Wikipedia ist Schwarz - für einen Tag. Die englische Ausgabe der Internet-Enzyklopädie kann heute nicht benutzt werden.

Grund ist der so genannte «Stop Online Piracy Act» - auch unter SOPA bekannt. Um Internetpiraterie zu unterbinden, bereiteten diverse US-Politiker ein umfassendes Gesetzespaket vor. Unterstützt werden sie von der Film- und Musikindustrie, vereinzelt auch von Verlagen.

Bedrohung auch für legale Webseiten

SOPA sieht für Strafverfolgungsbehörden, um gegen vermutete Urheberrechtsverletzungen vorzugehen, enorme Machtbefugnisse vor. Unter anderem könnten Webseiten wie .com, .net oder .org ohne rechtliche Prüfung einfach abgeschaltet werden. SOPA trifft also nicht nur die USA, sondern hat weltweite Auswirkungen.

Viele Webseitenbetreiber sehen sich durch diesen Gesetzesentwurf bedroht, so auch Wikipedia. Darum ging die Enzyklopädie heute vorübegehend vom Netz.

In der Schweiz nimmt die Piratenpartei am virtuellen Protest auch teil, teilte deren Präsident Denis Simonet der «Handelszeitung» mit. Wikipedia-Schweiz-Sprecher Nando Stöcklin bestätigte gegenüber der «Handelszeitung», dass Wikipedia Deutschland zwar online bleiben wird, jedoch die Demonstration voll und ganz unterstützt.

Gesetzes-Initiator war selbst ein Pirat

Peinlich wurde es letzte Woche für den republikanischen US-Kongressabgeordneten und SOPA-Frontmann Lamar Smith: Recherchen von «Vice.com» zeigten, dass er auf seinem eigenen Internetauftritt selbst unauthorisierte Bilder verwendete - ein Fall für SOPA.

Auch im Weissen Haus formierte sich Widerstand: Gestern verlauteten Mitarbeiter von Barack Obama, dass sie das Gesetz niemals in der aktuellen Form gutheissen würden. Obama hat ein Veto-Recht - damit dürfte sich der Druck auf SOPA noch weiter steigern.

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