Rund um die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien sind so viele Kurznachrichten über Twitter verschickt worden wie noch nie - zur Freude des US-Unternehmens. Millionen Fans teilten in dem Online-Netzwerk nach den Spielen der Mannschaften ab Mitte Juni ihren Jubel und ihre Trauer.

Die Zahl der Nutzer stieg im zweiten Vierteljahr um fast ein Viertel auf 271 Millionen, wie Twitter jetzt mitteilte. Dabei soll nach Firmenangaben der WM-Effekt noch gar nicht voll zum Tragen gekommen sein. Das Endspiel, an dem die Zahl der Kurznachrichten auf den Rekordwert von mehr als 600'000 pro Minute hochgeschnellt ist, war erst am 13. Juli und damit bereits im dritten Quartal. Auch die deutschen Fussball-Weltmeister Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger sind begeisterte Twitter-Nutzer.

Werbeeinnahmen mehr als verdoppelt

Weil sich auch die Werbeeinnahmen im abgelaufenen Quartal mehr als verdoppelten, gehen immer mehr Investoren davon aus, dass Twitter eine ähnlich dominante Internet-Plattform wie Facebook werden könnte. Zum Handelsbeginn in New York verteuerten sich Twitter-Aktien am Mittwoch um über 23 Prozent auf 47,72 Dollar.

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Der neue Finanzchef Anthony Noto befeuerte den Optimismus noch. Twitter könne das «grösste Publikum auf der Welt» erreichen. Schon jetzt sei die Reichweite viel grösser als es die monatliche Nutzerzahl abbilde. Hunderte Millionen Menschen besuchten die Website oder nutzten auf anderen Kanälen Twitter-Inhalte, ohne selbst bei dem Dienst eingetragen zu sein. Trotzdem ist es bis zu den Facebook-Dimensionen noch ein weiter Weg: Das weltgrösste Internet-Netzwerk hat mittlerweile 1,32 Milliarden Nutzer.

Zweifel am Geschäftsmodell bleiben

Der Twitter-Quartalsumsatz erhöhte sich um 124 Prozent auf 312 Millionen Dollar. Damit wurden die Markterwartungen klar übertroffen. Für das laufende Vierteljahr stellte Twitter mit 330 bis 340 Millionen Dollar höhere Erlöse in Aussicht als bislang von Analysten erwartet. Nach dem Börsengang im November 2013 hatte Twitter zunächst mit Wachstumsraten aufgewartet, die viele Experten enttäuschten. Deswegen waren Zweifel am Geschäftsmodell aufgekommen. Nun hätten vor allem die Zuwächse in den USA positiv überrascht, sagte Analyst Arvind Bhatia vom Handelshaus Sterne Agee. Die nächsten Quartale müssten den guten Eindruck aber erst noch bestätigen.

Im Gegensatz zu Facebook verdient Twitter aber kaum Geld. Nach mehreren Verlustquartalen stand nun ein Mini-Gewinn von 14,6 Millionen Dollar zu Buche. Zum Vergleich: Bei Facebook blieben dank hoher Werbeeinnahmen auf Smartphones und Tablets zuletzt 791 Millionen Dollar hängen - bei einem Quartalsumsatz von 2,9 Milliarden Dollar.

Facebook hatte auch eine Durststrecke

Aber auch Facebook musste nach dem Börsengang vor gut zwei Jahren erst Zweifel am Geschäftsmodell ausräumen. Mittlerweile hat sich die Aktie seit der Ausgabe der Aktien in etwa verdoppelt, erreichte zuletzt ein Rekordniveau und das Unternehmen hat gemessen am Börsenwert Traditionsfirmen wie AT&T oder Coca-Cola hinter sich gelassen.

Börsianer sagen, kaum ein Investor traue sich momentan wegen der hohen Wachstumsraten auf einen fallenden Facebook-Kurs zu wetten. Bei Twitter sei dies nach den zuvor schwachen Zahlen anders gewesen. Nun seien viele Anleger auf dem falschen Fuss erwischt worden.

(reuters/gku)