Bei der Fluggesellschaft Swiss kommt es zu einem Chefwechsel. Nach sechs Jahren als Konzernchef verlässt Harry Hohmeister die Airline. Das Steuer übernimmt Thomas Klühr. Dies gab die Lufthansa am Mittwoch in Frankfurt bekannt. Klühr leitete bislang das zweitwichtigste Drehkreuz der Lufthansa in München und gilt als enger Vertrauter von Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Der Wechsel erfolgt auf Anfang 2016, wie die Lufthansa mitteilte. Hohmeister übernehme im Rahmen des Konzernumbaus eine Führungsposition in der Zentrale der Muttergesellschaft Lufthansa. Nach sechs Jahren als Chef übergibt Hohmeister seinem Nachfolger eine gesunde Airline. Die Airline fliegt sehr profitabel. Die Erneuerung der Swiss-Flotte ist auf Kurs und auch den lange schwelenden Streit mit den Piloten hat Hohmeister gelöst.

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1000 Stellen unter Hohmeister geschaffen

Unter Hohmeisters Führung befand sich die Swiss im Steigflug. Von 2009 bis 2014 steigerte die Airline den Umsatz um knapp ein Fünftel auf 5,2 Milliarden Franken. Das operative Ergebnis schoss gar um über das Doppelte von 146 Millionen auf 347 Millionen Franken nach oben.

Dabei half allerdings die geänderte Abschreibungspolitik der Lufthansa-Gruppe. Seit Anfang 2014 werden neue Flugzeuge und Reservetriebwerke über 20 Jahre statt bisher über zwölf Jahre abgeschrieben, was jährlich geringere Abschreibungen mit sich bringt. Ohne diesen Effekt wäre der Gewinn leicht unter dem Vorjahresergebnis von 264 Millionen Franken gelegen. Die Zahl der Passagiere hat die Swiss seit 2009 um 17 Prozent auf den Rekord von 16,17 Millionen gesteigert. In Hohmeisters Ägide wurden über 1000 Stellen geschaffen. Ende 2014 hatte die Swiss knapp 7000 Vollzeitstellen.

Eurowings wird aufgewertet und Sparprogramm ausgebaut

Die Lufthansa baut ausserdem darüber hinaus ihre Unternehmensstruktur um und wertet die Billigtochter Eurowings auf. Ziel der Neuausrichtung sei ein Ergebnisbeitrag von rund 500 Millionen Euro pro Jahr aus Kosten- und Erlössynergien, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Unter anderem gibt es bei der Lufthansa künftig keinen Vorstand mehr für das Passagiergeschäft. Die Billigfluglinie Eurowings solle dafür so eigenständig wie möglich entwickelt werden. Im Vorstandsteam um Chef Carsten Spohr werde künftig Karl Ulrich Garnadt für Eurowings verantwortlich sein. Mit der Neuaufstellung unterstreicht Spohr die Bedeutung von Eurowings, mit der der Konzern künftig gegen Ryanair und Easyjet antreten will.

Bislang war die Organisation des 120’000 Mitarbeiter starken Unternehmens komplex. Die Fluglinien firmierten unter dem Dach der Passage Airline Gruppe, die drei Viertel des Jahresumsatz von 30 Milliarden Euro stellt.

«Sozialpartnerschaft vertieft leben»

Der Wechsel an der Spitze der Swiss muss auch in der Sozialpartnerschaft spürbar sein, fordert die Gewerkschaft SEV-Gata mit Blick auf die angekündigten Straffungen der Organisation der Muttergesellschaft Lufthansa. Der starke Beitrag der Swiss zum Erfolg des Konzerns muss in den Leistungen fürs Personal in der Schweiz spürbar sein. «Wir stehen dem neuen Chef der Swiss offen gegenüber», hält Philipp Hadorn fest, Präsident von SEV-Gata und Gewerkschaftssekretär SEV.

Mit Blick auf dessen rein deutsche Erfahrung betont er: «Sozialpartnerschaft in der Schweiz muss nach unsern hiesigen Gegebenheiten spielen.» Die Sozialpartnerschaft müsse vertieft gelebt werden, so dass sie endlich auf allen Ebenen als Gewinn für beide Seiten anerkannt wird.

Angst vor Abbau der Eigenständigkeit

Die neue Organisationsstruktur der Lufthansa höre sich zunächst gut an, erklärte Henning Hoffmann von der Pilotengewerkschaft Aeropers.

«Die Frage ist nur, wie dies konkret umgesetzt wird. Wir sind gespannt, welche Kompetenzen Herr Thomas Klühr konkret noch haben wird, wenn die Swiss in Themen wie Marketing, Planung oder Vertrieb nicht mehr eigenständig ist», urteilte Hoffmann auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda: «Es stellt sich die Frage, ob hier nicht ein faktischer Abbau der schweizerischen Eigenständigkeit hinter schönen Worten kaschiert wird.»

(sda/me/mbü/chb)