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Hälfte der Menschheit wartet weiter aufs Internet

Internetcafé im indischen Allahabad: Viele Menschen können noch nicht ins Netz. Keystone

Zwar nimmt die Zahl der Internetanschlüsse weiter zu. Doch das Wachstum hat sich verlangsamt. Vor allem in armen Ländern lohnt sich die Erschliessung der «letzten Meile» für die Anbieter nicht.

Veröffentlicht am 21.09.2015

Das Wachstum der Internetanschlüsse hat sich weltweit verlangsamt. Laut der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) hat über die Hälfte der globalen Bevölkerung keinen Zugang zum Web. Die Schweiz steht derweil im internationalen Vergleich gut da. Gegenüber dem Vorjahr können zwar 300 Millionen Menschen mehr das Internet nutzen, wie aus dem Bericht der Breitbandkommission ITU zur Situation des Breitbandes hervorgeht, der am Montag in Genf vorgestellt wurde.

Aber während Internetzugang in den entwickelten Länder grösstenteils bereits eine Selbstverständlichkeit ist, haben nur 35 Prozent der Bevölkerung von Entwicklungsländern Anschluss an das Internet. In den 48 ärmsten Ländern haben sogar 90 Prozent der Bevölkerung überhaupt keinen Zugang zum Internet.

34 Prozent in Entwicklungsländern

Die Ziele der UNO-Sonderorganisation sind damit in weitere Ferne gerückt als vorgesehen. Eigentlich sollte die Marke von vier Milliarden Internetsurfern dieses Jahr erreicht werden. Nun wird nicht mehr gerechnet, dass das vor 2020 geschieht. Auch der Anteil der Haushalte mit eigenen Internetzugängen in den Entwicklungsländern bleibt mit 34 Prozent hinter dem Ziel von 40 Prozent zurück.

Das Internet verbreitet sich langsamer als bisher. Während im vergangenen Jahr weltweit 8,6 Prozent mehr Personen Zugang zu Informationen aus dem Netz erhielten, wird die Verbreitung in diesem Jahr wohl nur noch um 8,1 Prozent anziehen. Zuvor waren die Steigerungsraten über Jahre hinweg zweistellig ausgefallen.

Mehrere Faktoren

Die Kommission macht mehrere Faktoren für die langsamere Entwicklung verantwortlich. Einerseits seien die Kosten für die sogenannte letzte Meile vor allem in ländlichen und schwer zugänglichen Gebieten zu hoch. Darüber hinaus sei das langsamere Wachstum bei der Zahl der Mobilfunkverträge hinderlich, urteilte die Kommission.

Zwar hat die Zahl der Mobilfunkabos die Marke von 7 Milliarden erreicht. Dies bedeutet aber nicht, dass alle Menschen über ein Mobiltelefon verfügen, da verschiedene Nutzer mehrere Abonnemente abgeschlossen haben.

Beim mobilen Breitbandnetz hat die Region Asien-Pazifik die Nase vorn. Die Hälfte der aktiven mobilen Breitband-Abos wurde dort abgeschlossen. Mit 332 Abos pro 100 Personen nimmt China hier die Spitzenposition ein, damit werden durchschnittlich pro Kopf mehr als drei Abos abgeschlossen. Die Schweiz belegt Platz 29 in diesem Punkt, mit 76 Abos pro 100 Personen.

Island gewinnt, Eritrea auf dem letzten Platz

Insgesamt den höchsten Anteil von Internetsurfern an der Bevölkerung weist Island mit 98,2 Prozent auf. Die Schweiz belegt den 18. Rang. Das Schlusslicht bildet Eritrea, wo lediglich 1 Prozent der Bevölkerung das Internet nutzen kann.

Wenn es um die Verbreitung von Breitband geht, belegt die Schweiz nach Monaco einen Spitzenplatz. Die Breitbandabdeckung in der Schweiz beträgt 46 Prozent - damit gehört das Land zu den sechs Volkswirtschaften, die eine Abdeckung über 40 Prozent aufweisen. Noch 2013 war die Schweiz das einzige Land.

(awp/gku)

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