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Virtuelle Lösungen für reale Probleme

 

Virtualisierungssoftware - Was als Möglichkeit gedacht war, um Hardwarekosten einzusparen, dient zunehmend zur Reduktion der operativen Ausgaben.

Von Matthias Niklowitz
am 28.02.2009

«Harte Zeiten sind gut für Software», sagte Paul Maritz, CEO und Präsident von VMware, an der Userkonferenz seiner Firma im südfranzösischen Cannes, «denn Virtualisierung ist eine gute Sache, mit der Firmen innert sechs bis zwölf Monaten Geld sparen können.» Trotz der globalen wirtschaftlichen Turbulenzen würden Firmen weiterhin Geld für Virtualisierungstechnologien ausgeben. «Firmen haben das zuerst gemacht, um Geld bei Hardwarekäufen zu sparen, jetzt steht aber die Reduktion der operativen Ausgaben im Vordergrund», ergänzt Maritz, «denn mit solcher Software können auch Rechenzentren flexibler gemanagt werden.»

Das gilt auch und gerade für mittlere und kleinere Unternehmen. «Diese können noch mehr sparen, wenn sie ihre Rechenzentren «an die Wolke» auslagern statt selber zu betreiben», sagt Maritz, «dieser Trend, der zuerst von den Windows-Umgebungen ausgeht, wird sich durch die wirtschaftliche Lage eher noch beschleunigen und deshalb ist ein vorbereitetes Ökosystem mit Service-Anbietern wichtig.»

 

Altes Thema, neu gemacht

Virtualisierung ist nicht neu. Es gab sie bereits vor 30 Jahren auf IBM-Grossrechnern. Relativ neu ist die Verwendung bei kleinen Servern mit der Intel-x86-Architektur. Dabei wird die logische Beziehung zwischen Hard- und Software getrennt und aus vielen isolierten Rechnern, die nach der Formel eine Applikation gleich ein Server betrieben werden, ein Pool von Servern gebildet, auf dem die jeweiligen Programme und Arbeitslasten optimal verteilt werden. Dadurch sparen Firmen, die auf Virtualisierung setzen, viel Geld.

«Mit jedem Dollar, die in Virtualisierung gesteckt wird, entstehen 11 Dollar für weitere Dienste um solche Lösungen herum», sagt Maritz weiter. Auch wenn Virtualisierung auf unterschiedlichen Ebenen und bei unterschiedlicher Hardware ansetzen kann – möglich sind Server, Speichersysteme, Netzwerke, Desktop-PCs usw. – konzentriert man sich auf Kleinserver. Bei Applikationen haben Microsoft, Citrix und Symantec Virtualisierungslösungen auf den Markt gebracht, im Bereich der Middleware, die zwischen Betriebssystemen und Applikationen steckt, sind Oracle, Tibco, BEA Systems und IBM aktiv, bei Speichersystemen sind es EMC, Hitachi Data Systems, HP, Cisco und Sun Microsystems und bei Servern ist VMware laut den Marktforschern von IDC mit grossem Abstand Marktführer. Ebenfalls aktiv sind hier Microsoft, Red Hat und Xen Source.

Virtualisierungslösungen gelten laut Industrieanalysten als Plattformen der Zukunft, weil mit ihnen praktisch alle Applikationen relativ unabhängig von der Hardware betrieben werden können und weitere «Schichten» der Software wie Betriebssysteme, System- und Managementsoftware unwichtiger werden. Zudem ist hier der ideale Ort für Einsparungen, denn typische x86er-Server sind lediglich zu 10 bis 15% ausgelastet. Mit der Virtualisierung liegen 70 bis 80% drin. Hervorragend geeignet für Virtualisierung sind die in den letzten Jahren neu auf den Markt gekommenen Mehrkern-Prozessoren. Das schafft aber auch Probleme. «Viele Firmen haben ihre Lizenzmodelle mit den CPUs verbunden», sagt Maritz, «und das ist jetzt für die flexibler werdenden Umgebungen nicht mehr angebracht, jetzt müssen dafür neue Lösungen gefunden werden.»

Microsoft ante portas

Gerade von Microsoft wird man in absehbarer Zeit noch einiges hören. Denn der Hypervisor wird bei Microsoft ins Betriebssystem eingebettet und die Hürde, von einem VMware-Produkt auf das von Microsoft zu wechseln, sind nicht hoch. «Bei Virtualisierung geht es inzwischen nicht mehr um die Hypervisor-Software» gibt sich Maritz entspannt, «sondern es geht um die Integration von Software, und das ist auch für eine so grosse Firma wie Microsoft trotz ihrer grossen Resourcen nicht einfach, denn sie arbeiten seit Jahren daran und werden demnächst mit ihrem Produkt herauskommen.»

Wann könnte Microsoft zu einer Bedrohung werden? «Ich bin ein zurückhaltender Beobachter, vor allem wenn es um den Wettbewerb geht, aber die arbeiten jetzt schon lange an ihrer Lösung und ich glaube, es ist möglich, der Konkurrenz voraus zu bleiben.» Microsoft dürfte weiterhin an einer eigenen Lösung arbeiten. Von der Citrix fürchtet sich Maritz nicht. 

Schwächeres Wachstum in Sicht

Allerdings schwächt sich auch für VMware der Markt ab, wie der neue Europachef Maurizio Carli im informellen Gespräch einräumte. Es gibt viele Projekte, die verschoben werden. Bereits im letzten Quartal sah das Unternehmen einen Rückgang des Neulizenzenwachstums von 35% auf 8%. John DiFucci, Analyst bei JP Morgan, sorgt sich zudem um die Margen. Für das laufende Quartal erwartet er sogar einen Rückgang bei den Neulizenzverkäufen um 10%. Software gilt im IT-Bereich als Spätzykliker, weil hier die Projekte über einige Monate eingefädelt werden müssen. Laut Kash Ragan, Analyst bei der Bank of America, reduzieren aber die Informatikchefs in ihren Unternehmen die Budgets rasch und dramatisch. Die jüngste Befragung von IT-Verantwortlichen durch diese Bank ergab, dass zwar auch bei Virtualisierung etwas gespart wird, aber knapp zwei Drittel der IT-Chefs dennoch ihre Budgets hier zumindest leicht aufstocken werden. Praktisch gleich gross sollen die Budgets für Middleware, Datenbanken und Open-Source/Linux-Produkte bleiben. Etwas überraschend dürfte sein, dass 20% der Informatikchefs bei On-Demand-Produkten, wie sie Salesforce.com anbietet, sparen möchte und auch bei Grossfirmen-Anwendungen, die von Oracle und SAP vertrieben werden, dürfte es in diesem Jahr zu einem kleinen Rückgang kommen.

Mit Abstand die grössten Einschnitte  sind bei Microsoft Office und den Microsoft-Betriebssystemen zu erwarten. Ragan erwartet hier Budgeteinschnitte zwischen 3 und 4%.
 

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