Geht es nach den Investoren, ist die private Taxi-App Uber nicht mehr aufzuhalten. Wie sonst ist eine Bewertung von satten 18 Milliarden Dollar für das Tech-Startup aus San Francisco zu erklären? Entsprechend nervös ist die Stimmung bei Taxifahrern rund um den Globus. Die erst vier Jahre alte App droht das regulierte Gewerbe auf den Kopf zu stellen: Millionen Fahrer könnten ihre Jobs verlieren. «Unser Berufsstand ist in ganz Europa in Gefahr», sagte Nadine Annet, Vize-Vorsitzende des französischen Taxifahrerverbands FNAT, laut «Wall Street Journal». 

Um sich bei der Politik Gehör zu verschaffen, kommt es am heutigen Mittwoch zu einem konzertierten Streik: Von London über Madrid bis nach Berlin und Mailand wollen Taxifahrer die Arbeit niederlegen. Erwartet wird, dass sich in Europa mehrere zehntausend Chauffeure beteiligen. Allein in London sollen es bis zu 12'000 werden. Der öffentliche Nahverkehr in der britischen Hauptstadt warnte am gestrigen Dienstag via Kurznachrichtendienst Twitter bereits, dass es zu Problemen kommen werde. Trafalgar Square und das Parlament sollten demnach nicht angefahren werden.

Uber gibt es auch in Zürich – zum Mindestpreis von 15 Franken

In insgesamt 37 Ländern ist Uber inzwischen vertreten. Obwohl Gerichte in Brüssel und Berlin dem Unternehmen aus Regulierungsgründen de facto bereits einen Riegel vorschoben, expandiert die Taxi-App. Binnen Jahresfrist verfünffachte sich der Wert der Internetfirma: Nachdem am Freitag weitere 1,2 Milliarden Dollar eingesammelt wurden, soll Uber nun 18,2 Milliarden Dollar wert sein – so viel wie kein anderes Tech-Startup rund um den Globus. Zum Vergleich: Airbnb, ein Vermittler von Privatzimmern im Internet, und der Online-Speicherdienst Dropbox erreichten zuletzt Bewertungen von rund zehn Milliarden Dollar.

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— Transport for London (@TfLOfficial) 10. Juni 2014

Auch in Zürich gibt es Uber schon. Als Transportvehikel gibt Uber unter anderem die S-Klasse von Mercedes an, einen Audi A8 und die 7-Serie von BMW. Die Kosten setzen sich aus drei Teilen zusammen: Zum Basispreis von 6 Franken kommen 50 Rappen pro Minute und 3.40 Franken für jeden gefahrenen Kilometer. Der Mindestfahrpreis liegt bei 15 Franken.

Taxiverband in Zürich gibt sich gelassen – noch

Bislang sieht der Verband Taxi Sektion Zürich in Uber noch keine Bedrohung für die eigene Zunft. Entsprechend wurde für den heutigen Mittwoch auch kein Streik organisiert, teilt ein Verbandsvertreter auf Anfrage mit. Allerdings beobachte man die Ausbreitung der Taxi-App – und werde in Zukunft gegebenenfalls reagieren.

Denn klar ist: Auch in Zürich kämpfen Taxifahrer mit Zukunftssorgen. Die Zutrittsbeschränkungen sind der Branche zufolge zu gering, der Wettbewerb hoch. Landtaxis dürfen seit Anfang vergangenes Jahr ihre Kunden in die Stadt chauffieren und auf dem Rückweg neue Kunden mitnehmen. Das bedroht das Geschäft der Stadttaxis. Vor einem Jahr wurde deshalb schon einmal für 24 Stunden gestreikt. Das Ziel, die Taxi-Konzessionen zu beschränken, wurde damit jedoch nicht erreicht. Schon bald könnte es nun wieder zum Streik kommen – sollte die Bedrohung Uber real werden.