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Kaffee
Tencent und Alibaba kämpfen um die Kaffee-Vorherrschaft

Auch im Kaffeegeschäft setzen die Chinesen Roboter und andere Technologien ein.

Die Chinesen Tencent und Alibaba wetteifern um den Kaffeemarkt in China. Ein Markt, der auch für Nestlé und Starbucks interessant ist.

Von David Torcasso
am 07.09.2018

Der weltweite Kaffeekonsum steigt – und dank China rasant. Die traditionellen Teetrinker sind auf den Kaffee-Geschmack gekommen. Der Markt zählt zu den vielversprechendsten der Welt. Zwischen 300 und 350 Millionen Einwohner des Landes gehören mittlerweile der Mittelschicht an und damit zur Kaffee-Zielgruppe. 

Kaffee trinken ist vor allem in den chinesischen Grossstädten en vogue. Ein Kaffeebecher in der Hand ist zum Ausdruck von Lifestyle und Wohlstand geworden. Cafés schiessen in den Städten wie Pilze aus dem Boden. Und zwar nicht nur in Shanghai oder Peking, sondern vor allem in den Städten mit bis zu vier Millionen Einwohnern.

Chinesen trinken drei Tassen Kaffees pro Jahr, Schweizer drei pro Tag

Starbucks betreibt mittlerweile über 3000 Cafés im Reich der Mitte, bis 2020 sollen es über 10'000 sein. Auch Costa Coffee hat ehrgeizige Wachstumspläne angekündigt – und will bis in vier Jahren über 6000 Cafés betreiben. Das ist mehr als eine Eröffnung pro Tag. Durch Costa mischt ein weiterer Big Player aus den USA im chinesischen Kaffeegeschäft mit: Vor rund einer Woche hat Coca-Cola die Kaffeekette Costa für rund 5 Milliarden Dollar übernommen.

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Zurzeit liegt der durchschnittliche Kaffeekonsum eines Chinesen noch bei rund drei Tassen pro Jahr. So viel trinken die Schweizer an einem Tag, pro Jahr sind es über 1000 Tassen. Damit ist das Potenzial in China riesig: Es herrscht eine ähnliche Aufbruchstimmung wie in den 1970er-Jahren in Japan. Heute ist das Land der viertgrösste Kaffeekonsument der Welt. 

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In Cafés die Zeit verbringen gehört in Chinas Städten zum neuen Lifestyle.
Quelle: Getty Images

Hart umkämpfter Markt

Kein Wunder liefern sich die chinesischen Milliardenunternehmen Tencent und Alibaba einen Kampf um die Gunst der Konsumenten. Die beiden Giganten sind bereits bei digitalen Diensten Erzrivalen. Jetzt kommt noch das boomende Kaffeegeschäft dazu. Das wollen sie sich auch nicht von Konkurrenten aus den USA oder Europa nehmen lassen.  

Wie «Bloomberg» meldet, hat Tencent am Donnerstag eine Partnerschaft mit der Lokal-Kette Luckin Coffee vereinbart. Dabei will der WeChat-Betreiber vor allem mit Technologien auftrumpfen: Bestellungen sollen künftig mit Robotern ausgeliefert werden, die Zahlung im Café erfolgt durch Gesichtserkennung. Natürlich setzt Tencent das Zahlungssystem von WeChat auch in den Filialen ein.

Der Zusammenschluss ist eine Antwort auf die Partnerschaft von Starbucks und Alibaba, die vor rund einem Monat begangen wurde. Dort besiegelte der amerikanische Kaffeeriese und der chinesische Onlinehändler die Lieferung von Getränken und Backwaren in die Supermärkte und Onlineshops von Alibaba. Zum Alibaba-Konzern gehören die Marken Alipay, Taobao oder Tmall. Damit hat Starbucks Zugang zu rund 500 Millionen Mobile-Usern, schreibt «CNBC» zu dem Deal. Starbucks rechnet mit der Verdreifachung des Umsatzes in den nächsten fünf Jahren.

