Die Präsentation des neuen iPhones heute Abend wird ein Event der Superlative. Allein deswegen, weil Konzernchef Tim Cook im Bill-Graham-Auditorium in San Francisco vor 7000 Zuschauern präsentieren wird. Das sind so viele Gäste wie selten.

Die Keynote wird ausserdem ein Event der Superlative, weil Apple ohnehin nichts anders kann. Und genau darin besteht das Problem: Denn die Erwartungen an den weltgrössten Konzern sind gross, während der Aktienkurs schwächelt.

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Traumhafte Steigerungsrate

Das Papier mit der grundsätzlich traumhaften Steigerungsrate hat seit der Präsentation der letzten Quartalszahlen im Juni deutlich eingebüsst. Während der Kurs sonst im Vorfeld eines iPhone-Launches stets um 10 oder 11 Prozent zulegte, zeichnet das Papier dieses Mal ein Minus im 30-Tages-Durchschnitt vor dem Termin. Das ist das erste Mal seit der Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2007.

Tatsächlich rutschte die Apple-Aktie am 24. August sogar auf das Jahrestief, weit unter dem Kurs von 100 Dollar. Diesen Verlust hat das Papier allerdings aufgeholt, es schloss gestern mit bei 110 US-Dollar, gegenüber Jahresbeginn ein Plus.

Apple-Aktie unter Druck

Die Aktie steht unter Druck, weil sich Anleger von der Nachfolgeneration des iPhones 6 weniger Umsatz erhoffen als vom Vorgänger. Der Wettbewerb im Smartphonemarkt hat zudem nochmals angezogen. Vor allem in China, wo das Unternehmen im letzten Quartal noch 112 Prozent mehr Einnahmen machte, droht die schwächelnde Konjunktur die Nachfrage zu bremsen. «Mit der neuen iPhone -6s-Präsentation kann Apple derlei Sorgen wohl eher nicht zerstreuen», sagt Uwe Neumann, Technologie-Analyst bei der Credit Suisse. Die dortige Konkurrenz rückt dem US-Riesen auch noch auf die Pelle – Anfang August überholten Huawei und Xiami bei den Verkaufszahlen.

Es gibt zwei Gründe, warum das heutige Apple-Event für die Investoren dennoch besonders interessant sein dürfte.

Zum einen: Die geringeren Erwartungen sind auch ein Vorteil. Die neuen Features des iPhones 6s sind bereits zuhauf durchgesickert und enthalten vergleichsweise kleine Neuerungen. Das heisst aber auch, dass die Anleger keine grundlose Euphorie ergriff. «Die Erwartungshaltung ist im Vergleich zur Präsentation letztes Jahr eindeutig gedämpfter», so Neumann, «was aber wiederum Platz für Überraschungen lässt.»

Nur leichte Korrektur

Es hat den Anschein, als hätten die Anleger gelernt: Statt im Vorfeld der Präsentation den Aktienkurs zu befeuern, sind sie zurückhaltender geworden. Besser so: Beim iPhone 5s zog das Papier im Vorhinein noch kräftig an – um nach der Präsentation innert zwei Wochen drastisch zu verlieren.

Für den diesjährigen Event erwarten Beobachter dagegen Gutes. Nach einer leichten Korrektur sollen «die Käufer wieder an die vorherige Stärke anknüpfen» und den Aktienkurs in die Höhe treiben, schreibt die UBS in einem aktuellen Marktausblick.

Zum zweiten hängt die Entwicklung der Apple-Aktie zwar an den Verkäufen vom iPhone, das zwei Drittel des Konzernumsatzes ausmacht. Doch schauen die Investoren auch auf die Neuerungen in der übrigen Produktewelt. Das Anlaufen von Apple Music zum Beispiel – das monatliche Einnahmen über den Stream verspricht, steht im Blick der Anleger. Mit grosser Spannung wartet die Unterhaltungsindustrie auch darauf, ob Apple parallel zum neuen Apple TV einen Streamingdienst à la Netflix plant, am besten noch mit Eigenproduktionen. Die «Financial Times» schrieb heute dazu: «Das könnte Hollywood verändern.» Und dem Aktienkurs neuen Antrieb verleihen.