In Südkorea hat Samsung gerade zum dritten Mal in Folge einen Gewinneinbruch verkünden müssen. Der Smartphone-Riese ist nicht der Einzige, der in einem härter werdenden Elektronikmarkt zu kämpfen hat. In Japan steht die gesamte Technologiebranche unter Druck: Toshiba, Panasonic, Sharp, Fujitsu - sie alle müssen sich behaupten. Während Samsung es mit neuen Tablet-Modellen und intelligten Uhren versucht, gehen Japans Elektronikriese neue Wege: Sie setzen auf Gemüseanbau im Reinraum.

Den Anfang machte Fujitsu, wie die «Japan Times» berichtete. Der Technologiekonzern züchtet seit 2013 dort, wo zuvor Computerchips in staubfreier Umgebung vom Band liefen, Salat. Dabei zieht das Unternehmen nicht schlicht nur grüne Pflänzchen heran - die spezielle Anbauweise sorgt für einen besonders niedrigen Kaliumgehalt. Damit sei der Salat zum Beispiel für Dialysepatienten besonders geniessbar, deren Nieren nicht mit hohem Salzgehalt belastet werden dürften.

Sharp züchtet Erdbeeren in Dubai

Das Vorbild macht Schule: Toshiba will in einem Diskettenwerk, das seit zwei Jahrzehnten leer steht, mit dem Gemüseanbau beginnen, berichtet das «Wall Street Journal». Auch Panasonic entdeckt demnach die Landwirtschaft für sich – das Unternehmen will computergesteuerte Treibhäuser verkaufen. Sharp ist dagegen ebenfalls selbst unter die Gemüsebauern gegangen: Der Konzern setzt seit vergangenen Jahr Technologien für Beleuchtung und Luftreinigung in Labortests dafür ein, um in einem überdachten Gebäude in Dubai Erdbeeren heranzuziehen. 

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Der Vorstoss der Technologieriesen wird dabei von der Regierung unterstützt. Premier Shinzo Abe hat die Subventionen für die Landwirtschaft auf das ganze Land ausgedehnt. Sie sind Teil der  als «Abenomics» bekannten Strukturreformen, mit denen Abe die japanische Konjunktur ankurbeln will

Agrarreform gebremst

Abe eröffnet dabei nicht nur neue Produktionsmöglichkeiten für die Unternehmen, sondern betreibt vor allem den Umbau der traditionellen Landwirtschaft. Sie wird bis heute von Familienbetrieben mit jeweils kleinen Anbauflächen beherrscht. Sein Vorstoss stiess jedoch auf den Widerstand der Althergebrachen. Als Abe kürzlich weitere Strukturreformen verkündete, fuhr er sein Agrarprogramm zurück. Fujitsu stört das vorerst nicht: Im Juni konnte die erste Salaternte an Japans Supermärkte ausgeliefert werden. Der Konzern bleibt aber vorerst bescheiden: Bis 2016 soll die Gemüsesparte laut «Wall Street Journal» knapp drei Millionen Euro erzielen.