Während sich hierzulande gerade das Kaufen per Smartphone durchsetzt, plant Amazon in den USA bereits die nächste Shoppingrevolution. Zumindest verspricht der Onlineriese, jetzt sei der Einkauf einfacher denn je: mit Amazons «Dash Buttons». Letztes Jahr kurz vor dem 1. April lanciert, glaubten viele im ersten Moment an einen Aprilscherz. Denn die Idee dahinter klingt tatsächlich absurd: Mit einem «Amazon Dash Button» kann jeweils nur ein einziges Produkt bestellt werden – beispielsweise ein Waschmittel der Marke Tide.

Den dazugehörigen Knopf klebt man sich zum Beispiel direkt auf die Waschmaschine. Geht das Pulver aus, reicht ein Fingerdruck und das Produkt ist nachbestellt. Via Wifi ist der Knopf nämlich mit der Amazon-App und dem Benutzerkonto verknüpft. Der Dienst scheint für Leute mit Gedächtnisproblemen geradezu ideal, auf dem Weg zur Einkaufsliste oder dem Computer nämlich kann so einiges vergessen gehen (Wie sich Amazon unser Leben mit den Bestellknöpfen vorstellt, zeigt der Onlinehändler mit dem Werbevideo unten).

Ausweitung der Markenpalette

Die Plastikgadgets sind lustig, vom Aussehen her jedoch wenig modern und eingeschränkt in der Anwendung. Amazon ist vom Konzept offenbar trotzdem überzeugt. Letztes Jahr mit nur 30 Marken gestartet, kamen kürzlich zahlreiche neue «Dash Buttons» dazu, sodass Käufer in den USA inzwischen vom Katzenstreu über Kaffeepulver und Toilettenpapier bis zu Red Bull unter mehr als 100 Angeboten wählen können.

Zahlen zum neuen Dienst gibt der Onlinehändler keine bekannt. Der zuständige Manager Daniel Rausch zeigt sich in einer Mitteilung des Unternehmens aber zufrieden, inzwischen würde mehr als einmal pro Minute einer der «Dash Buttons» gedrückt. Weniger positiv fällt das Fazit der Marktforscher von Slice Intelligence aus. Weniger als die Hälfte derjenigen, die sich einen Knopf gekauft haben, würden ihn auch wirklich nutzen. Laut Studie drücken Konsumenten im Schnitt alle zwei Monate einmal drauf und tätigen eine Bestellung. Die beliebtesten Produkte seien Waschmittel, Reinigungstücher und ähnliches der Marken Tide, Cottonelle und Bounty.

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Zwei Tage Verspätung

Dem Instant-Kauferlebnis stehen einige Hürden im Weg. Noch können in den USA nur Amazon-Prime-Abonnenten (Kosten: 99 Dollar pro Jahr) die kleinen Helfer nutzen. Ganz gratis ist der Spass auch nicht, die 4,99 Dollar pro Knopf wird aber bei der ersten Bestellung angerechnet. Die Lieferung kommt beim Kunden wie üblich zwei Tage nach Bestellung an. Wenn also jemand spontan Lust auf einen Starbucks Doubleshot hat, muss er dafür weiterhin in ein Geschäft fahren. Das System eignet sich besonders für Vorratsprodutke.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die weiterhin eingeschränkte Auswahl an Marken und Produkte sowie die Koppelung des «Dash Buttons» an ein exakt definiertes Produkt. Beim Einrichten des Knopfs muss sich der Kunde für ein Produkt der gewählten Marke entscheiden. Das heisst, entweder wird die Aloe-Vera-Körpercreme oder die Handcreme mit Kamille von Burt's Bees' gewählt, beides ist nicht möglich.

Konkurrenzlos gesetzt

Schliesslich geht der höhere Komfort zu Lasten des Preises. Die Konsumenten legen sich für ihr Produkt und einen Preis fest, obwohl durch Konkurrenzvergleiche womöglich bessere Angebote zu finden wären. Genau hier liegt der grösste Vorteil für die Anbieter. Einmal im Haus montiert, ist das Produkt für den nächsten Einkauf praktisch konkurrenzlos. Eine seltene Position in der heutigen Zeit, in der Dutzende, wenn nicht Hunderte Angebote nur einen Klick entfernt sind.

Diese Vermutung bestätigt Edgewell, mithilfe seines «Dash Buttons» will das US-Unternehmen «wettbewerbsfähig und ganz vorne im Gedächtnis von Konsumenten bleiben, die bereits eine grosse Auswahl an Online-Shopping-Optionen haben». Red Bull ist vorsichtiger im Bezug auf ihre Erwartungen. Auf Anfrage erklärt der Energy-Drink-Hersteller, die «Amazon Dash Buttons» als Test zu betrachten: «Bei welchem wir verstehen möchten, wieviel Potenzial damit verbunden ist.»

Wifi-Verbindung macht Buttons vielseitig

Die «Amazon Dash Buttons» bestehen aus einer Batterie, einem Knopf, einem kleinen Led-Licht und einem Mikrofon, das nichts aufnehmen kann: Zumindest offiziell lässt sich damit nicht viel machen. Hacker machen sich aber die Wifi-Verbindung zu Nutze. Denn damit lässt sich allerlei Kreatives anstellen – von Pizzabestellungen bei Domino's bis zu Spielereien mit Lichtern, Autotemperatur oder Hupe. Das macht die Mini-Geräte dann doch – entgegen Amazons Absichten – ganz vielseitig einsetzbar.

So stellt sich Amazon unser Leben mit den «Dash Buttons» vor: