Der Börsengang von Rocket Internet soll der mit Abstand grösste in diesem Jahr in Deutschland werden. Die Internet-Holding der Berliner Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer will in den nächsten zwei Wochen bis zu 1,61 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln – doppelt so viel wie im Vorfeld erwartet. Die Preisspanne für die bis zu 37,9 Millionen neuen Aktien wurde am Dienstag auf 35,50 bis 42,50 Euro festgesetzt, wie Rocket mitteilte. Rocket Internet ist an 66 von den Samwer-Brüdern in den vergangenen Jahren selbst gegründeten oder mitinitiierten, meist noch verlustreichen Internet-Marken ausserhalb Europas beteiligt.

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Das Unternehmen wird damit mit bis zu 6,7 Milliarden Euro bewertet. 24 Prozent von Rocket Internet sollen nach dem Gang an die Börse bei neuen Investoren liegen. Mit dem Erlös will Rocket weitere neue Internet-Händler und -Dienstleister in aller Welt – nur nicht in den USA und China – gründen und die bestehenden Beteiligungen ausbauen. Die in mehr als 100 Staaten aktiven Firmen sind im Schnitt erst zwei Jahre alt.

Zeichnungsfrist bis 7. Oktober

Die Palette reicht vom Online-Möbelhändler über Essens-Lieferdienste bis zu Internet-Zahlungsabwicklern. «Wir sind überzeugt, dass Rocket eine einmalige Chance hat, am Wachstum des Internethandels in Schwellenländern teilzuhaben», sagte Oliver Samwer.

Die Zeichnungsfrist für die Rocket-Internet-Aktien läuft von Mittwoch an bis zum 7. Oktober. Am 9. Oktober soll die Firma ihr Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Die Papiere werden aber zunächst im schwach regulierten Entry Standard gelistet, in dem sich sonst nur Klein- und Kleinstwerte tummeln. Denn einige der jungen Firmen im Portfolio von Rocket Internet können noch nicht die geforderten Bilanzen vorweisen. In eineinhalb bis zwei Jahren will Rocket Internet in den Prime Standard wechseln, der auch eine Mitgliedschaft in den grossen Börsenindizes erlaubt.

Mehrere Anker-Investoren sind schon dabei

Rocket-Aktien für 582 Millionen Euro haben sich mehrere Anker-Investoren bereits reserviert, allen voran der schottische Fonds-Anbieter Baillie Gifford mit 350 Millionen Euro. Er ist auch beim Internet-Modehändler Zalando, der eine Woche vor Rocket an die Börse strebt, einer der Anker-Investoren. Die Investmentbank JPMorgan, die den Rocket-Börsengang neben Berenberg und Morgan Stanley begleitet, übernimmt selbst Papiere für 100 Millionen Euro.

Zalando und Rocket Internet haben dieselben Wurzeln. Beide wurden von den Samwer-Brüdern finanziert, die mit ihrem Global Founders Fund an den zwei Unternehmen beteiligt sind. Auch die schwedische Investmentgesellschaft Kinnevik ist bei beiden massgeblich engagiert. Die Samwers hatten Rocket 2007 aus der Taufe gehoben.

(reuters/moh)