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Smartphones: «Energieverbrauch ist ein ernsthaftes Problem»

Könnten Smartphone-Displays Energie sparen, in dem sie Licht reflektieren? (Bild: Keystone)

Das Smartphone wird zum zentralen Instrument der Arbeitswelt, sagt Kommunikationsexpertin Annette Zimmermann. Tablets sind in ihren Augen nur auf den ersten Blick eine Konkurrenz. Als Problem sieht si

Von Thomas Mersch (Interview)
am 09.01.2013

Was macht Smartphones eigentlich weltweit so begehrt?

Annette Zimmermann:
Das Smartphone hat eine ganz neue Qualität. Nicht nur wegen der Funktionen. Viele Menschen identifizieren sich sehr stark damit. Einen Tablet-PC teile ich schon mal mit anderen, das Smartphone dagegen nicht. Es ist etwas sehr Persönliches.

Verändert sich damit unser Leben?
Lange war der PC das zentrale Kommunikationswerkzeug – für private Nutzer wie für Unternehmen. Künftig werden Daten online an nur einem Ort gespeichert und können von verschiedenen Geräten abgerufen werden. Das Smartphone spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein Beispiel: Ich fange daheim auf dem iPad an, ein Buch zu lesen – und mache damit unterwegs auf dem Smartphone weiter.

Hat das Smartphone mit Tablet-PCs nicht schon wieder ernsthafte Konkurrenz?
Nur auf den ersten Blick. Die Zeit, in der das iPad genutzt wird, ist additiv. Wir verbringen also noch mehr Zeit vor dem Bildschirm, auch wenn Laptops und PCs weniger benutzt werden.

Apple stellt auch PCs und MP3-Player her, Samsung obendrein noch Digitalkameras. Ruinieren sich die Anbieter selbst?
Irgendwo sind alle Hersteller inzwischen schizophren. Das sieht man auch daran, dass PC-Hersteller in die Tablet-Produktion einsteigen, obwohl sie damit ihr Kerngeschäft in Gefahr bringen. Sie haben aber keine andere Wahl. Es gibt den solitären PC-Markt nicht mehr, ebenso wenig den allein stehenden E-Reader- oder Tablet-Markt. Das Aufkommen von Tablets hat Auswirkungen auf das Kauf- und auch das Nutzungsverhalten bei PCs.

Gibt es in zehn Jahren eventuell ein neues und noch besseres Gerät?
Das ist schwer zu beurteilen. Es gibt alternative Technologien, die sich aber noch im Frühstadium befinden. Das Stichwort heisst Wearable Fabrics – also Mini-Geräte, die ich am Körper oder in der Kleidung tragen kann.

Annette Zimmermann, Analystin bei Gartner Research

Und in naher Zukunft?
Das Smartphone wird mehr und mehr Funktionen übernehmen, etwa die intelligente Steuerung von Wohnungen und Häusern. So wird zum Beispiel der Stromverbrauch überwacht und optimiert, Geräte werden automatisch ein- und ausgeschaltet.

Und die Geräte selbst?
Sie könnten noch handlicher werden. Samsung arbeitet an einem Gerät mit flexiblem Display – es soll biegsam sein und sich sogar zusammenklappen lassen. Wie genau es aussieht, verrät das Unternehmen bislang nicht.

Schon jetzt muss man das Smartphone täglich laden – wie soll es da noch mehr Funktionen schaffen?
Der wachsende Energieverbrauch ist ein ernsthaftes Problem. Das Display verbraucht enorm viel Strom. Eine Möglichkeit wäre, dass die Bildschirme nicht mehr mit eigener Beleuchtung arbeiten, sondern Licht reflektieren.

Könnten nicht Solarzellen helfen?
Das ist bei Smartphones totaler Blödsinn. Ein Gerät bleibt nur zwei bis drei Jahre bei seinem Besitzer. Die gewonnene Energie ist geringer als diejenige, die für die Produktion der Zelle anfällt.

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