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Sammelwut
Spotify will jetzt auch eine Datenkrake sein

Spotify steht in harter Konkurrenz zu neuen Anbietern: Datensammlung soll nun helfen. Bloomberg

Der Musikdienst Spotify will mehr über seine Nutzer wissen. Die Firma verlangt Informationen wie Kontakte, Fotos oder Mediendateien sowie Ortungsdaten. Nach Protesten reagiert das Management.

Veröffentlicht am 21.08.2015

Der Musikdienst Spotify will deutlich mehr über seine Nutzer erfahren. «Mit Ihrer Zustimmung erfassen wir Informationen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät gespeichert haben. Dazu gehören Kontakte, Fotos oder Mediendateien», heisst es in einer neuen Fassung der Datenschutzbestimmungen, der die Kunden zustimmen müssen, um den Service weiter zu nutzen.

An Ortungsdaten ist die schwedische Firma ebenso interessiert: Abhängig von den Einstellungen «können wir auch Informationen zu Ihrem Standort über beispielsweise die GPS-Daten Ihres Mobilfunkgeräts oder andere Formen der Lokalisierung mobiler Geräte (z. B. Bluetooth) erfassen». Andere Nutzer von Spotify-Diensten könnten über den Standort benachrichtigt werden.

Spotify sieht, wie schnell Sie gehen

Erfasst werden auch Informationen von Sensoren - etwa «Daten über die Geschwindigkeit Ihrer Bewegungen, beispielsweise, ob Sie laufen, gehen oder unterwegs sind». Spotify bietet inzwischen an, beim Joggen den Rhythmus der Musik an das Tempo des Läufers anzupassen. Das geht nicht ohne Zugang zu Sensordaten.

Die Personalisierung der Song-Auswahl gilt als der Schlüssel für den Erfolg künftiger Musikdienste. Die Vision ist, dass dem Nutzer aus Millionen Titeln die passende Musik zur aktuellen Tageszeit, Situation, Beschäftigung oder sogar Stimmung präsentiert werden kann. Dafür müssen die Anbieter zugleich viel über die Kunden wissen.

Marktführerschaft in Gefahr

Spotify gilt als Marktführer unter den neuen Streaming-Diensten, die Musik direkt aus dem Netz abspielen. Der Service hat 75 Millionen Nutzer, von denen 20 Millionen zahlende Abo-Kunden sind. Zugleich wächst die Konkurrenz: Ende Juni stieg auch Apple in das Geschäft ein und kam in der noch laufenden Gratis-Probezeit auf elf Millionen Nutzer binnen eines Monats.

Schadensbegrenzung

Nach Kritik der Nutzer bemüht sich Gründer Daniel Ek um Schadensbegrenzung. Denn mit den neuen Geschäftsbestimmungen handelte sich das Unternehmen wütende Kritik ein. Spotify-Chef Daniel Ek verteidigte das Vorgehen am Freitag auf Twitter, wo hunderte Nutzer sich über den Streamingdienst beklagten und kritische Artikel zum Thema verlinkten.

«Als Konsument habe ich euer Angebot immer geliebt. Euretwegen habe ich aufgehört, illegal Musik zu kopieren. Bitte zieht in Erwägung, nicht böse zu sein», schrieb einer der Erfinder des beliebten Onlinespiels «Minecraft», Markus Persson, auf Twitter. Er habe sein Spotify-Abonnement beendet.

Nur Zugriff nach Nachfrage bei Nutzer

Gründer Ek ging direkt darauf ein und fragte Persson, dem auf Twitter rund 2,4 Millionen Menschen folgen, ob er denn den Firmenblog gelesen habe. «Wir fragen explizit nach, ob wir auf deine Kamera oder die GPS-Ortung zugreifen.» Ek führte zudem aus, dass der Zugriff auf Fotos für die Nutzer von Vorteil sein könne, wenn sie etwa eine Musikliste mit einem bestimmten Bild versehen wollten.

Ek versicherte, dass Spotify nicht auf einen gläsernen Kunden aus sei. Spotify werde nur für einzelne Funktionen und nach jeweiliger Nachfrage bei der Nutzern auf ihre Informationen zugreifen, betonte er in einem Blogeintrag.

In den diese Woche eingeführten Datenschutzbestimmungen erweckte das Fehlen solcher Einschränkungen den Eindruck, Spotify wolle sich pauschal den Zugriff auf möglichst viele Informationen sichern. «Wenn Sie diese Art von Informationen nicht teilen wollen, müssen Sie das nicht», stellte Ek nun klar.

Ek entschuldigte sich für die Verwirrung, die die neuen Regeln ausgelöst hätten. «Wir hätten besser kommunizieren müssen, was diese Bestimmungen bedeuten und wie jegliche Informationen, die sie teilen, verwendet werden - und wie sie nicht verwendet werden.» Die Datenschutzbestimmungen sollen demnächst neu formuliert werden. «Wir hören Ihnen zu und nehmen Ihre Bedenken sehr ernst», versicherte Ek.

(awp/gku/ama)

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