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GfM-Marketingpreis 2013
Teilen als Geschäft

 

Alle Welt spricht heute von Shareconomy. Mobility macht das schon seit Jahren – und wird dafür nun von der Gesellschaft für Marketing ausgezeichnet.

Von susanne wagner
am 30.10.2013

Mobility hat etwas geschafft, was vor 30 Jahren kaum jemand für möglich hielt: Mehr als 105 000 Schweizer verzichten darauf, für Autofahrten ausschliesslich den eigenen Privatwagen zu benutzen. Stattdessen teilen sie den fahrbaren Untersatz mit Gleich­gesinnten. Das Auto weniger als Statussymbol zu betrachten, sondern einfach als pragmatische Möglichkeit von A nach B zu kommen – mit dieser Vision schlossen sich Ende 1980er-Jahren ein paar Köpfe in Stans NW zusammen und gründeten eine der Vorläufer-Genossenschaften, ShareCom. Zehn Jahre später fusionierten sie mit der zeitgleich in Zürich gegründeten ATG Auto Teilet Genossenschaft – und die Mobility Genossenschaft entstand.

Damit nahmen sie ein Phänomen vorweg, das heute als Megatrend in Gesellschaft und Wirtschaft gilt: Shareconomy, sprich Teilen als Lebensphilosophie, bei der Nachhaltigkeit mit Komfort verknüpft wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Autovermietungen erlaubt es das Car­sharing, ein Fahrzeug nur stundenweise zu mieten. Der Grundgedanke bleibt: Die Kunden nutzen den Wagen, kümmern sich aber nicht um Reparaturen, Service, Unterhalt, Steuern oder Versicherungen.

Was klein begann, entwickelte sich zu einem Vorzeigeunternehmen. Auffallend hoch ist heute die E-Business-Quote von über 93 Prozent. Bereits 1999 ermöglichte Mobility Reservationen per Internet – in einer Zeit, als das tägliche Leben noch längst nicht derart online durchdrungen war wie heute. Der einfache Zugriff fürdie Kunden, unter anderem dank der ­Anwendung der neusten IT-Lösungen, ­gehört bei Mobility zu den Grundpfeilern des Marketings und des Unternehmens.

Gegen Konkurrenz gewappnet

Eine wichtige Voraussetzung für die ­Erfolgsgeschichte ist aber auch das gute Netz des öffentlichen Verkehrs (ÖV). «Mobility bedeutet Anschlussmobilität. Das gut ausgebaute ÖV-Netz in der Schweiz ist ideal, um kombinierte Mobilität zu leben», sagt Geschäftsführerin Viviana Buchmann. Organisationen wie SBB, Zürcher Verkehrsverbund und andere regionale Tarifverbünde waren seit Beginn entscheidende Kooperationspartner – ebenso im Marketing. Dazu kamen in den letzten Jahren Grossverteiler wie die Migros, was den Nutzern ermöglicht, mit ihren Fahrten zusätzliche Cumulus-Punkte zu sammeln.

Damit Carsharing überhaupt funk­tioniert, ist eine gewisse Anzahl Kunden nötig. Deshalb setzt Mobility auf eine breite Abdeckung und ist in jeder Ortschaft mit über 5000 Einwohnern präsent. Das Netz ist so dicht angelegt, dass 65 Prozent der schweizerischen Bevölkerung an ihrem Wohnort Zugriff auf einen Mobility-Standort haben. Neu sind die unverwechsel­baren roten Fahrzeuge auf Standorten in Siedlungen präsent. Viviana Buchmann sieht dort ein Kundenpotenzial. «Wir sprechen Leute in urbanen Wohnüberbauungen an, die entweder ganz auf das Auto oder auf das Zweitauto verzichten wollen.» Immer häufiger hört sie, dass die Person, die den ganzen Tag ausser Haus arbeitet, den Familienwagen zuhause lässt und den Arbeitsweg mit dem öffentlichen Verkehr kombiniert mit Mobility zurücklegt.

Die dynamische Entwicklung der Branche bringt Konkurrenz hervor. Etwa eMotion, das Carsharing-­Pilotprojekt mit Elektrofahrzeugen der Migros-Tochter M-Way. Oder das Projekt Sharoo, auch von M-Way, das sich noch bis Ende Jahr in der Testphase befindet. Mobility-Chefin Viviana Buchmann meint dazu: «Mitbewerber beleben den Markt. Es ist positiv, wenn sich mehr Leute mit dem Thema auseinandersetzen.» Sie betont, dass sich die Angebote stark unterscheiden. Beim Sharoo-Modell stellen Privatpersonen ihr eigenes Auto zum Teilen zur Verfügung. Mobility hingegen entlastet die Kunden von jeg­lichem organisatorischem Aufwand des Wagenbesitzes.

Firmen und junge Leute im Visier

Um für die Anforderungen in der Zukunft gewappnet zu sein, investiert Mobility laufend in die technische Infrastruktur. Ein wichtiges Thema ist die Firmenmobilität, denn der Mix aus Geschäfts- und ­Privatkunden sorgt für eine optimale Auslastung der Fahrzeuge. Im Rahmen des Angebots Pool-Carsharing rüstet Mobility bereits vorhandene firmeneigene Autos mit der Mobility-Technologie aus, um die Handhabung zu verbessern und die Flotte besser auszulasten.

Solche Angebote im Firmenkunden­bereich will Viviana Buchmann mit ihrem Team in Zukunft noch besser bekanntmachen. Handlungsbedarf besteht ihrer ­Ansicht nach auch, wenn es darum geht, «die Coolness von Carsharing noch ­stärker ­herauszustreichen». Denn sie ist ­davon überzeugt, dass das Konzept von Mobility zum heutigen urbanen und modernen ­Lebensstil passt. Dazu gehört auch eine ausgebaute Flexibilität, die das Pilotprojekt Free Floating in naher Zukunft anstrebt. Mit Free Floating können Kunden Autos per Smartphone orten und ohne vorgängige Reservation nutzen. Damit ­reagiert Mobility auf die Nachfrage der jungen Kunden nach spontanen Einwegfahrten ohne Angabe einer Endzeit.

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