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Wenn das Handy antwortet: So zahlen wir in Zukunft

In der Schweiz konkurrieren Apple Pay und Twint um das mobile Zahlen. Am Mobile World Congress zeichnen sich längst ganz andere Trends ab.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 01.03.2017

Einen Kaffee bezahlen, ohne den Geldbeutel herauszuholen. Ohne mit dem Smartphone oder der Smartwatch vor einem Lesegerät zu winken. Es reicht, den Wunsch nach einem Kaffee auszusprechen. Dieses Szenario ist gar nicht so weit in die Zukunft gedacht: An einem solchen System arbeitet Mastercard zurzeit mit General Motors, es soll bis Ende des Jahres der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben die Unternehmen einen Entwurf des smarten Autocockpits gezeigt. Dort war zu sehen, wie der Fahrer im Bordcomputer seine Kreditkartendaten hinterlegen und dann per Sprachbefehl Tankstellen oder Parkplätze suchen oder eben einen Kaffee auf dem Weg ordern und bezahlen kann. Der dann idealerweise frisch gebrüht bereitsteht, just wenn das Auto vorfährt.

Die Hürden für mobiles Zahlen

Das ist die Zukunftsmusik, die Realität des mobilen Zahlens gestaltet sich mühsamer. In der Schweiz konkurrieren Apple Pay und Twint, wobei Apple Pay nur über Umwege mit allen Kreditkarten zu nutzen ist und Twint seinen Neustart nochmals, auf dieses Frühjahr, verschoben hat. Samsung Pay steht davor, nach Spanien auch in weiteren Ländern Europas auszurollen. Ob die Schweiz dabei ist, ist allerdings nach wie vor unklar.

Mobiles Zahlen lebt davon, dass es für Konsumenten einfach zu nutzen und auf breiter Basis verfügbar ist. Muss der Kunde erst seinen Kreditkartenanbieter oder die Bank wechseln, ist die Hürde zu hoch. Entsprechend gering sind die Nutzerzahlen, auch wenn es bisher wenige Daten dazu gibt. Aber Schweizer sind ohnehin für ihre Liebe zum Bargeld bekannt, selbst wenn das Zahlen mit EC-Karte seit Jahren in fast allen Geschäften möglich ist.

Google-Assistent spricht jetzt Deutsch

«Digitales Zahlen wird das Bargeld an mancher Stelle ersetzen, aber nicht vollständig», sagt Kiki Del Valle, Vizepräsidentin von Digital Payments bei Mastercard. «Aber der Kunde wird mehr Wege zur Verfügung haben, digital zu zahlen.» Wichtig wird laut Del Valle in den nächsten Jahren der «Conversational Commerce». Der Kunde kauft also ein, indem er sich per Messenger unterhält. Ob er dabei mit einem Chatbot von H&M chattet oder einem Freund die Summe für den Kinobesuch am Wochenende überweist, die Transaktion findet in beiden Fällen eingebunden in einen Dialog statt, ohne den Chat zu verlassen.

Sprach- und Texterkennung ist eines der zentralen Trendthemen am Mobile World Congress. Google hat zur Messe lanciert, dass sein Assistent bald Deutsch sprechen kann. Bisher war er auf Englisch beschränkt. Andere Anbieter eifern Amazons Echo nach – so hat auch Sony den Entwurf eines digitalen Agenten gezeigt, der auf Kommando hört (siehe Box). Zu spüren ist, dass Anbieter viel Potenzial in den Diensten im Dialog mit dem Nutzer sehen.

