Es ist ein kleines Erdbeben am Schweizer Mobilfunkmarkt. Sunrise wagt den ersten Börsengang in dieser Branche seit 1998. Immer wieder war über den Schritt spekuliert worden. Doch ist der Konzern wirklich für den Gang aufs Parkett bereit?

Die Entscheidung folgt nur kurz, nachdem der französische Telekom-Milliardär Xavier Niel bei Mitbewerber Orange zugegriffen hat. Niel hat den Konzern Ende 2014 für mehr als zwei Milliarden Euro erworben. Der Eigentümerwechsel bei Orange habe die Entscheidung aber nicht beeinflusst, sagte Finanzchef André Krause. «Wir haben mit den Vorbereitungsarbeiten auch weit vor dem Besitzerwechsel bei Orange begonnen», betont Krause.

Besitzerwechsel bei Orange dürfte Entscheid beeinflusst haben

Dennoch bringen Analysten den Schritt von Sunrise mit dem Besitzerwechsel in Verbindung. «Nach dem Kauf von Orange stand Sunrise unter Zugzwang», sagt Uwe Neumann, Analyst für den Bereich Technologie der Credit Suisse

Der Telekomanbieter hätte sich andernfalls mehr Zeit lassen können, um noch Lücken in der Aufstellung für den Börsengang auszubügeln. «Das Unternehmen konnte 2014 seinen Marktanteil im Mobilfunk durch Zukäufe kleinerer Anbieter vergrössern, das ist gut», sagt Neumann. «Das ging allerdings zu Lasten der Profitabilität, vor allem im Mobilfunkbereich, die für Anleger genauso wichtig ist.» 

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Börsengang ist zweitbeste Option

Ein Börsengang erscheint ohnehin als zweitbeste Option. «Ein Verkauf wäre aus Sicht von Investor CVC sicher die beste Option gewesen», sagt Laurent Bakhtiari, Analyst der IG Bank. Berichten zufolge hatte Sunrise im Herbst vergangenen Jahres einen Investor gesucht.

Da der Verkauf nicht geklappt habe, sei aber ein Börsengang der richtige Schritt. «Das IPO ist jetzt eine gute Möglichkeit, um sich auf die Veränderungen im Markt vorzubereiten», sagt Bakhtiari.

Künftiger Anteil von CVC noch offen

Sunrise will seine Schuldenlast von zuletzt 2,9 Milliarden Franken dank der Einnahmen aus dem IPO von voraussichtlich 1,35 Milliarden deutlich verringern. Allerdings nicht im vollen Umfang der Kapitalerhöhung, da auch der Börsengang selbst kostet.

Mit den gewonnen Mitteln soll das künftige Wachstum finanziert werden. «Sunrise und Orange haben beide das Problem, dass sie wachsen müssen», sagt Telekomexperte Ralf Beyeler vom Vergleichsportal Comparis. Beide hätten hier bisher kein Rezept gefunden, um Swisscom ernsthaft anzugreifen. Der Branchenprimus herrscht noch immer über einen Anteil von 54 Prozent.

Puffer für den Preiskampf

Mit dem Kapital aus dem Börsengang hätte Sunrise in jedem Fall einen Puffer für Preissenkungen. Das kann wichtig werden, denn Orange-Neubesitzer Niel ist für seine aggressive Preispolitik bekannt.

Mit seinem Unternehmen Iliad pflügte er in Frankreich in wenigen Jahren den Mobilfunkmarkt um. Bakhtiari erwartet eine Kampfansage von Orange an seine Konkurrenten: «Dieses Jahr geht der Wettbewerb im Schweizer Mobilfunkmarkt in eine entscheidende Phase.»

UBS und Deutsche Bank federführend

Ob sich der heutige Besitzer beim Börsengang schrittweise bei Sunrise zurückzieht, ist offen. Die Inhabergesellschaft will sich auf ihren Anteil nicht festlegen. «CVC wird voraussichtlich der bedeutendste Aktionär von Sunrise bleiben», sagte Finanzchef Krause. Allerdings werde der heutige Anteil von etwas über 90 Prozent deutlich sinken. «Ob CVC über oder unter die Schwelle von 50 Prozent fällt, können wir noch nicht sagen», sagte Krause. Das hänge vom Preis der Aktien ab.

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Der Börsengang von Sunrise wird den Angaben zufolge von der Deutschen Bank und UBS federführend organisiert. Ferner gehören Morgan Stanley, Berenberg und die Bank Vontobel dem Konsortium an.