Das US-Unternehmen Verizon Communications war bisher eher bekannt als Telekom-, Internet- und Kabel-TV-Anbieter. Doch spätestens nach der Übernahme des Internet-Pioniers Yahoo für 4,83 Milliarden Dollar (4,7  Milliarden Franken) ist offensichtlich: Der Konzern plant den Aufstieg zu einem globalen Player im rasant wachsenden Markt der digitalen Medien.

Vor Yahoo hatte der grösste Mobilfunkanbieter Amerikas bereits eine ebenfalls legendäre Firma der Internet-Gründerzeiten geschluckt: die Webplattform AOL — und damit digitale News-Plattformen wie das Portal «Huffington Post». Jetzt könnte Verizon auch wahre Giganten der Branche im Visier haben — und zwar vor allem Facebook und Google, schreibt das «Wall Street Journal».

Umsätze von mehr als 180 Milliarden Dollar

Es ist ist ein Kampf ausgebrochen um die Vorherrschaft in einer Zukunftsbranche: Die jährlichen Umsätze mit Digital-Medien könnten im Jahr 2020 mehr als 180 Milliarden Dollar (177 Milliarden Franken) erreichen, sagte Verizon-Boss Lowell McAdam nach dem Yahoo-Coup. «Verizon hat vor, in diesem Markt gehörig mitzumischen», sagte McAdam in einer Konferenzschaltung mit Reportern und Investoren.

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Das Verizon-Management hofft, dass die mehr als eine Milliarde Menschen, die Yahoos Webdienste nutzen, mit den 113 Millionen zahlenden Mobiltelefon-Kunden «gepaart» werden können, um neue «Einkommensströme» zu erschliessen, so McAdam. Denn beim Kerngeschäft von Verizon — vor allem im Sektor Kabel-TV — hatte es zuletzt gekriselt: Die Zahl zahlender Kunden ging zurück, der Umsatz war im letzten Quartal um 5,3 Prozent gefallen.

Werbe-Winzlinge Yahoo und AOL

Die Wall Street scheint von dem aggressiven Kurs im Digital-Medien-Sektor noch nicht restlos überzeugt zu sein: Der Kurs der Verizon-Aktie gab um fast 2 Prozent nach. Bei den ersten öffentlichen Kommentaren zum Yahoo-Kauf wurden vor allem die Dienste E-Mail, News, Sport und Finanzen als potenzielle digitale Geldbringer angeführt.

Verizon setzt darauf, dass Werbekunden zusehends nach Alternativen zum Social-Media-Riesen Facebook und der Megaplattform Google suchen werden. Laut den Analysten von eMarketer sackte Google in diesem Jahr 31 Prozent der digitalen Werbeumsätze ein, Facebook schaffte 12 Prozent, Yahoo und AOL hingegen gemeinsam nur 2,2 Prozent. McAdam bezeichnete Verizon mit seinen Internet-Plattformen deshalb derzeit noch als «kleineren Fisch», doch sah enormes Wachstums-Potenzial und gab sich angriffslustig.

Dieser Text ist zuerst auf dem «Business Insider Deutschland» erschienen unter dem Titel «Verizon greift nach Yahoo-Coup jetzt Facebook und Google an».