Der Basler Pharmakonzern Novartis muss der amerikanischen Justiz im Zusammenhang mit einem Verfahren Dokumente zu fast 80’000 Ärzte-Events liefern. Das hat Ende März ein New Yorker Richter entschieden, wie die «Handelszeitung» berichtet.

Damit kommt Schwung in ein seit 2011 laufendes Verfahren der New Yorker Staatsanwaltschaft. Es geht um sogenannte «speaker events», Veranstaltungen, bei denen Ärzte im Auftrag der Industrie vor Berufskollegen und anderem Gesundheitspersonal über bestimmte Medikamente referieren.

Promotion statt Information

Der Vorwurf: Bei den zwischen 2002 und 2011 zur Diskussion stehenden Veranstaltungen handle es sich nicht um Informationsveranstaltungen, sondern um Promotionsevents. Viele der Events hätten an Orten stattgefunden, «die einem edukativen Ziel wenig förderlich waren». Die Rede ist von «unnnötig exzessiv teuren» Essen in Edelrestaurants in Washington D.C. oder Des Moines, Iowa, Fishing-Trips in Alaska und Tallahassee und Partys.

Mit dem Entscheid des New Yorker Richters Paul Gardephe vom 28. März wird die US-Tochter Novartis Pharmaceuticals Corporation verpflichtet, Dokumente wie Powerpoint-Präsentationen, Angaben zu Rednerhonoraren und interne Berichte zu exakt 79’236 Veranstaltungen zu liefern. Hingegen scheiterte die Staatsanwaltschaft mit ihrer Forderung, die Zahl der «sales reps» (Verkaufsrepräsentanten), deren Daten herausgegeben werden müssen, von 150 um 363 zu erweitern.

Drittes Verfahren

Novartis bestreitet die in dem Verfahren erhobenen Vorwürfe. Man sei «mit der Art und Weise, wie die Regierung das Vorgehen in dieser Angelegenheit charakterisiert hat», nicht einverstanden, schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

Bei dem Rechtsfall handelt es sich um den dritten in sieben Jahren. 2010 wurde ein erstes Verfahren mit einem Vergleich über 422 Millionen Dollar beigelegt. Es ging um Off-Label-Marketing, also die Promotion von Medikamenten ausserhalb der Indikation, für welche sie zugelassen sind. 2013 folgte eine Zahlung über 390 Millionen Dollar wegen Kickback-Zahlungen an Apotheken.

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