Weltweit läuft das am Donnerstag zu Grabe getragene Betriebssystem auf etwa 30 Prozent aller Computer. Das 13 Jahre alte Windows XP ist damit immer noch die Nummer zwei bei den Betriebssystemen und ist auf mehr Computern installiert als der ungeliebte Nachnachnachfolger Windows 8. Obwohl Windows XP mit dem Ende des Supports verwundbar wird für Hackerangriffe, dürfte das Betriebssystem nicht so schnell verschwinden, wie sich dies die Microsoftoberen wünschen. Diese hatten das Supportende wegen der anhaltenden Beliebtheit des Systems immer wieder verschoben.

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern bleibt Windows XP das dominierende System. Laut der Website des chinesischen Staatsfernsehens lief Windows XP im März 2014 noch auf 50 Prozent aller Computer in China, klar vor Windows 7 mit rund 30 Prozent. Die neuen Windows 8 und 8.1 sind nach Angaben von CCTV fast ausschliesslich in Internetcafés, sowie einigen Firmen und Schulen installiert.

Chinesen bleiben bei Windows XP

Der wichtigste Grund für die weite Verbreitung von Windows XP in China ist, dass das Programm in grossem Rahmen raubkopiert wurde. Microsoft schätzte 2011, dass es sich bei 90 Prozent der in China verwendeten Software um Raubkopien handelt. Ob es der Firma mit der Einstellung des Supports aber tatsächlich gelingt, die 300 Millionen XP-Nutzer in China zum Kauf eines neuen Systems und damit oft auch Computers zu bewegen, ist offen. Etliche Software- und Internet-Sicherheitsfirmen hätten nämlich die Marktlücke bereits erkannt und mit der Entwicklung von eigenen Supportlösungen für Windows XP begonnen, berichtet CCTV.

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Für Microsoft geht es beim Supportende um viel Geld. «Upgrades sind eine Massnahme, im Namen der Sicherheit den Konsum anzuheizen», sagte Isaiah Locke, ehemaliger IT-Sicherheitsexperte der US-Army gegenüber CCTV. Nicht nur würden die Kunden zum Kauf des neuen Programms genötigt, sondern wegen immer höherer Systemanforderungen auch gleich zum Kauf eines neuen PCs oder Laptops. Ob die Leute dieser Logik folgen oder sich nach einer Lösung ausserhalb der Microsoft-Betriebssysteme umschauen, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Und bezüglich China befürchtet Microsoft jedenfalls schon heute eine neue Schwemme von Raubkopien der neueren Betriebssysteme.