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«I like»: Facebook an der Börse gefällt mir

Mark Zuckerberg oder Merrill Lynch? Wer auch immer die primär treibende Kraft hinter dem Börsengang ist: Es geht um Milliarden - Klicks und Dollar.

Von Volker Strohm
am 02.02.2012

Mitteilungen werden in der heutigen Zeit ja nicht einfach so hingenommen. Nein, Mitteilungen gefallen, Mitteilungen werden kommentiert. Egal ob sie wichtig sind - oder nicht. Das ist nüchtern betrachtet das Resultat der Facebook-Welt, in der wir uns tummeln. Und «wir» dürfen nicht unterschätzt werden: Immerhin repräsentiert dieses «wir» rund 850'000'000 Facebook-User weltweit - mehr als die Hälfte davon ist «täglich aktiv» und klickt Tag für Tag 2'700'000'000 Mal auf «Gefällt mir» oder «Kommentieren».

«Facebook stösst den Börsengang an», heisst jene Mitteilung, die seit Stunden die Runde macht. Und unweigerlich ist es da, dieses Zucken, auf den «Gefällt mir»- oder im Original «I like»-Button zu drücken. Eine Aufforderung zur Aktien-Zeichnung ist dies keineswegs - aber es gefällt, dass Firmengründer Mark Zuckerberg mit dem Einreichen der für den Börsengang nötigen Dokumente zahlreiche Hüllen fallen lassen musste.

Schlechtverdiener ohne Mitleidsbonus

So etwa, dass er lediglich 1,5 Millionen Dollar verdient - im Gegensatz zur Vorstandsfrau Sheryl Sandberg (30,9 Millionen Dollar) oder Finanzchef David Ebersman (18,7 Millionen Dollar). Trotzdem: Mitleid mit Mark (komm Junge, in der virtuellen Welt duzen wir uns doch alle) habe ich nicht: Er besitzt schliesslich gut 28 Prozent der Facebook-Aktien. Gemessen am prognostizierten Börsenwert von 100 Milliarden Dollar (in Zahlen: 100'000'000'000) würde dies den Firmengründer zum 28-fachen Milliardär machen...

Genau diese Zahlenspielereien sind es, die mir ein «Gefällt mir» durchaus entlocken: Mit dieser Börsenkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar wäre Facebook nämlich weit mehr als doppelt so viel wert wie die UBS und Credit Suisse - zusammengezählt notabene. Oder: Alleine mit dem angestrebten Emissionserlös von 5 Milliarden Dollar könnten Mark und Konsorten das Baselbieter Biopharma-Unternehmen Actelion kaufen - Cash auf den Tisch.

Die Geldinteressen der Investmentbanken

Weshalb hat Zuckerberg, pardon - mein Freund Mark, seine ablehnende Haltung gegenüber einer Offenlegung der Geschäfte aufgegeben? Ganz einfach: das Geld! Die Namen, die dafür verantwortlich sind: Morgan Stanley, JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America-Merrill Lynch und Barclays Capital. Diese Investmentbanken fädeln das Milliardengeschäft ein - und kassieren «nebenbei» eine Provision von rund 100 Millionen Dollar. Win-Win - oder wer kann allen Ernstes die Aussicht auf ein Vermögen von 28'000'000'000 Dollar alleine mit moralischen Argumenten ausschlagen?

Zudem ist Mark ein gewiefter Motivator: Er, der derzeit mit seinen 28 Prozent Aktienanteil über 56,9 Prozent Stimmrechte verfügt, begnügt sich nach dem Börsengang mit Aktien der Klasse B. Die neuen Mitbesitzer von Facebook, vulgo Neuaktionäre, sollen dagegen die vermeintlich noble «A-Klasse» erhalten. Dumm nur, dass die Facebook-Fangemeinde es gewohnt ist, sich durch lange Textdokumente zu kämpfen: Wer sich von der Lektüre der sich stetig ändernden Datenschutzbestimmungen nicht abhalten lässt, entdeckt im Emissionsprospekt auch die Tatsache, dass jede A-Aktie ein Stimmrecht enthält - die vermeintlich mindere B-Aktie deren zehn!

«Gefällt mir nicht mehr» für Anleger

«Um Facebook kommt man heute leider nicht herum», sagte ich kürzlich zu einem Freund (aus der realen Welt). «Stimmt - und wenn man mal drin ist, kommt man auch fast nicht mehr raus», erwiderte er. Hoffen wir, dass der Verkauf von Facebook-Aktien für künftige Investoren einfacher ist, als sich - im virtuellen Leben - aus den Fängen des sozialen Netzwerkes zu befreien. Und: Dass nach dem Börsengang auch der Facebook-Button «Teilen» im deutschen Wortsinn für künftige Facebook-Aktionäre eine Bedeutung erhält. Stichwort Dividende.

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