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Neuer Chef, neue Positionierung

 

Die deutsche Software AG ist einer der grössten Softwareanbieter Europas. Gleichzeitig ist das Unternehmen auch vergleichsweise unbekannt. Mit Maurizio Conti, dem neuen Managing Director & Vice Presid

Von Matthias Niklowitz
am 12.12.2009

«Wir positionieren uns neu in der Schweiz» sagt Maurizio Conti, seit August Managing Director und damit Länderchef für die deutsche Software AG in der Schweiz. Sein Arbeitgeber hat sich in diesem Jahr durch die Zukäufe von IDS Scheer und Teconomics entscheidend verstärkt. Bisher setzt die Software AG in der Schweiz mit 30 Angestellten (von der «Handelszeitung» geschätzte) 15 bis 20 Mio. Fr. um. Allein durch die Übernahme von IDS Scheer kommen weitere 50 Arbeitsplätze hinzu. Neben den Produktlinien von Software AG und IDS Scheer soll die Consulting-Sparte erweitert werden. «Wenn die Übernahme abgeschlossen wird, soll die ehemalige IDS Scheer zu 100% integriert werden» sagt Conti weiter, «wir rechnen mit dem Abschluss des Verfahrens im kommenden Jahr.»



Neues Kompetenzzentrum



Mindestens ebenso wertvoll hat sich der Kauf der schweizerischen Teconomic AG erwiesen. Das Beratungsunternehmen beliefert sieben der Top-10-Finanzinstitutionen, darunter die UBS, Credit Suisse und Zurich Financial Services mit Finanzlösungen und Services rund um Swift. Swift ist die weltweite Genossenschaft, über die Banken und nun auch Unternehmen ihren Zahlungsverkehr abwickeln. «Der Kauf der Teconomic AG hat auch intern bei der Software AGviel bewirkt» sagt Conti weiter, «die anderen europäischen und amerikanischen Niederlassungen rennen uns jetzt die Türe ein, weil wir hier in der Schweiz ein Kompetenzzentrum für die Finanzdienstleister und für SWIFT Services errichtet haben.» Auch extern steigerte diese Verstärkung die Beachtung – beim Kundenanlass in Zürich Ende November hatten sich mit UniCredit, Swisscom IT Services und Volkswagen Financial Services sehr klanghafte Namen für Präsentationen bereit gestellt. «Für uns verschiebt sich der Schwerpunkt des Unternehmens von Kernanwendungen hin zu Technologien und Produkten für Geschäftsprozesslösungen» sagt Conti weiter und verweist, wie stark sich andere Firmen im Technologieumfeld gewandelt haben: Die Online-Buchhandlung Amazon hat sich zum Weltmarktführer bei Business-Cloud-Services gewandelt, die Suchmaschine Google bietet auch Office-Software an und auch Telecom-Netzbetreiber sind jetzt nicht (mehr nur) für Anschlüsse und Verbindungen, sondern auch für Netzwerkdienstleistungen zuständig.



Und neuer Standort



Übernahmen alleine machen aber noch keine Neuausrichtung aus. Im kommenden Jahr soll in Zürich auch ein neuer Standort bezogen werden. Wachsen möchte Conti aus der traditionellen Stärke bei Finanzdienstleistern und dem Gouvernment-Umfeld in Richtung Versicherungen, Versorger, Retailer und Life Sciences mit den Bereichen Pharma, Biotech und Chemie.

So ganz im Alleingang schafft das niemand. Die Nummer 2 in Deutschland (nach SAP) und Nummer 4 in Europa hat unter anderem eine strategische Partnerschaftsvereinbarung mit Accenture abgeschlossen. In der Schweiz soll diese Partnerschaft um lokale Partner ergänzt werden. «Die Förderung des indirekten Vertriebskanals ist eine meiner Hauptaufgaben» sagt Conti, «und diese Partnerschaften wollen wir auch leben.»

Und auch die Bekanntheit der Software AG in der Schweiz will Conti steigern. «Bisher sind wir im Schweizer Markt noch nicht so bekannt, obwohl die Software AG in diesem Jahr ihr 40 jähriges Jubiläum feiert und die Schweizer Niederlassung im 2010 bereits 25 Jahre alt wird.» Das Unternehmen bezeichnet sich als «weltweit führenden und unabhängigen Anbieter von Geschäftsprozesslösungen», und insbesonders in heterogenen Umgebungen, wo man einerseits ein breiteres Produkteportfolio als der direkte Mitbewerb aufweist und andererseits mit allen Plattformen (SAP, Oracle, IBM, Microsoft usw.) zusammen arbeitet. Inzwischen arbeiten (ohne IDS Scheer) 3600 Personen für die Software AG, durch organisches Wachstum (selbst gestecktes Ziel sind 10% Wachstum pro Jahr) und Zukäufe soll der Umsatz bald die 1-Millarden-Grenze erreichen.

Aber Geld alleine ist auch nicht alles. «Die soziale Verantwortung, die in diesem Unternehmen steckt, war für mich ein wichtiger Grund, diese Stelle anzutreten» sagt Conti. Mit ca. 25 Mio. Euro unterstützt die Software AG-Stiftung, die 30% der Software AG-Aktien und damit eine Sperrminorität gegen Übernahmen hält, Schulen, Bildungsinitiativen und die Innovationsförderung. Auch in der Schweiz hat man entsprechendes vor, beispielsweise eine Kooperation mit der Fachhochschule Bern. «Und wir führen auch Gespräche mit der HSG in St. Gallen» sagt Conti.
 

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