«Apple Pay wird das Portemonnaie ersetzen», sagte Tim Cook anlässlich der Apple-Keynote in Cupertino. Mit dem neuen Bezahlsystem von Apple werde nicht nur das Bargeld überflüssig, sondern auch Kredit- und Debitkarten könne man künftig zu Hause lassen. Weniger tragen, schneller bezahlen – soweit das Versprechen des Tech-Giganten.

Ähnliche Töne sind bereits seit Jahren zu hören. Schon lange wird das Ende des Bargeldes prophezeit. Und auch die Politik treibt die Abschaffung des vermeintlich anachronistischen Papier- und Metallgeldes voran. Die EU-Kommission forderte schon 2012 die Einführung von «innovativen und sicheren E-Geld-Dienstleitungen» in Form von neuen Chipkarten und Mobiltelefonen mit denen bezahlt werden kann.

Kunden bleiben bei Münzen und Noten

Und tatsächlich werden alternative Zahlungsarten wie Kredit- und vor allem Debitkarten immer beliebter. Ausgerottet ist das Bargeld aber noch lange nicht. Neue Studien zeigen, dass selbst in höchstentwickelten Ländern nach wie vor viele Käufe mit Banknoten und Münzen abgewickelt werden. «Bargeld behält eine Schlüsselrolle bei den Konsumausgaben», befand eine Studie der Federal Reserve Bank of San Francisco im April 2014.

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Die Studie zeigt, dass amerikanische Konsumenten im Oktober 2012 durchschnittlich 59 Zahlungen pro Monat machten und dabei in 23 Fällen Bargeld verwendeten. 40 Prozent aller Transaktionen wurden also immer noch mit Bargeld gemacht. Kredit- oder Debitkarten wurden bei 42 Prozent der Zahlungen eingesetzt. Elektronische und andere Zahlungsformen wie beispielsweise Checks machten dagegen erst 18 Prozent aus.

Die Deutschen lieben ihr Bargeld

Vor allem bei kleinen Beträgen setzten die Kunden weiterhin auf Bargeld, schreiben die Verfasser der Studie. Denn obwohl 40 Prozent der Zahlungen in Bar erfolgen, machten diese in den USA nur 14 Prozent des Umsatzes aller Transaktionen aus.

Von einem derartigen Rückzug des Bargeldes noch weit entfernt ist Deutschland. 2011 wurden dort nach einer Studie der Deutschen Bundesbank 82 Prozent der Zahlungen in Bar gemacht. Das war sogar noch etwas weniger als im Jahr 2008. Selbst beim Umsatz hatten Barzahlungen 2011 mit 53,1 Prozent noch eine Mehrheit bei unseren nördlichen Nachbarn.

«Cashless Society» ist noch fern

Auch in der Schweiz haben es alternative Zahlungsformen schwer. Obwohl keine vergleichenden Studien wie für die USA oder Deutschland vorliegen, gibt es starke Hinweise für die andauernde Bedeutung des Bargeldes für die Konsumenten. So zeigte beispielsweise die schnelle Einstellung der Cash-Funktion auf den EC-Karten, dass auch hierzulande noch Skepsis gegenüber neuen Zahlungsmethoden da ist. «Alle habens, doch fast keiner brauchts», schrieb dazu der «Blick» 2012. Mit Münz zahlen sei schlicht einfacher.

Die sogenannte «Cashless Society» ist auch ein Ziel des Schweizer Börsenbetreibers Six-Group. In Europa würden immer noch drei Viertel der Geschäfte mit Bargeld oder Checks abgewickelt, so Six im Juni. «Doch das bargeldlose Bezahlen holt schnell auf». Vorbild ist in dieser Hinsicht Schweden.

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Schweden weist den Weg

Das Land, welches 1661 als erstes in Europa das Papiergeld einführte, könnte auch das erste werden, das die Noten wieder abschafft. «Schweden ist uns diesbezüglich Jahre voraus», schreibt etwa die Six-Group. Denn schon heute werden im hohen Norden selbst kleinste Beträge mit Karte bezahlt. Laut einer vergleichenden Studie von 23 Ländern (plus Eurozone) der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, ist Schweden das Land, in dem sich heute am wenigsten Banknoten und Münzen im Umlauf befinden.

Auch wenn die Entwicklung langsamer geht als oft erwartet wurde: Alternative Zahlungsformen werden auch in der Schweiz noch für viele Diskussionen sorgen. Die neuen Bezahlformen bei den Grossverteilern Migros und Coop scheinen sich jedenfalls bereits grosser Nachfrage zu erfreuen. Wie diese Entwicklung zu beurteilen ist, wird indes erst die Zeit zeigen. So warnt beispielsweise Harvard-Law-School-Professor Cass R. Sunstein in einem Kommentar auf «Bloomberg»:«Wenn Bezahlen einfacher wird, tendieren Leute dazu, mehr Geld auszugeben.»