Die Gerüchte über ein günstigeres iPhone werden von einer überraschenden Quelle untermauert: Das neue Telefon mit Plastik-Gehäuse wird in dem Bericht einer Aktivisten-Gruppe über schlechte Arbeitsbedingungen bei einem Apple-Zulieferer erwähnt.

Einer der verdeckten Ermittler der Organisation China Labor Watch berichtete, er sei beim Auftragsfertiger Pegatron damit betraut worden, Schutzfolie auf die Plastik-Rücken eines noch nicht vorgestellten iPhone-Modells zu kleben. Zum Stand vor rund drei Wochen habe Pegatron an den Produktionsabläufen gearbeitet, aber noch keine Massenfertigung gestartet.

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Bereits am Wochenende hatte ein Foto aus China die Spekulationen weiter angeheizt. Das Bild beim Portal «WeiPhone» zeigt weisse Plastik-Schalen mit der Aufschrift «iPhone 5C». Apple dürfte in diesem Herbst regulär die iPhone-Modellpalette erneuern. Dabei arbeitet der Konzern laut Medienberichten neben einer weiterentwickelten Version des aktuellen iPhone 5 auch an einem günstigeren Modell.

iPhone 5 statt «new iPhone»

Entsprechend wurde das «C» auf den Verpackungen in dem Foto in Technologie-Blogs als Abkürzung für «Compact» oder «Color» interpretiert - schliesslich soll es das einfachere Modell nicht nur in weiss und schwarz, sondern in verschiedenen Farben geben. Die französische Website «Nowhereelse.fr» und «WeiPhone» veröffentlichten bereits vor wenigen Wochen Fotos von angeblichen Gehäusen des Geräts mit Farben wie Gelb, Rot oder Grün.

Die Smartphone-Revolution erfasst inzwischen immer mehr auch die Entwicklungsländer und dort sind vor allem günstigere Geräte gefragt. Deshalb gehen Branchenbeobachter davon aus, dass nun auch Apple ein günstigeres aktuelles Modells ins Programm nehmen könnte. Bisher wurden einfach ältere iPhone-Generationen billiger verkauft.

Das neue Bild kann aber auch eine Fälschung sein oder Apple seine Namens-Pläne ändern. So war kurz vor dem Start des aktuellen iPhone-Modells vor knapp einem Jahr ein Foto aufgetaucht, auf dem eine Frau neben einer Druckmaschine einen Bogen mit Verpackungspapier für ein «new iPhone» hielt. Das wenige Wochen später vorgestellte Gerät hiess dann aber iPhone 5.

Neue Vorwürfe gegen Apple und Zulieferer

Der umfangreicher Report der Nichtregierungsorganisation China Labor Watch (CLW) behauptet, die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken, die Apple-Produkte wie iPad und iPhone herstellen, seien schlimmer als bislang bekannt. Das berichtete am Wochenende der «Spiegel» und berief sich zusätzlich auf  Recherchen vor Ort in Shanghai.

Die Vertragsfabriken von Apple verstossen laut CLW systematisch gegen chinesisches Arbeitsrecht. Über 10'000 Schüler und Studenten müssten in den Fabriken unter teils gefährlichen Umständen arbeiten. Vermittelt würden sie von ihren Lehrern und Schulen, die angeblich einen Teil des Lohns für sich einbehalten, so der Report. Einige Beschäftigte müssten den ganzen Tag stehen, eine Schicht dauere oft länger als zwölf Stunden, 80 Überstunden pro Monat sind keine Seltenheit.

Auch Minderjährige und Schwangere müssten weit länger als acht Stunden am Tag arbeiten, schreibt der «Spiegel» unter Bezug auf den Bericht. Kaschiert würden diese Missstände angeblich durch ein betrügerisches Abrechnungssystem, das Überstunden systematisch unterschlage. Apple wollte sich bis zum «Spiegel»-Redaktionsschluss am Freitag nicht zu den Vorwürfen äussern. Ein Sprecher von Pegatron versichert: «Der besondere Schutz unserer Mitarbeiter ist unsere oberste Priorität.»

(tno/awp)