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Google Glass – buchstäblich heisses Gadget

Google Glass: Der Konzern erliess klare Richtlinien.   Bloomberg

Die Datenbrille des Internetkonzerns ist in den USA im Verkauf – wenn auch nur mit einem Testmodell. Dieses zeigt im Test seine Tücken. Für Anwender und Entwickler gelten zudem klare Regeln.

Von Marco Engelien («Computer Bild»)
am 03.06.2014

Unter dem Banner Project Glass arbeitet Google seit Jahren an einer Datenbrille. 2012, während der I/O-Konferenz in San Francisco, hatte Google Glass den ersten grossen Auftritt. Danach präsentierte der Konzern mit der «Explorer Edition» die Brille schrittweise einer breiteren Öffentlichkeit. Mittlerweile ist das Vorserienmodell in den USA frei erhältlich. «Computer Bild» hat sich ein Exemplar besorgt und sofort auf die Nase gesetzt.

Wie kommt man an Google Glass?

Anfangs konnten sich nur wenige kreative Köpfe eine erste Version der Datenbrille für 1500 US-Dollar sichern. Bedingung war die Teilnahme an einem Wettbewerb. Zusätzlich mussten Interessenten Google über Twitter in 140 Zeichen erklären, was sie mit Glass tun würden.

Das Unternehmen hat das Programm mittlerweile erweitert: Google Glass ist in den USA für jeden Bürger frei erhältlich. Um das offizielle Verkaufsmodell handelt es sich dabei allerdings nicht. Das bestätigt das Unternehmen auf dem entsprechenden Google+-Profil. Dort ist von einer «offenen Beta» die Rede. «Computer Bild» nutzte die Gelegenheit, sich ein eigenes Exemplar der Explorer Edition zu beschaffen (zum Unboxing-Video).

Das leistet Google Glass

Ein kleiner Bildschirm vor dem rechten Auge gibt dem Träger Infos aus dem Netz wie Routenanweisungen oder Antworten auf Suchanfragen. Auf Kommando nimmt die integrierte Kamera Fotos und Videos auf.

Per Google+-Hangout können Träger andere Nutzer live an ihren Erlebnissen teilhaben lassen. Eingaben erfolgen via Sprachbefehl. Über das integrierte Touchpad navigieren Nutzer durch die Menüs; diese erinnern stark an die aus Google Now bekannten Karten. Entgegen vorheriger Angaben klappt die Fotoaufnahme mittlerweile auch per Augenzwinkern.

Um die Datenbrille in Betrieb zu nehmen, ist ein Smartphone samt kostenloser MyGlass-App notwendig – Google Glass dient lediglich als Medium. Web-Inhalte, Navigationsrouten & Co. kommen vom Handy. Laut Google wirkt sich das nicht merklich auf die Akkulaufzeit des Smartphones aus. Ein Android-Modell ist nicht zwingend nötig, die Verbindung klappt auch per iPhone.

Das hat die Brille an Bord

Das Display ist vergleichbar mit einem 26,5 Zoll grossen HD-Bildschirm, aus 2,4 Metern Entfernung betrachtet. Die Kamera schiesst Fotos laut offizieller Angabe mit fünf Megapixeln und nimmt Videos in HD-Auflösung auf.

Der Labortest ergab allerdings: Google schummelt bei den Angaben. Die Auflösung beträgt nur 4,6 Megapixel. Wlan und Bluetooth sind an Bord. Ein Highlight: Die Datenbrille überträgt den Ton über die Knochen. Weil das nicht bei allen Menschen gleich gut funktioniert, legt Google mittlerweile einen Ohrstecker bei. Der sitzt allerdings recht unbequem.

Fotos und Videos sichern Sie auf dem zwölf Gigabyte grossen Speicher. Der Akku soll laut Hersteller-Angabe bei typischer Nutzung einen Tag durchhalten. Ob das zutrifft, muss das Testlabor noch herausfinden.

So trägt man Google Glass

Damit Käufer mit der Brille nicht in Schwierigkeiten geraten, veröffentlicht Google ein paar Richtlinien zur Anwendung. So sollen Nutzer etwa in Begleitung von Freunden und Bekannten nicht ständig auf das Display starren (Glass-out) und sich darauf gefasst machen, in der Öffentlichkeit auf die Brille angesprochen zu werden.

Ausserdem betont Google noch einmal, Glass abzuschalten oder abzunehmen, wenn sich die Menschen in der Umgebung unwohl fühlen. Grund: In den vergangenen Jahren gab es häufiger Berichte über gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen Glass im Mittelpunkt stand. Glass-Explorer sollten ausserdem davon absehen, die Brille zu verkaufen. Den AGB zufolge räumt sich Google in diesem Fall das Recht ein, die Brille zu sperren.

Auch für Entwickler gab das Unternehmen ein paar Regeln aus. Demnach darf Software für die Datenbrille keine Werbung enthalten. Kostenpflichtige Apps sind nicht erlaubt. Entwickler sind in ihren technischen Möglichkeiten eingeschränkt: So ist es verboten, Apps zu programmieren, die die Identifikation anderer Personen durch Gesichtserkennung unterstützen.

Erster Eindruck der Google Glass «Explorer Edition»

Die Brille liess sich ohne weitere Probleme einrichten und in Betrieb nehmen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit konnten die Tester Glass gut bedienen. Nervig: Einige Funktionen sind über das Touchpad nicht zu erreichen.

Was im Testlabor ausserdem auffiel: Die Brille wird schnell heiss. Das Menü fängt dann an zu ruckeln, der Bildschirm stellt Inhalte nicht mehr vernünftig dar.

Dieser Artikel ist zunächst in unserer Schwester-Publikation «Computer-Bild» erschienen.

 

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