Vom Höchststand bis zur Krise verloren sie 2,8 Mio Dollar an Marktkapitalisierung. Ihre Bosse schaufelten sich teilweise gewaltige Millionenboni zu. Nach dem Aufbau massiver Überkapazitäten und einem Wachstum weit über dem Bruttosozialprodukt gingen zahlreiche Branchenvertreter bankrott. Einige verstrickten sich sogar in betrügerische Machenschaften.

Als sich die Krise dann dem Ende zuneigte, war der Ruf der Branche angeschlagen und es dauerte Jahre, bis die Schulden abgetragen waren.

Die Rede ist hier nicht von den Banken, sondern von den Telecomnetzbetreibern, die zwischen 1997 und 2001 ähnliche Fehler gemacht hatten wie später die Finanzbranche.

Vergleichbarer Niedergang

Beide Industrien bedienten sich eines für Aussenstehen- de kaum verständlichen Jargons. Wenn Banker von RMBS oder CDO sprechen, können Telecomexperten mit W-CDMA bzw. FTTH kontern. Die Lektion Nummer eins aus der Telecomkrise lautet daher: «Back to basics», zurück zu einem eigenständig finanzierbaren, transparenten Geschäftsmodell, das Kunden, Aktionäre und die eigenen Manager verstehen.

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Die Handy-Tariftabellen sind heute einfacher zu lesen als die Termsheets vieler Derivate. Lektion Nummer zwei: «Gradueller Aufbau», gestützt auf die Gelegenheiten, die sich bieten und die sich selbst finanzieren lassen. Drittens: «Realistische Zeithorizonte». Telecomnetzbetreiber präsentierten vor zehn Jahren Businesspläne mit weichen Annahmen und langfristigen Horizonten. Top-Manager wären vor dem Breakeven längst in Pension gegangen. Bei den Banken gab es 2007 noch ähnliche Verhältnisse. SMI-Call mit Strike bei 11000 Punkten? Kein Problem! Solche Produkte gibt es heute zu kaufen.

Erholung kann sich hinziehen

Und die Telecomnetzbetreiber halten noch eine weitere unangenehme Lektion für Banken bereit: Auch nach der Erholung warten auf viele angeschlagene Unternehmen jahrelange finanzielle Belastungen. Die Sanierung der Bilanzen schränkt den Spielraum für vernünftige Innovationen stark ein.

Powerhäuser wie die spanische Telefonica waren bereits vor fünf Jahren stark, weil sie geografisch gut diversifiziert hatten und immer bei ihren Kernkompetenzen geblieben waren. Es mag Zufall sein, dass mit der ebenfalls spanischen Bank Santander die höchstkapitalisierte kontinentaleuropäische Bank das Hauptquartier nur einige 100 m von Telefonica entfernt hat.