jahr hatte First Solar dort ein zweites Werk aufgemacht. Nun verliert die wirtschaftlich schwache Stadt nach fünf Jahren einen ihrer Hoffnungsträger.

Kürzung der Solarförderung löst Nachfragekollaps aus

«Der Markt hat sich seit Anfang des Jahres komplett gedreht», sagte Deutschlandchef Christopher Burghardt bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Kürzung der Solarförderung habe einen Nachfragekollaps im Kerngeschäft ausgelöst, den Grossanlagen auf Freiflächen.

Die Branche steht aber schon länger unter Druck. Vor allem überschwemmt China mit billigen Solarmodulen den Markt. First Solar hat aus Expertensicht ausserdem Vorteile eingebüsst, die die Dünnschicht-Technik gegenüber herkömmlichen Silizium-Modulen brachte.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bezeichnete den Rückzug als dramatische Entscheidung für das Land und für die Stadt Frankfurt (Oder). «Wir werden seitens der Landesregierung alles tun, was in unseren Möglichkeiten steht, um den Oberbürgermeister der Stadt zu unterstützen und den Standort in Gänze zu sichern.»

22 Millionen werden zurückgezahlt

Das Unternehmen hat für seine beiden Frankfurter Werke 67 Millionen Euro an staatlicher Investitionsförderung erhalten. 45 Millionen Euro davon darf es nach eigenen Angaben behalten, weil es den Standort kurz nach dem fünfjährigen Bestehen des ersten Werks schliesst. Für diese fünf Jahre galt eine Arbeitsplatzgarantie. Werksleiter Burghard von Westerholt sagte, bis zum Herbst müsse Frankfurt aber auch noch Aufträge abarbeiten. Zurückgezahlt würden die 22 Millionen Euro Fördergeld für das zweite Werk.

Bereits seit 1. März sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit. «Die Enttäuschung ist gross, weil die Belegschaft in den vergangenen Jahren Grosses geleistet hat», sagte von Westerholt. «Wir werden dafür sorgen, dass jeder Mitarbeiter einen sozial abgefederten und fairen Ausstieg erhält.» 50 bis 70 Millionen US-Dollar sind für Abfindungen vorgesehen. Wieviel davon auf Frankfurt entfällt, liess er offen.

Aktie reagiert positiv

Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 39 Millionen US-Dollar eingefahren und reagiert darauf mit einem Sparprogramm. Der Aktienkurs war von in der Spitze annähernd 170 Dollar binnen eines Jahres auf noch gut 20 Dollar eingebrochen. Einige Manager sind gegangen, im Oktober auch der damalige Konzernchef. Mehrere andere Produktionslinien weltweit werden angesichts der Überkapazitäten vorübergehend stillgelegt.

Die Anleger feierten den Sparplan als Befreiungsschlag. Am Dienstag schoss die Aktie bis zum Mittag (Ortszeit) an der Wall Street um 10 Prozent auf 23 Dollar hoch.

(aho/awp)

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