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Strategie
Youtube baut sein Angebot für Gamer aus

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Youtube bringt die Videospiele-App «Youtube Gaming» nach Deutschland, Teil der aktuellen Offensive des Konzerns. Produktchef Neal Mohan erklärt, warum er sich um einige Zielgruppen besonders kümmert.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 16.08.2016

Youtube ist ein Gigant. Das Videoportal zählt mehr als eine Milliarde Nutzer. 400 Stunden Videomaterial werden pro Minute hochgeladen. Die Alphabet-Tochter dominiert als Nummer 1 unter den Videoportalen.

Doch Facebook, Amazon und Co. machen Youtube in seinem Kerngebiet scharfe Konkurrenz. Vor allem Facebook setzt stark auf Video und Live-Streaming und kam Youtube bei den täglichen Video-Nutzerzahlen schon gefährlich nahe.

Qualitätsoffensive bei Youtube

Youtube versucht darum den Imagewandel, weg vom wackeligen Katzenvideo. Im letzten Jahr hat die Alphabet-Tochter in Qualität investiert – in 4k-Auflösung und 360-Grad-Videos, die seit dem Frühjahr auch im Live-Stream möglich sind. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist der Premium-Dienst «Youtube Red». Er erspart Nutzern lästige Werbung und bietet eigenen Content auf.

Gegen eine Gebühr von 9.99 US-Dollar pro Monat können Nutzer werbefrei schauen. Es gibt auch eine Version für Kinder, die wiederum werbefrei und kindgerecht gefiltert ist. Das Angebot wurde bisher aber nur in den USA, Australien und Neuseeland lanciert.

Dokumentationen von Youtube-Stars

Ähnlich wie Netflix oder Amazon bietet Youtube auf diesem Kanal auch Originalinhalte. Allerdings keine Serien à la «House of Cards», sondern eher Eigenproduktionen von beliebten Youtubern. Eines der ersten Formate war eine Dokumentation des beliebtesten Youtubers PewDiePie, dessen Kanal mehr als 47 Millionen Abonnenten auf sich vereint.

Die Anhänger von Computerspielen sind neben dem Bereich Musikvideo die lohnendste Zielgruppe für Youtube. Heute lanciert das Portal seine spezialisierte App «Youtube Gaming» für Deutschland. Auf dieser App können Nutzer Live-Streams von Spielen verfolgen, lokalisiert in deutscher Sprache und mobil. In der Schweiz steht die App noch nicht zur Verfügung. 60 Prozent aller Youtube-Inhalte werden mittlerweile auf dem Smartphone oder Tablet konsumiert. Ein vergleichbares Angebot bietet bereits die Streaming-App Twitch. Youtube wollte die Anwendung vor einiger Zeit für 1 Milliarde Dollar kaufen, wurde aber von Amazon ausgestochen.

97 Millionen Franken um den Wechsel zu verhindern

«Youtube selbst wird immer der zentrale Zugang für unsere Nutzer bleiben», sagt Neal Mohan, Produktchef von Google. «Aber in einigen Bereichen macht es Sinn, ein spezifisches Angebot zu entwickeln.» Neben Gaming sind das bisher Musik und eine App für Kids, die mit Youtube Red auch werbefrei läuft. «Auf diese Weise gehen wir auf die Bedürfnisse von Nutzergruppen besonders ein, bei denen eine kritische Grösse erreicht wurde», sagt Mohan bei einem Besuch in Zürich. Dass Youtube dabei zu einer Art Senderfamilie wird, die sehr dem traditionellen Fernsehen ähnelt und damit an Dynamik verliert, fürchtet er nicht.

Mohan ist seit November 2015 in seiner Position und besucht in diesen Tagen seine Teams in London und Zürich, einem wichtigen Standort für Youtube mit einigen 100 Entwicklern vor Ort. Angeblich hat Google umgerechnet 97 Millionen Franken in Aktienoptionen gezahlt, um ihn von einem Wechsel zu Twitter abzuhalten.

Der Erfolg der neuesten Massnahmen von Youtube ist schwer zu bemessen. Youtube spart an konkreten Angaben. Mohan nennt zwar beeindruckende Wachstumszahlen für das Live-Streaming: Um 130 Prozent habe sich das Volumen gesteigert, während die Zuschauer 80 Prozent mehr Zeit mit dem Zusehen bei Live-Streams verbrachten. Ohne die Referenz auf das Startniveau sind diese Angaben aber nur bedingt aussagekräftig. Das gilt auch für die bisherige Bilanz von «Youtube Red» – es ist unbekannt, wie viele zahlende Abonnenten der Video-Dienst bisher gefunden hat.

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