Der Kurznachrichtendienst Twitter wächst schneller als erwartet. Im zweiten Quartal stieg die Zahl der Nutzer um fast ein Viertel auf 271 Millionen. Gleichzeitig verbuchte der Konzern mehr als doppelt so hohe Werbeeinnahmen wie vor einem Jahr, der Gesamtumsatz legte um 124 Prozent zu auf 312 Millionen Dollar. Das dämpfte Sorgen der Anleger, das Unternehmen könnte den Anschluss an den deutlich grösseren Rivalen Facebook endgültig verlieren.

Für das laufende Vierteljahr stellte Twitter zudem höhere Erlöse in Aussicht, als bislang von Analysten anvisiert. Die Aktie schoss am Dienstag im nachbörslichen US-Handel um 35 Prozent in die Höhe.

Neue Dienste zur WM lassen Nutzerzahlen steigen

Das am 30. Juni zu Ende gegangene Quartal war nicht zuletzt von der Einführung neuer Dienste rund um die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien geprägt. Dies habe aber nicht zum Anstieg der Nutzerzahlen beigetragen, sagte Twitter-Chef Dick Costolo. Bereits eingetragene Nutzer verbrachten aber mehr Zeit auf der Plattform. Damit sollte offenbar unterstrichen werden, dass das unerwartet rasante Wachstum nicht allein mit der WM zusammenhing, die noch bis in das dritte Quartal hinein lief.

Analysten hatten im Schnitt damit gerechnet, dass Twitter lediglich etwas mehr als ein Fünftel neue Nutzer hinzugewinnen würde. Auch beim Umsatz waren die Experten von weniger ausgegangen - sowohl für das vergangene als auch für das laufende Quartal, für das Twitter Erlöse in der Spanne von 330 bis 340 Millionen Dollar anpeilt.

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Twitter – «das grösste Publikum auf der Welt»?

Nach dem zuletzt enttäuschend ausgefallenen Anstieg der Nutzerzahlen seien die Erwartungen für das vergangenen Vierteljahr allerdings auch «recht niedrig» gewesen, sagte Analyst Arvind Bhatia vom Handelshaus Sterne Agee. Jetzt müsse erst mal abgewartet werden, wie sich Twitters Nutzerzahlen weiter entwickelten.

Vorerst aber zeigten sich Investoren begeistert von den Zahlen. Die Aktie stand nachbörslich bei 51,20 Dollar, nachdem sie mit 38,59 Dollar aus dem New Yorker Handel gegangen war.

Der kürzlich ernannte Twitter-Finanzchef Anthony Noto zeigte sich zuversichtlich, dass der Online-Dienst das «grösste Publikum auf der Welt» bekommen könne. Schon jetzt sei die Reichweite viel grösser als es die monatliche Nutzerzahl abbilde. Mehrere Hundert Millionen Menschen besuchten die Website oder seien Twitter-Inhalten ausgesetzt, ohne bei dem Dienst eingetragen zu sein. Zu Facebook ist es aber noch ein weiter Weg. Das weltgrösste Internet-Netzwerk hat mittlerweile 1,32 Milliarden Nutzer.

(reuters/moh)