Guter Kundenservice und dennoch günstige Preise: Ist dieser Spagat zu gross für Sunrise? Diese Frage stellt sich angesichts des aktuellen Vorhabens: Die Nummer zwei im Schweizer Telekommarkt will alle Kundengruppen unter eine Führung stellen, Privat- und Geschäftskunden werden dann von einem einzigen Service betreut. 175 Mitarbeiter werden damit überflüssig, fast jeder zehnte.

Dabei hatte das Unternehmen seinen einst verrufenen Kundendienst mühsam aufgebaut und schliesslich gute Werte erreicht. «Der Abbau hat keinen Einfluss auf den Service», sagte CEO Libor Voncina in einer Telefonkonferenz am Morgen. Wie das möglich ist, da auf allen Ebenen in der ganzen Schweiz Personal gekürzt wird, wie ein Sprecher sagt, dazu fehlen die Antworten. Insbesondere sind laut sda «weniger Managementschichten» vorgesehen, während die Geschäftsleitung unverändert bleibt. Eines betont Voncina: Der Schritt sei keine kurzfristige Reaktion, sondern seit dem ersten Quartal in Planung.

«Profitabilität steigern, ohne viel zu investieren»

«Die Massnahme ist definitiv keine Qualitätsoffensive. «Sunrise wollte auf diese Weise offenbar einen Weg finden, die Profitabilität zu steigern, ohne viel zu investieren», sagt Laurent Bakhtiari, Analyst der IG Bank. «Dieser Schritt macht das Unternehmen nicht wertvoller.»

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Sunrise hat bereits mit Problemen an mehreren Fronten zu kämpfen: Der seit Februar börsenkotierte Konzern hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 152 Millionen Franken verbucht, den Grossteil davon im ersten Quartal. Seit der Bekanntgabe der Zahlen im August ist der Aktienkurs um knapp 30 Prozent abgerutscht. Die kostensparenden Massnahmen trieben das Papier heute ins Plus, bis zum Mittag gewann es über 1 Prozent, während der SMI verliert.

Mehr Erträge in naher Zukunft erwartet

Das Unternehmen steht offensichtlich unter Druck. «Sunrise ist in Verteidigungshaltung», sagt Bakhtiari. Die Investmentbanker der UBS nennen an dieser Stelle die Preisoffensive von Salt. Wie bei der Übernahme von Xavier Niel erwartet, hat die Nummer drei der Schweiz einige Angebote deutlich günstiger gemacht, teilweise um 20 Prozent. «Die Kostenersparnis durch den Stellenabbau sollte die Erträge in naher Zukunft stützen, doch für das Unternehmen ist letzlich die Stabilität im Telekommunikationsmarkt entscheidend», schreibt die UBS.

Damit läuft es auf die Frage hinaus, ob Sunrise sich alleine am Markt halten kann, an dem noch immer die Swisscom dominiert. Darüber hinaus ist offen, ob der Konzerneigner, die Investementgruppe CVC Capital, ein Interesse daran hat. Gespräche über die Fusion der Netzwerksparte mit Salt sind mittlerweile offiziell bestätigt. Weitere Schritte lägen nahe.