Digitalisierung des Kaffee-Konsums

Im Vergleich zu diesem Deal erscheint die Zusammenarbeit zwischen Luckin Coffee und Tencent geradezu klein. Luckin Coffee betreibt nur rund 1000 Cafés in China. Das ist wenig im Vergleich zu Starbucks. Tencent hat aber gegenüber Alibaba noch einen Joker in der Tasche: Es kooperiert mit Starbucks bei Mobile-Zahlungen und «sozialen Geschenken», wieder durch die alles beherrschende WeChat-App.

Nicht nur das Geschäft mit neuen Kaffeehäusern boomt in China, sondern auch die Online-Bestellungen der braunen Bohne nach Hause – natürlich online. Nach eigenen Angaben hat Alibaba auf den Onlineplattformen wie Taobao und Tmall an über 18 Millionen Chinesen Kaffeeprodukte verkauft. 

Starbucks
Alibaba und Starbucks besiegelten Anfang August eine Partnerschaft.
Quelle: Getty Images

Alibaba-Manager und Experte Jing Wang schreibt in einem Blogbeitrag auch über die steigenden Ansprüche der Chinesen. Der Kaffee müsse frisch gebraut sein, Qualität und Geschmack seien entscheidend. Der Verkauf von frisch gebrühtem Kaffee verzeichnete 2017 zweistellige Wachstumsraten. Dabei habe sich auch der Absatz von Kaffeekapseln auf den Plattformen von Alibaba verzehnfacht. Das gibt auch dem Schweizer Kaffeekönig Nestlé Hoffnung auf Wachstum. 

Nestlé kriegt Zugang über Online-Plattformen

Denn bei Kaffeekapseln kommt Nestlé ins Spiel: Der Schweizer Konzern möchte den chinesischen Verbraucher Nespresso und Dolce Gusto schmackhaft machen. Die Margen sind hoch, auch, weil Nespresso in China als Premium gilt und teurer verkauft werden kann. Deshalb ging Nestlé Anfang 2016 eine Partnerschaft mit Alibaba ein. So hat der Nahrungsmittelhersteller Zugang zu den grossen Onlineportalen wie Tmall.com. Inzwischen nutzt Nestlé auch neue Technologien, um Kaffeebestände automatisch auffüllen.

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Die chinesischen Millenials mögen frisch zubereiteten Kaffee wie hier bei Starbucks.
Quelle: Getty Images

Dort hat der Konzern aus Vevey aber gegenüber Konkurrent JAB in jüngster Vergangenheit eher das Nachsehen gehabt: In den vergangenen Jahren kaufte die Holding der deutschen Unternehmerfamilie Reimann für über 30 Milliarden Dollar zahlreiche Gastro-Ketten wie Balzac, Espresso House, oder Einstein Bros Bagels zusammen. Genau in solchen Kaffeehäusern mit schönem Holz und leckeren Backwaren verkehren chinesische Millenials gerne – und geben dabei mehr Geld aus als im Supermarkt. 

Einen weiteren Zugang, der sich auch in China auszahlen könnte, hat sich Nestlé im Mai mit dem Milliarden-Deal mit Starbucks gesichert. Mit den Rechten für die Vermarktung der Starbucks-Produkte im Einzelhandel kann Nestlé die Starbucks-Produkte auf den chinesischen Onlineplattformen und Supermärkten ausliefern. Es ist eine gute Plattform ausserhalb der 28'000 Starbucks-Filialen weltweit. 

Der digitale Wandel im Kaffeegeschäft ist vor allem in China spürbar. Deshalb müssen die Kaffeplayer Absatzkanäle ausserhalb der physischen Kaffee-Filiale finden. Als gutes Beispiel kann die Zusammenarbeit zwischen Starbucks und Alibaba genannt werden. 

Starbucks wird damit online und in den Filialen vertreten sein. Nur wer das Zusammenspiel von Online und Offline-Kaffeeangeboten beherrscht, wird in China erfolgreich sein. 

Mit Material von Bloomberg