Postfinance steuerte bisher rund zwei Drittel zum Gewinn der Post bei. Doch immer mehr stellt sich die Frage, wie lange die Cash Cow des Staatsunternehmens noch ähnlich ertragreich sein wird. Folgt man den Aussagen von CEO Hansruedi Köng im Interview in der aktuellen Ausgabe des Branchenmagazins «Schweizer Bank», gefährdet das Kreditverbot zwar nicht die Existenz des Unternehmens, aber es gefährdet seine Profitabilität und Rentabilität substanziell.

Köng ortet hier einen klaren Widerspruch zwischen dem bundesrätlichen Auftrag, Wert zu schaffen und den Rahmenbedingungen, welche die Politik festlegt. Mit letzteren – namentlich insbesondere dem Kreditverbot – sei es eigentlich unrealistisch, den Eignerauftrag erfüllen zu können.

Köng sieht Verlust von Volksvermögen

Köng hat im Moment wenig Hoffnung, dass die Politik etwas daran ändern werde. Ihm tue es als Bürger und Steuerzahler leid, denn Postfinance beinhalte doch einiges an Wert – und der Wert werde sukzessive erodieren. «Wir werden durch diese Barriere geradezu gezwungen, den bundesrätlichen Auftrag mittel- und langfristig nicht mehr zu erfüllen», zeigt er sich besorgt. Ihm sei es wichtig, dass die Entscheidungsträger in der Politik Kenntnis von diesen Mechanismen hätten.

Er sieht es als Pflicht an, zu signalisieren, dass Volksvermögen verloren geht. Immerhin habe die öffentliche Hand via Post über 5 Milliarden Franken Eigenkapital bei Postfinance investiert, Kapital, das auch Risiko trägt und entsprechend abgegolten werden müsse.

Belastung durch Too-big-too-fail

Deutlich wird im Gespräch mit Hansruedi Köng auch, dass das Too-big-to-fail (TBTF)-Regime bei Postfinance eine Crux ist; denn im schlimmsten Fall, also bei einem Zusammenbruch der Post-Tochter, müsste der Staat eingreifen. Und genau das soll mit TBTF verhindert werden: Einerseits sollen die Steuerzahler geschützt werden, anderseits ist der Staat der Eigentümer und wird als solcher in die Pflicht genommen.

«Der Steuerzahler muss sich grundsätzlich überlegen, ob er Mitbesitzer einer grossen Bank wie Postfinance sein will – die zusätzlich noch durch Kreditverbote behindert wird», sagt Köng. Und der Staat müsse sich überlegen, ob er für den Notfall so viel Kapital bereithalten oder doch lieber die Bank verkaufen wolle.

Diskussion um Börsengang und Teilprivatisierung

Im Zuge der Abklärungen der TBTF-Auflagen für Postfinance könnte die Diskussion um einen Börsengang und eine Teilprivatisierung doch wieder Nahrung bekommen. Grundsätzlich wäre im Postorganisationsgesetz die Basis für einen Börsengang von bis zu 49 Prozent der Aktien vorhanden.

Aber bis dahin kann noch viel Wasser die Aare hinunter fliessen – und Köng braucht schon kurz- und mittelfristig ein Geschäftsmodell, das der Ertragserosion entgegenwirkt. Sein Ziel: Postfinance soll ein «Digital Powerhouse» werden und künftig ganz vorne in der digitalen Welt des Swiss Bankings mitspielen.

Das vollständige Interview mit Hansruedi Köng finden Sie in der «Schweizer Bank» unter dem Titel «Der Wert erodiert».