Soeben ist der «ZKB Pionierpreis Technopark» 2005 vergeben worden. Der Preis ist inzwischen zu einer Institution geworden. Er steht auch für den bemerkenswerten Erfolg des Technoparks Zürich als Brutkasten für Jungunternehmen.

Doch die Technologieparks wollen mehr sein: Für Paul W. Gilgen, Präsident von SwissParks.ch, einem Verein, der die Interessen von 16 Technologieparks und Gründerzentren vertritt, ist klar: «Ein Technologiezentrum bietet weit mehr als bloss eine Immobilie mit Infrastruktur für Jungunternehmen.» Es handle sich um eine Begegnungszone zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft, insbesondere den Jungunternehmen.

«Ein KMU hat weniger Schwellenangst, in ein Technologiezentrum zu gehen, wo es ähnliche Unternehmen gibt, als auf den Hönggerberg mit der hohen Wissenschaft der ETH», sagt Gilgen. «Bei uns essen die Dozenten der Zürcher Hochschule Winterthur am Mittag zusammen mit Unternehmern», bestätigt René Hausammann, Leiter des Technoparks Winterthur, diese Niederschwelligkeit für den Technologietransfer zwischen Hochschulen und der Wirtschaft.

Anzeige

SwissParks.ch werde sich auch an den Wissens- und Technologietransfer-Konsortien beteiligen, wie sie das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie vorsieht, sagt Gilgen. Der Bund will in Zukunft vier bis fünf Zusammenschlüsse aus Universitäten/Hochschulen, Fachhochschulen und der Wirtschaft finanziell unterstützen ­ in der Hoffnung, damit den Technologietransfer verbessern zu können.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Doch braucht es neben den Transferstellen der Hochschulen noch die Hilfe von Technologieparks, um das wissenschaftliche Know-how in die Wirtschaft zu tragen? Die Antworten haben viele Hochschulen gleich selbst gegeben: Der Erfolg des Technoparks Zürich und des Parc Scientifique in Lausanne wäre ohne die starke Zusammenarbeit mit den beiden ETH bzw. der Universität Lausanne undenkbar. Peter Frischknecht, Leiter des Technologiezentrums für die Euregio Bodensee St. Gallen (tebo), steht sogar auf der Lohnliste der Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der ETH. Im tebo stark vertreten ist zudem die Fachhochschule St.Gallen.

Der Leiter des Technoparks Winterthur ist gleichzeitig auch Leiter der Transferstelle der Zürcher Hochschule Winterthur. Wie gut sich die punkto Grösse und Ausrichtung sehr unterschiedlichen Technologieparks im Know-how-Transfer von der Hochschule in die Wirtschaft bewähren, hängt aber auch von der Verwurzelung in der lokalen Wirtschaft ab.

Kontakt zu lokalen Firmen

«Wir besitzen die Adresssätze aller produzierenden Unternehmen in Bern nach den einzelnen Branchen und somit einen sehr direkten Zugang. Eine ähnliche Adressbasis erhoffen wir uns auch in den anderen Kantonen», sagt Peter Biedermann, Leiter von innoBE, der zentralen Anlaufstelle für Innovation und Technologie im Kanton Bern. Denn oft hätten die lokalen Firmen Bedürfnisse, die besser von Hochschulen und Unternehmenspartnern anderer Regionen abgedeckt werden könnten. Biedermann wünscht sich denn auch von den Technologieparks, dass diese nicht nur ihre Mieter vertreten, sondern sich noch besser mit der regionalen Wirtschaft vernetzen und so zum Knotenpunkt ihrer Region werden.

Ratschläge für KMU

Innovative Kultur schaffen

Welche Voraussetzung muss ein Unternehmen erfüllen, damit es ein innovatives Umfeld schafft? Dieter Widmer, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Risk Advisory Services bei KPMG Schweiz, beschäftigt sich mit dem Thema und führt als ersten Punkt die Unternehmenskultur an. Sie muss vom Willen geprägt sein, das Unternehmen kontinuierlich zu verbessern. Dazu zählen ein entscheidungsfreudiges, risikobereites Management sowie motivierte, kompetente Mitarbeitende.

Anzeige

Zentral sind ferner kurze Entscheidungswege, gutes Know-how, gute Qualität, ein gutes Kundenverständnis sowie die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens. Die betriebsinterne Kommunikation hat, so Widmer, offen und umfassend zu erfolgen. Die Mitarbeitenden sollen zu eigenständigem Handeln mit den entsprechenden Freiheiten animiert werden. Schliesslich sollte ein Unternehmen (gerade auch KMU) eine Entwicklungsabteilung implementieren, die ein Netzwerk zu den Hochschulen sucht und bei Forschungsaufträgen mitmacht.

Den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Industrie bezeichnet Widmer indes als ungenügend. Einerseits sei die Haltung der KMU gegenüber der Wissenschaft oft ablehnend. Anderseits verstehe es die Wissenschaft nicht immer, Themen KMU-gerecht aufzubereiten. Allgemein sind die Universitäten, ETH und Fachhochschulen laut Widmer nahe an der Industrie und warten nur darauf, dass sich die KMU mit ihnen in Verbindung setzen, um zukunftsgerichtete und innovative Projekte zu starten.