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Mobilität
Konkurrenz für Tesla: Volvo verabschiedet den Benziner

Volvo will neue Modelle ab 2019 nur noch mit Elektro- oder Hybridantrieb produzieren. Ein mutiger Schritt für einen Traditionshersteller. Der Autobauer ist der erste, der ihn so konsequent wagt.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 05.07.2017

Volvo wagt den Schritt: Ab 2019 will der schwedische Autobauer in neue Modelle nur noch Elektro- oder Hybridantriebe einbauen. Nur ältere Modelle würden dann noch mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren produziert, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Volvo ist damit der erste Traditionshersteller, der derart konsequent auf Elektromotoren setzt. Bisher steht dafür vor allem Tesla. Der Querulant der Branche startet in dieser Woche mit der Serienproduktion vom Model 3, dem ersten Tesla für die Masse. Konzernchef Elon Musk hofft hier auf einen Durchbruch – und die Zahlen der Vorbestellungen geben ihm recht. Weltweit wurden bisher 400'000 Fahrzeuge geordert, bei einer Anzahlung von 1000 Dollar. Jetzt muss Musk nur noch liefern. 

Abkehr vom Benzinmotor

Ähnlich sieht es bei Volvo aus. Jahrzehntelang stand der Traditionshersteller für Sicherheit und skandinavische Qualität, dann kamen Krisenjahre. Erst übernahm Ford, dann 2010 der im Westen wenig bekannte chinesische Autobauer Geely. Auch wenn die chinesischen Eigner sich bei Volvo zurückhalten, hat die Übernahme einen tiefgreifenden Wandel angestossen. Eben noch mit schwächelnden Absatzzahlen, setzte Premiumhersteller Volvo neu auf alternative Antriebe.

Die Abkehr von neuen Benzinmotoren steht für einen Ausbau der bisherigen Strategie. Bereits geplant waren ein batteriebetriebener Kleinwagen und ein rein elektrischer Sportwagen. Jetzt will Volvo zwischen 2019 und 2021 fünf neue Elektro-Modelle vorstellen, die grössere Reichweiten und attraktive Designs bieten sollen. «Volvo hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 eine Million Elektroautos verkaufen zu wollen», schrieb Konzernchef Hakan Samuelsson in der Mitteilung, «so werden wir das schaffen».

Mehr Elektrofahrzeuge mit 400 Kilometer Reichweite

Auch wenn Volvo in seiner Konsequenz heraussticht, legt er nicht länger als einziger Autobauer vor. Auch Mercedes-Benz, Audi und Jaguar Land Rover haben bereits Elektro-Prototypen mit einer Reichweite von 400 Kilometern präsentiert, wie Bloomberg bemerkt. Einige dieser Modelle werden nächstes Jahr in den Verkauf gehen. Die grosse Reichweite war bisher ein markantes Merkmal der Elektro-Sportwagen von Tesla, während andere Autobauer lange nach wenigen Kilometern neue Ladung brauchten.

Für Volvo hat es Sinn, konsequent auf Elektrofahrzeuge zu setzen. Vor allem für China wird erwartet, dass die Abnahme dort schnell steigt. Auch Tesla und Konsorten schauen mit ihren Plänen für strombetriebene Fahrzeuge und autonomes Steuern auf den dort boomenden Automarkt. Der Pkw-Absatz in China ist Anfang 2017 rund 4 Prozent gewachsen. Das ist wenig, im Vorjahr waren es noch 9 Prozent, berichtet das CAR-Center Automotive Research in Duisburg-Essen. Weltweit legte der Automarkt im gleichen Zeitraum 2,3 Prozent zu.

Unter Besitzer Geely ist ausserdem ein Teil der Volvo-Produktion nach China verlegt worden. Die chinesischen Besitzer wollen aber nicht allein den wachsenden Markt in China erobern. Vielmehr ist Volvo der erste grosse Autobauer, der in China produzierte Fahrzeuge nach Europa liefert.

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