Mit seinem Vorschlag, Sunrise und Orange sollen ihre Mobilfunk-netze fusionieren, hat Marc Furrer in der Branche eine Lawine losgetreten (siehe auch «Handelszei- tung» Nr. 16 vom 16. April 2008). Vertreter aller drei Telekomanbieter wollen jetzt mit dem Chef der Kommunikationskommission ComCom, dem Regulator der Telekombranche, eine Aussprache. «Wir haben von dieser Idee auch aus der Zeitung erfahren», sagt Sunrise-Sprecher Dominique Reber. Nun werde man als Erstes mit Marc Furrer über die Details diskutieren. «Wenn sich die Grundlagen für unsere Konzessionen ändern, können wir konkrete Projekte prüfen.» Diese Konzessionen hatten bislang die Erstellung eines eigenen Netzes als Grundlage.

Konferenz der Schwergewichte

Die Bereitschaft von Orange, Sunrise und Tele2, ihre Mobilfunknetze zusammenzulegen, ist da. Offen ist einzig, unter welchen Bedingungen sie realisiert werden könnte. Erstmals äussert sich Mats Tilly, Chef von Tele2 Schweiz, zur angestrebten Netz-Fusion. «Die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen kann auf lange Sicht nur positive Auswirkungen haben.» Das bedinge jedoch eine starke Rolle des Regulators. «Im Prinzip sind wir offen für alle Formen der Zusammenarbeit, vorausgesetzt, die Konditionen sind günstig», so Tilly.

Für ihn wie auch für die Vertreter von Sunrise und Orange ist neben einem gemeinsamen Handy-Netz auch die Schaffung einer Festnetzinfrastruktur, auf die alle Marktteilnehmer zu gleichen Konditionen Zugriff haben, eine Option. Dieser ist auch Marc Furrer immer weniger abgeneigt. Erste Schritte zur gemeinsamen Nutzung des Glasfaserzugangs werden am 9. Juni diskutiert. An diesem Tag hat Furrer die CEO sämtlicher Telekomnetzanbie- ter, also auch diejenigen von Elektrizitätswerken, zu einer «unkomplizierten und zielführenden» Konferenz eingeladen. Mit von der Partie sein wird das Bundesamt für Kommunikation (Bakom).

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Schon früher dürften sich Orange und Sunrise zu Gesprächen treffen. Inhalt: Ein gemeinsamer Unterhalt der Mobilnetze. Erste Ideen einer gemeinsamen Firma, die für den Einkauf, die Ausrüstung und den Unterhalt der beiden Netze verantwortlich ist, wurden bereits vor über einem Jahr diskutiert. Jetzt sollen diese Pläne wieder aus der Schublade geholt werden. Die- se wären rasch umsetzbar, und die Netzkosten könnten sofort gesenkt werden. Zudem würden damit Vorbereitungen getrof- fen für die nächste Stufe: Die Zusammenführung der Infrastrukturen.

Beschwerden gegen Swisscom

Nach Orange hat nun auch Sunrise formell Anzeige gegen die Übernahme der Schweizer Phonehouse-Filialen durch Swisscom eingereicht. Das bestätigt Patrik Ducrey, Sprecher der Wettbewerbskommission, auf Anfrage. Eine Stellungnahme der Swisscom wurde eingefordert und die Beschwerden von Orange und Sunrise würden nun geprüft. Innerhalb der nächsten Tage entscheidet die Weko über eine Vorprüfung. Sollte dies der Fall sein ? was wahrscheinlich ist ?, wird der Verkauf der Phonehouse-Läden um einen Monat verzögert. Eine mögliche anschliessende vertiefte Prüfung würde weitere vier Monate in Anspruch nehmen.

Orange und Sunrise bemängeln insbesondere, dass durch die Übernahme der 62 Filialen von Phonehouse Swisscom ihre marktbeherrschende Stellung markant ausbauen könne. Zudem würden Orange und Sunrise dadurch massiv geschwächt, da Phonehouse bislang neben Produkten von Swisscom auch diejenigen von Orange und Sunrise verkauft hat. Mit dem Vollzug der Übernahme durch Swisscom wäre damit Schluss.(mik)