Die Sieber-Gruppe bietet laut eigener Darstellung «massgeschneiderte Lösungen im nationalen und internationalen Warenverkehr auf dem Land, zu Wasser und in der Luft an». Was muss man sich darunter vorstellen?

Christian Sieber: Unserer Firmengruppe ist in erster Linie für KMU tätig, Firmen also, die ähnlich gelagert sind wie wir, und die immer grössere logistische Bedürfnisse haben, die ein spezieller Logistikdienstleister befriedigen kann. Dazu kommt, dass viele dieser Unternehmen angesichts der komplizierter werdenden Logistik diese Tätigkeit an professionelle Dienstleister delegieren wollen. Heute bietet unsere Firmengruppe dieser Kundschaft einerseits Stückguttransporte vorwiegend im Inland an, aber auch spezielle Dienstleistungen im Rahmen der gesamten Wertschöpfungskette. Durch die Globalisierung und den intensiven Wettbewerb kamen auch auf die KMU neue Herausforderungen im Bereich der Güterbewegung zu. Deshalb gehören zu unserem Angebot auch internationale Speditionsleistungen, welche wir zusammen mit Partnern abwickeln. Dazu zählen auch Luft- und Seefrachttransporte. Im Bereich Logistikhandling bieten wir unseren Kunden spezifische Dienstleistungen an, wie Kommissionieren, Umpacken, Labeling oder Etikettierung. Gerade in diesem Bereich können wir dank unseres schweizweiten Netzes an Niederlassungen mit den entsprechenden Lagermöglichkeiten der Kundschaft spezifische ? eben massgeschneiderte ? Dienstleistungen offerieren.

Kaum ein Logistiker kann sich in allen Branchen gleichzeitig betätigen. Auf welche Branchen konzentriert sich die Firma Sieber?

Sieber: Unsere Dienstleistungen sind in erster Linie prozessoptimiert angelegt, das heisst, wir unterscheiden nicht unbedingt nach einzelnen Gütergruppen beziehungsweise Branchen. Wir verfügen über eine gewisse Affinität in den Bereichen Stahl- und Aluminiumtransporte, darüber hinaus bewegen wir in erster Linie allgemeine Handelsgüter in gängigen Dimensionen aus unterschiedlichen Branchen. Was wir nicht transportieren, sind Flüssiggüter, explosive Stoffe, Schüttgüter oder Tiere.

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Hat die Firma Sieber die Idee, sich in Zukunft stärker im Bereich Kontraktlogistik zu engagieren, denn dies ist ja auch mit teils erheblichen Investitionen verbunden?

Sieber: Wir sind in diesem Bereich schon seit vielen Jahren aktiv, vor allem mit Kunden, mit denen wir enge Kontakte unterhalten, um auch tiefergehende logistische Tätigkeiten anbieten zu können. Unser Ziel ist es, unsere Kunden weitgehend von logistischen Problemen zu entlasten und sie zu unterstützen, damit sie ihre Supply Chain möglichst optimal bewälti-gen können.

Die Sieber-Gruppe verfügt neben dem Hauptsitz in Berneck über grössere Stützpunkte in Dietikon, in Pratteln (Firma Haldemann), in Villeneuve (Firma Francey) sowie im Tessin. Genügen diese Kapazitäten für die Zukunft?

Sieber: Derzeit befinden wir uns in einer intensiven Ausbauphase. In Pratteln werden wir die Lagerkapazitäten vervielfachen, dazu kommt der Ausbau des ehemaligen Viscosuisse-Areals in Widnau, wo neue Lagerflächen entstehen werden. Gleichzeitig sind wir daran, den gesamten Lagerbereich informatikmässig neu zu strukturieren.

Die Sieber-Gruppe stützt sich stark auf die modernen Telematiksysteme ab und verfügt hier über eine langjährige Erfahrung. Welchen Beitrag können diese Systeme zum optimalen Fahrzeugeinsatz im Güterverkehr leisten?

