Dass die Migros ein digitales Portemonnaie plant, war bekannt. Die stillschweigende Lancierung der mobilen Bezahllösung am Mittwoch kam trotzdem überraschend. Das unscheinbare Update 2.4.0 der Migros-App beinhaltet eine grosse Neuerung: Seit gestern Abend steht in der App die neue Funktion «Mobiles Bezahlen» zur Verfügung. Erst heute gibt Migros den Start bekannt.

Um die Funktion des Detailhandelsriesen zu nutzen, braucht man eine Kreditkarte oder ein Konto bei der Migros Bank. Dafür müssen die Nutzer an den Kassen der Migros-Filialen nur noch einen QR-Code auf dem Smartphone vorzeigen – und schon ist der Einkauf erledigt.

Harter Kampf um Zukunftstechnologie

Fachleute sagen den elektronischen Portemonnaies eine grosse Zukunft voraus. Entsprechend umkämpft ist der Markt der sogenannten E-Wallets in den letzten Jahren geworden. In der Schweiz versuchen sich gleich mehrere Player an der vielversprechenden Technologie. Nicht alle können sich durchsetzen: Erst vor zwei Wochen hat die Swisscom ihr eigenes Projekt Tapit aufgegeben und will fortan am ehemaligen Konkurrenzprodukt Paymit mitarbeiten.

Was wie ein Schritt zu einer gesamtschweizerischen Lösung ausgesehen hat, ist nun durch das Projekt der Migros erneut in Frage gestellt. Neben der Bankenlösung Paymit von Six und UBS hält vorerst auch Postfinance an der eigenen Bezahl-App Twint fest. Auf dieses Angebot setzt auch die Migros-Konkurrenz: Noch in diesem Jahr will Detailhändler Coop Twint einführen.

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In Amerika lauert Apple

Schon seit längerer Zeit bietet auch Manor eine Bezahl-App an. Allerdings ist Manor Mobile Card nur in Filialen von Manor und Jumbo einsetzbar. Migros dürfte da schon eine härtere Konkurrenz für Paymit und Twint sein. Und auf der anderen Seite des grossen Teichs lauert bereits Apple Pay, das in den USA erfolgreich gestartet ist.