Seit einigen Monaten spürt das Zürcher Eventtechnik-Unternehmen Bluetrac, das Videokonferenzsysteme vermietet, eine steigende Nachfrage. «Der Bedarf an Streamings nimmt generell zu», sagt Bluetrac-Sprecher Michael Koch. Er vermutet, dass im Bereich der internen Unternehmenskommunikation vermehrt auf Videokonferenzsysteme zurückgegriffen werde, während in anderen Bereichen der persönliche Kontakt noch immer Priorität habe.

Die Entwicklung lässt sich einfach erklären: Angesichts der drohenden Rezession sind die Unternehmen kostenbewusster geworden und senken die Reisebudgets.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des US-Anbieters von Businessreisen Orbitz zeigt, dass 79% der befragten Unternehmen versuchen, bei den Reisekosten zu sparen. Videokonferenzen würden als Alternative betrachtet.

Dank der Krise erhalten Vermieter und Hersteller von sogenannten Telepräsenzlösungen willkommenen Auftrieb.

Für Kunden hat die Anmietung den Vorteil, dass sie auf ein funktionierendes System zurückgreifen können und sich selbst keine der teuren Anlagen anschaffen müssen. Dass die Telepräsenzsysteme eher selten benützt wurden, hängt auch damit zusammen, dass die Anlagen bisher an technischen Kinderkrankheiten litten, so an Mängeln bei der Datenübertragung. Zudem sind die verschiedenen Produkte untereinander nicht kompatibel.

Dennoch werden nicht nur vermehrt Systeme angemietet, auch der Verkaufsabsatz der Anlagen nimmt zu.

Mit dem Absatz zufrieden

Hewlett-Packard (HP), neben Cisco der weltweit grösste Anbieter solcher Anlagen, hat vor kurzem sein Halo-Collaboration-Studio zum Top-Produkt des nächsten Jahres gekürt. «HP ist mit dem Absatz von Halo Collaboration Lösungen in der Schweiz sehr zufrieden», so HP-Schweiz-Sprecherin Barbara Gfeller.

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Das System hat jedoch einen stolzen Preis. Die drei Konfigurationen kosten je Anlage zwischen 120 000 und 349 000 Dollar. Zusätzlich fallen monatliche Unterhaltskosten an. Diese belaufen sich je nach Serviceangebot auf bis zu 18 000 Dollar.

Auch Schweizer Unternehmen sind Kunden von HP. So verfügen etwa die Credit Suisse und das Pharmaunternehmen Novartis über Halo-Systeme.

«Wir sehen, dass sich gerade jetzt viele Firmen bewusst für die Investition in ein solches System entscheiden, um Reisekosten zu reduzieren und die organisatorischen Abläufe zu beschleunigen», sagt Barbara Gfeller.

Grossunternehmen und Hotels

Neben international aufgestellten Konzernen kommen vor allem Hotels als Endkunden in Frage. Eine Umfrage bei Zürcher Hotels zeigt jedoch, dass sie den Investitionsbedarf in ein solches System noch scheuen und nötigenfalls externe Anlagen mieten.

Das aufwendig renovierte Hotel The Dolder Grand verfügt bereits über ein Videokonferenzsystem. Das Hotel Park Hyatt und das Hotel Widder mieten die Anlagen bei Bedarf. Bei beiden Häusern ist die Nachfrage in letzter Zeit konstant geblieben. Daher würde es sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen noch nicht lohnen, eine komplette Anlage anzuschaffen.

Von der kürzlich bekannt gegebenen weltweiten Partnerschaft mit der Marriot-Hotel-Gruppe verspricht man sich jedoch bei HP einen zusätzlichen Absatzboom. Es ist jedoch noch nicht bekannt, an welchen Marriot-Standorten Halo-Systeme installiert werden.

Deshalb ist auch noch unklar, ob das Marriot Hotel in Zürich mit einem Halo Collaboration Center ausgerüstet wird. Da am HP-Hauptsitz in Dübendorf bereits ein komplettes Halo-System installiert ist, wäre es jedoch nahe liegend, diese Anlage auch für die Vermietung an Drittkunden zu nutzen.

Die Folgen für Swiss

Den Rückgang bei den Businessflügen bekommt Swiss bereits jetzt zu spüren. Aufgrund der sinkenden Nachfrage reduziert die Airline ab Januar unter anderem Flüge in die Business-Zentren London, New York und Schanghai (siehe Seite 14).