Im Handy-Geschäft zeigen sich Sättigungserscheinungen. Die Umsätze steigen nur noch im ein- bis tiefen zweistelligen Prozentbereich. Viele Firmen müssen um Kunden und Verkaufsabschlüsse kämpfen. Intern steigt der Druck, die Verkaufsziele zu erreichen. Und gegenüber Konkurrenten und Partnern werden rauere Töne angeschlagen. Vor dem Richter landen die wenigsten Streitfälle, weil diese so öffentlich bekannt würden und kostspielig sind. Lautstarke Auseinandersetzungen wie jene zwischen Orange und Fust sind die Ausnahme. Bei Konsumentenschützern und dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) landen gewöhnlich Klagen über aggressive Verkaufspraktiken und Hausbesuche bei Festnetzanbietern. Auch im jüngsten Bericht der Lauterkeitskommission rangieren Klagen über Versandhändler, Lotterien, Reisen oder Kleidung vor Beschwerden über die Telekom-Branche.

Die meisten Handy-Wiederverkäufer verhalten sich bisher opportunistisch ­ sie verkaufen rotierend immer Handys in Verbindung mit dem Netzbetreiber, der gerade am meisten für Promotionen und Handy-Subventionen ausgibt. Die Coop-Tochter Interdiscount und Mobilezone wollten ihre Beziehungen mit den Netzbetreibern nicht kommentieren oder verweisen auf ungetrübte Beziehungen.

Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons verwies bezüglich der aufgekündigten Zusammenarbeit mit Fust auf eine «Häufung von Kundenreklamationen». Sie befürchtet keinen Rückgang der Kundenzahlen nach dem aggressiven Wechselangebot von Fust.

Das ist lediglich ein Teil der Wahrheit. Fust war bei den Konsumentenorganisationen nicht negativ aufgefallen. Orange prüft indes regelmässig in allen Ländern mit eigenen Netzen die Kosten für die Akquisition neuer Kunden und schickt verdeckt vorgehende Testkunden zu den Vertriebspartnern in die Geschäfte. Fust war bei diesen Tests offenbar mit zu hohen Kosten und zu tiefer Qualität bei der Beratung aufgefallen.

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Fust animiert zum Wechseln

«Uns hatte Orange bei der Kündigung der Zusammenarbeit mitgeteilt, dass sie das Vertriebsnetz straffen wollten», sagt Fust-Chef Erich Bohli. Von schlechtem Service in unseren Verkaufsstellen sei nie die Rede gewesen. Gemäss eigener Marktforschung sei ein grosser Teil der Orange-Kunden bereit, ein gutes Wechselangebot anzunehmen. Die ersten Tage der Netz-Wechsel-Aktion haben sich laut Bohli «erfreulich» angelassen. Ein Fazit lasse sich jedoch erst nach Ablauf der Aktionsfrist am 20. März ziehen.

Auch wenn eine Schadenersatzklage laut Bohli Aussicht auf Erfolg hätte ­ entschieden sei intern noch nichts. Auch bis in Medien eskalierte Konflikte werden in der Regel aussergerichtlich beigelegt.