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Langsameres Wachstum in Sicht

 

Bei Hewlett-Packard, dem Marktführer in der Schweiz, erwartet man für dieses Jahr eine zweigeteilte Entwicklung: Bei Notebooks dürften mehr Geräte verkauft werden, bei den PCs dürfte der Absatz um 10%

Von Matthias Niklowitz
am 02.02.2009

«Wir erwarten, dass der PC- und Notebook-Markt in diesem Jahr langsamer wachsen wird als noch 2008» sagt Marcel Borgo, der bei Hewlett-Packard (HP) in der Schweiz den Geschäftsbereich für PC und Notebooks leitet. «Bei den Notebooks erwarten wir ein prozentual einstelliges Wachstum, bei Desktops einen Rückgang der Verkäufe bis zu 10% auf Stückzahlbasis.» Weil inzwischen drei Fünftel des Absatzes auf Notebooks entfällt, dürfte der PC-Markt in der Schweiz in  diesem Jahr möglicherweise gar stagnieren.

Bei HP ist man trotzdem optimistisch. «In konsolidierenden Märkten gewinnt der Marktleader, und das sind wir ganz deutlich.. Deshalb rechnen wir damit, mit höheren Marktanteilen aus der Krise hervorzugehen» sagt Borgo weiter, «zudem ist es hier so wie auch in anderen Märkten: Schwächen in einzelnen Bereichen lassen sich durch andere, gut laufende Bereiche ausgleichen. Da wir sehr breit aufgestellt sind, können wir das optimal ausspielen. Schliesslich sorgt auch unser dichtes Partner- und Retailnetzwerk für Stabilität.»



HP ist weit weniger bei den trendigen Netbooks engagiert als andere Anbieter. «Ich erwarte hier noch kein Ende des Booms, denn die Telecom-Netzbetreiber  tun viel dafür, diese Geräte  mit Abonnementen zu verbinden, um ihren Umsatzschwund in anderen Geschäftsbereichen auszugleichen» sagt Borgo, «und als Interface für das Internet sind solche Geräte auch sehr gut geeignet. Aber solche Produkte können auch leicht zu einer Enttäuschung führen, wenn sich Anwender die Leistungen von normalen Notebooks gewohnt sind oder das minutenlange Aufstarten oder die begrenzte Akku-Leistung mit den Merkmalen eines Smartphones vergleichen.»



Eine bemerkenswerte Entwicklung gibt es auch bei den Firmenkunden. «Einige global tätige Firmen  erneuern im Rahmen eines Big Bang alle drei bis vier Jahre ihre PC-Flotten im Rahmen einer grossen Ausschreibung, und solche grossen Aufträge kamen auch jetzt alle paar Monate», erklärt Borgo weiter. Die «Handelszeitung» hatte im Dezember bereits über zwei Grossauträge berichtet, Nestlé wird in den nächsten drei Jahren gegen  150’000 PCs und Roche etwa 80’000 beschaffen. «Andere, und hierzu zähle ich einige grosse schweizerische Kunden, schauen sich die Projekte noch einmal sehr genau an und überlegen sich, ob sie sie noch etwas zurückstellen können.» Wobei auch das nicht beliebig lange fortgeführt werden kann. «Denn nach einigen Jahren laufen die Garantien aus, es sind keine Ersatzteile mehr vorhanden und dann steigt der Wartungsaufwand dermassen an, dass auch grosse Banken und Versicherungen, die unter starkem Kostendruck stehen, ihre PC-Flotten erneuern müssen, weil die stark benutzten Geräte schlicht fast auseinanderfallen.»



«Vista ist auch bei Firmenkunden besser als der Ruf», sagt Borgo weiter zum viel kritisierten aktuellen Betriebssystem von Microsoft. «Viele grosse Kunden geben zwar zu, dass sie Lehrgeld bezahlt haben – viele sind nun aber auch ausserordentlich zufrieden, und Vista läuft stabil». «Zudem müssen etliche Firmen hier nachziehen, weil ihre Mitarbeitenden ja auch privat Computer anschafften, und für Privatkunden besteht seit einem Jahr kaum eine Alternative mehr zu Vista», beobachtet Borgo.



Und wie wird die Krise die Wettbewerbsbedingungen beeinflussen? «Wenn man jetzt überleben will, muss man auf zwei Gebieten sehr gut sein» verrät Borgo, «man muss eine gute Kostenstruktur aufweisen und die Logistikprozesse müssen sehr gut funktionieren. Zudem muss es für Kunden sicher sein, dass man in ein, zwei  Jahren noch im Geschäft ist – eine Hürde, die nicht alle Mitbewerber nehmen.»






 

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