Sieber: Es ist in der Tat so, wir arbeiten schon etliche Jahre mit Telematiksystemen, mit denen nicht nur die Transporte, sondern auch der Fahrzeugeinsatz und die Mitarbeiterunterstützung optimiert werden können. Die Telematik hilft uns, die Effizienz der Güterverteilung deutlich zu steigern. Zugleich profitiert auch der Kunde, indem er seinen administrativen Aufwand in der Transportkette reduzieren kann. Aber auch für das Fuhrparkmanagement liefert die Telematik wichtige Impulse. Der Einsatz sowie der Unterhalt unserer rund 170 Fahrzeuge können optimiert werden, was ins Gewicht fallende Kosteneinsparungen erlaubt. Im Weiteren informieren wir unsere Chauffeure über die relevanten Fahrdaten und können diese unterstützen, eine ökonomischen Fahrweise einzuhalten.

Das Schweizer Strassentransportgewerbe sieht sich derzeit mit erheblichen Kostensteigerungen konfrontiert. Welche Spuren hinterlässt der hohe Ölpreis in der Erfolgsrechnung der Firma Sieber, und wieweit kann diese Erhöhung an Kunden weitergegeben werden?

Sieber: Der Dieselpreis ist für uns trotz Verbilligung in den letzten Tagen ein erheblicher Kostenfaktor. Wir stellen fest, dass auch unsere Kunden dieser Entwicklung nicht ausweichen können und ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass wir Kostensteigerungen über einen Treibstoffaufschlag auf dem Transportpreis überwälzen müssen.

Wie sieht es punkto Ausrüstung der Fahrzeuge im Bereich Sicherheit aus?

Sieber: Alle unsere neuen Fahrzeuge sind mit Abstandsradar und dem Spurassistenten sowie automatischem Getriebe ausgerüstet. Damit können wir unsere Chauffeure unterstützen und einen wirksamen Beitrag zur Unfallverhütung leisten.

Die Liefertermine werden immer enger, die Zahl der Lieferungen steigt und auf den Strassen herrscht oft ein Chaos. Viel Stress also für den Chauffeur. Wie gross ist aus Ihrer Erfahrung das Verständnis der Empfänger, wenn einmal eine Lieferung zu spät erfolgt?

Sieber: Wir erleben alle Nuancierungen an Reaktionen, von totalem Unverständnis bis zu vollem Verständnis für die Situation des Fahrers. Wir versuchen in solchen Fällen auch proaktiv zu reagieren und den Kunden bereits im Voraus über eine Verspätung zu informieren. Dank guten Mitarbeitenden und der Telematik ist dies möglich.

Wie stark nutzt die Firma Sieber die Schiene im Gütertransport? Und wie zufrieden ist man mit deren Leistungen?

Sieber: Aufgrund unserer Standortstrategie in der Schweiz sind wir eher strassenseitig orientiert. Wir nutzen aber auch die Schiene für verschiedene Transporte, vor allem in die Westschweiz sowie im Kombiverkehr mit dem Ausland. Leider aber hapert es oft an den Rahmenbedingungen sowie an der Flexibilität der Schiene.

Wie beurteilen Sie die zukünftige Entwicklung im Schweizer Strassengüterverkehr? Ist mit weiteren Übernahmen zu rechnen?

Sieber: Ein abschliessendes Urteil kann derzeit nicht gefällt werden, doch wir rechnen in den nächsten Jahren mit einer weiteren Professionalisierung der Branche. Kleinere Firmen müssen sich ernsthaft überlegen, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen und sich bestehende Chancen in der Nische suchen. Es ist aber dennoch mit weiteren Übernahmen in dieser Branche zu rechnen.

Sind weitere Akquisitionen geplant?

Sieber: Im Moment sind wir mit unserer Infrastruktur sehr gut aufgestellt, sollte sich aber eine Gelegenheit ergeben, die in unsere Firmenstrategie passt, werden wir uns das überlegen.