Der amerikanische Techgigant Google hat eine schwierige Woche hinter sich. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Suchmaschine des Konzerns im Dezember die grösste Einbusse beim Marktanteil seit 2009 verzeichnet hat. Vor allem wegen der Kooperation von Yahoo mit Firefox sank der Marktanteil in den USA im vergangenen Monat auf 75,2 Prozent. So tief war er nie mehr seit 2008.

Und damit nicht genug. Am Donnerstag senkte das amerikanische Analysehaus Stifel Nicolaus den Ausblick für Google von «Buy» auf «Hold». «Wir sehen keine signifikanten Gründe für einen künftigen Anstieg der Aktien und glauben, dass die beste Zeit der Aktien vorbei sein könnte», begründeten die Analysten die Abstufung der Google-Papiere.

«Womöglich eine Verkaufsposition»

Auch für Selfmade-Milliardär und Dallas-Mavericks-Besitzer Mark Cuban ist klar, dass bei Google nicht mehr alles rundläuft. «Im Moment ist Google womöglich eine Verkaufsposition», sagt der Investor gegenüber dem Wirtschafts-TV-Sender CNBC. Grund sei aber nicht der Verlust von Marktanteilen gegenüber Yahoo, sondern die Konkurrenz durch die Kommunikationsplattform Twitter.

Twitter sei eigentlich sogar die bessere Suchmaschine, sagt Cuban. «Google ist zwar gut um Sachen zu suchen, die es schon länger gibt.» Die grosse Herausforderung sei indes die Aktualität – und dort sei Google schwach. «Deshalb nutze ich Twitter wohl zehn Mal häufiger als Suchmaschine als Google

Social Media verändert Suchverhalten

Laut Mark Cuban ist das Momentum nicht auf Seiten der Google-Produkte wie Youtube und Google Search. «Die Art zu suchen ist im Wandel.» Für Dan Nathan von der Investorenplattform Risk Reversal ist deshalb klar, dass der Internetriese etwas unternehmen muss. «Google sollte die Jungs kaufen», so der Experte über Twitter.

«Google fehlt es bis jetzt an einer glaubwürdigen Social-Media-Strategie, sie haben kein Kurznachrichtensystem und keine richtige Strategie für die Echtzeitsuche», sagt Dan Nathan. Es wäre deshalb ideal, wenn sie ihre flüssigen Mittel von 65 Milliarden Dollar für den Kauf von Twitter ausgeben würden.

Aktienrückkauf bevorzugt

Nicht alle Experten sehen aber Google derart schwach und Twitter derart gut wie Nathan. Für Karen Finerman von Metropolitan Capital beispielsweise, ist Google immer noch in einer sehr starken Position. Der Kauf von Twitter sei zwar keine schlechte Idee, so Finerman. Doch Google könnte die Mittel auch anderweitig einsetzen. «Sie sollten das Geld zum Rückkauf von Aktien nutzen.»

Auch Danny Sullivan, Experte für Marketing und Suchmaschinen, glaubt nicht an den Niedergang von Google. Gerade die Position der Suchmaschine sei weiterhin sehr stark, erklärte Sullivan der Wirtschaftsagentur Bloomberg. «Wenn Firefox nicht plötzlich einen Wachstumssprung hinlegt, sehe ich keine Gefahr.» Er erwarte aber eher, dass Google die an Yahoo verlorenen Marktanteile sogar wieder zurückgewinne.

Wie gut ist Twitter?

Die Aktie von Twitter hat bisher wenig überzeugt. Seit dem Börsengang 2013 haben sich die Kurse weit schlechter entwickelt, als beispielsweise bei Facebook. Zwar wird Social Media dank neuen Werbestrategien immer lukrativer. Doch Twitter hat davon bisher wenig profitiert und legte zuletzt tiefrote Zahlen vor.

Die Zahl von 284 Millionen aktiven Nutzern (Dezember 2014) ist bei Twitter vergleichsmässig klein – und das Wachstum der Nutzerzahlen liegt ebenfalls unter dem von anderen Plattformen. Der Aktienkurs ist im Jahr 2014 um rund 40 Prozent gesunken.

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