Zahlen per Facebook-Messenger

Für das digitale Zahlen bietet Facebook diese Möglichkeit seit 2016 in den USA testweise in seinem Messenger an, richtig erfolgreich ist damit Wechat, das chinesische Äquivalent zu Whatsapp. 2016 nutzten bereits 650 Millionen Menschen Wechat zum Online-Shoppen. In China ist es mittlerweile Alltag, per Messenger zu zahlen und zu überweisen.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Shoppen per Virtual Reality. Hier kann sich der Kunde nicht nur virtuell in den Shop begeben, sondern die ausgewählte Kleidung per Sprachbefehl mit einem Augenzwinkern bezahlen, ohne die VR-Brille abzunehmen. Hier steckt die Technik allerdings in den Anfängen. Die Online-Bank Swissquote bietet in der Schweiz zum Beispiel eine entsprechende Möglichkeit zum Aktienkauf, verknüpft allerdings keine Umsatzhoffnungen damit.

Physische Kreditkarte wird seltener gebraucht

Was der Kunde bei solchen Diensten immer seltener braucht, ist eine physische Kreditkarte. Seine Daten sind schliesslich virtuell hinterlegt. Wird es in Zukunft keine Kreditkarten mehr geben? Kiki Del Valle sagt: «Digital wird die Marke Mastercard präsent bleiben, indem das Logo zu sehen ist.»

Eine Frage, die sich mit den zunehmenden Angeboten aus Konsumentensicht aufdrängt, ist die nach der Datensicherheit. Nicht nur die Kundendaten werden gespeichert, durch Online-Käufe und Themensuchen der Nutzer wächst auch stets das Wissen über die einzelne Person. Enthusiasten erwarten die Antwort auf diese Fragen von der Blockchain. Diejenigen, die vom Nutzen der Blockchain überzeugt sind, sehen darin die nächste Generation des Internets. «Im Moment kennen wir die Blockchain als Zahlungsmittel, vor allem den Bitcoin», sagt Burak Yetiskin, Blockchain-Experte bei Accenture.

Der Nutzen von Blockchain

«Der Nutzen der Technologie ist aber viel weiter gefasst», so Yetiskin. Verträge aller Art könnten damit sicher und unverwechselbar abgeschlossen werden und vor allem, ohne dass die Identität des Einzelnen preisgegeben werden muss. Vom Durchbruch in der breiten Masse sind Blockchain-Lösungen aber noch entfernt. Zu kompliziert ist es für den Endkonsumenten, sie zu verwenden, und da sie vielen unverständlich sind, mangelt es auch noch an Vertrauen. Real betrachtet sind Blockchain-Lösungen derzeit eine Technologie einer kleinen, äusserst technikaffinen Elite.

«Bis die Blockchain-Technik für die breite Masse attraktiv wird, dauert es. Airbnb etwa ist heute weltweit etabliert, obwohl es nur ein Jahr älter ist als der Bitcoin», sagt Yetiskin. «Dennoch haben die Investitionen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen, auf über 1 Milliarde Dollar jährlich. Diese enormen Summen an Risikokapital lassen einen schnellen Fortschritt erhoffen.»

Am interessantesten ist die Blockchain derzeit für Unternehmen, um die Technologie für ihre Dienstleistungen zu nutzen. Visa zum Beispiel will noch dieses Jahr eine Plattform starten, auf der Unternehmen ihre Zahlungen via Blockchain abwickeln können. Blockchain als die Hintergrundtechnologie für bekannte Marken – das erscheint in den kommenden Jahren als das wahrscheinliche Szenario.

Supercomputer Watson im Dialog mit dem Menschen

Entscheidend für den Endkonsumenten ist, dass die Technologie im Hintergrund sicher ist und die Oberfläche im Vordergrund komfortabel zu bedienen. Rob High, CTO vom Supercomputer Watson, sieht ein noch breiteres Szenario: «In der Zukunft wird es digitale Assistenten geben, die uns in allen Lebenslagen begleiten. Sie werden unsere Vorlieben kennen, mit uns in Dialog treten und alle möglichen Dienste auf Zuruf übernehmen, auch das Bezahlen.» Die Dienste von Watson sollen mit dem Menschen in einen echten Austausch treten. Dagegen erscheint die Kaffeeorder aus dem Auto fast schon wie eine Selbstverständlichkeit.

So zahlen wir in der Zukunft:

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