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RIPTwitter
Twitter will Timeline durch Algorithmus ersetzen

Symbole von Twitter (l.) und anderen sozialen Medien: Massive Änderung sorgt für Kopfschütteln. Keystone

Mit einer radikalen Veränderung will Twitter seine Nutzerbasis verbreitern. Doch der Plan, die chronologische Timeline durch eine computergenerierte zu ersetzen, sorgt für einen Tweetstorm.

Von Gabriel Knupfer
am 06.02.2016

Twitter will die chronologische Anordnung der Tweets in der Timeline abschaffen. Stattdessen soll die Abfolge der Nachrichten künftig von Algorithmen berechnet werden. Das berichtet die amerikanische Website «Buzzfeed». Stimmt die Meldung, würde Twitter damit dem Beispiel von Facebook folgen, wo der Newsfeed durch Maschinen berechnet wird. Laut Artikel könnte die Neuerung bereits in der nächsten Woche eingeführt werden.

Bei den Nutzern führte die Idee unter dem Hashtag #RIPTwitter zu heftigen Reaktionen. Die Rede ist von Zensur und Werbeterror. Viele fürchten auch eine Annäherung an Facebook und die Aufgabe eines weiteren Alleinstellungsmerkmals. Schon länger denken die Verantwortlichen bei Twitter nämlich über eine Aufhebung des Limits von 140 Zeichen nach. Und im November 2015 hatte schon die kleine Änderung von «favorites» (Sterne) zu «likes» (Herzchen) für einige Verstimmung in der Community der Nutzer gesorgt.

Kein Kommentar von Twitter

Twitter wollte die Recherchen von «Buzzfeed» nicht kommentieren. Es bleibt damit unklar, ob die Nutzer den Algorithmus nutzen müssen oder ob er optional bleibt. Allerdings hat Jack Dorsey seit seiner Rückkehr an die Spitze des Konzerns massive Änderungen angekündigt. Um das Produkt einfacher und zugänglicher zu machen, würde man selbst vor grundlegenden Änderungen nicht zurückschrecken.

Ende Januar verliessen vier Top-Manager das Unternehmen. Unter anderen gingen dabei Produktchef Kevin Weil und der für Software-Entwicklung zuständige Alex Roetter von Bord. Twitter kämpft schon lange mit einem zu geringen Wachstum der Nutzerzahlen und Problemen beim Verkauf von Werbung. Die Aktie ist deshalb in den Keller gefallen.

Viel kleiner als Facebook

Während Facebook vor allem privat genutzt wird, ist Twitter gerade für die Medienbranche ein berufliches Tool. Ob eine weitere Annäherung an Facebook tatsächlich der richtige Weg ist, ist deshalb heftig umstritten. Mit 320 Millionen aktiven Nutzern drohe das Unternehmen lediglich zum unbedeutenden kleinen Bruder des Social-Media-Giganten Facebook zu werden. Dieser hat über 1,5 Milliarden aktive Nutzer.

Ein User verglich die Neuerung bei Twitter mit dem Untergang eines weiteren Facebook-Konkurrenten. «Vor langer Zeit gab es ein sterbendes soziales Netzwerk, welches entschied, eine algorithmische Timeline einzuführen. Myspace.», schrieb @AuditTheMedia.

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