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Technologie
Japan automatisiert Toten-Gedenken

Beerdigung per Roboter: Japaner treiben es auf die Spitze
Roboter Pepper: Knuffig, aber als Priester? Keystone

Viele Jobs sind durch Automatisierung bedroht. Aber der eines Priesters bei der Beerdigung? In Japan kann der humanoide Roboter «Pepper» jetzt in dieser Funktion eingesetzt werden.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
2017-08-30

Die Japaner gehen gerne etwas weiter im Kontakt zwischen Mensch und künstlichem Wesen. Seit Jahren helfen dort Roboter bei der Altenpflege oder ersetzen bei einer Hotelkette komplett das Personal. Mehrere Tausend Männer jährlich kaufen in Japan eine lebensechte Silikonpuppe – weil sie keine Partnerin finden oder die Plastik-Gefährtin ihrer echten Frau vorziehen.

Angesichts dieses intimen Umgangs mit der Technik liegt also eine Idee nahe, die vor wenigen Tagen präsentiert wurde: Der knuffige Roboter Pepper, der als Einkaufsguide im Zürcher Glattzentrum auch in der Schweiz agiert, kann in Zukunft auch buddhistische Beerdigungen abhalten.

Teure Beerdigung

Diese Idee hat etwas Beklemmendes – ist wirklich kein Moment heilig, kein Job sicher vor der Automatisierung durch Roboter, nicht einmal die Totenfeier? Und ist der Mensch selbst bei einem solch sakralen Ritus ersetzbar?

Beerdigungen allerdings sind in Japan eine teure Angelegenheit. Die Feier dauert traditionell zwei Tage lang. An der Beerdigung verdienen wollen neben den Bestattern auch der Tempel und der buddhistische Mönch, der am ersten Tag buddhistische Sutren rezitiert.

Die Kosten schlagen so hoch zu Buche, dass findige Anbieter immer wieder mit Rabatten locken. Im März zum Beispiel bot das Bestattungsunternehmen Heiankaku in der Präfektur Aichi an, betagten Führerscheinbesitzern bei einem Verzicht 15 Prozent Rabatt auf ihre Beerdigung zu gewähren, wie «Spiegel Online» berichtete.

Roboter-Priester kostet nur ein Viertel

Gleichzeitig suchen japanische Familien nach Wegen, um die Bestattung günstiger zu gestalten. Bereits vor zehn Jahren verzichtete ein Drittel der Familien darauf, überhaupt einen buddhistischen Mönch zu beauftragen.

In diese Kerbe schlägt nun SoftBank mit einer neuen  Einsatzmöglichkeit für Pepper, wie Reuters berichtet. Der humanoide Roboter als Priester, wie ihn der Konzern vergangene Woche auf der «Life Ending Industry Expo» in Tokio vorgestellt hat. Pepper war dabei in einen traditionellen Sari gekleidet, rezitierte die Suren mit blecherner Computerstimme und schlug die dazugehörige Trommel (siehe Video unten).

Das Argument, das SoftBank für den Roboter vorbringt, ist der Preis. Während der Einsatz eines buddhistischen Mönchs rund 240'000 Yen (rund 2100 Franken) kostet, schlägt der Einsatz von Pepper bei einer Beerdigung nur mit 50'000 Yen zu Buche (rund 436 Franken).

Bisher allerdings wurden die Dienste des Roboter-Priesters nicht angefragt.