Für den Luxusgüterkonzern Richemont hat das neue Geschäftsjahr 2016/17 wie erwartet schlecht begonnen: Die Umsätze sind in dem für die Branche schwierigen Marktumfeld in den ersten fünf Monaten (April bis August) geschrumpft, und Rückkaufaktionen von schlecht laufenden Modellen sowie Restrukturierungskosten belasten das Ergebnis.

Der Umsatz von Richemont sank in den ersten fünf Monaten in der Berichtswährung Euro um 14 Prozent und in Lokalwährungen gerechnet um 13 Prozent. Ohne die Rücknahmeaktion von Uhrenmodellen, die von den Händlern nur schleppend verkauft werden, wären die Verkäufe in Lokalwährungen um 10 Prozent zurückgegangen, teilte die Gruppe am Mittwoch im Vorfeld der ordentlichen Generalversammlung mit.

Frankreich am Boden

Der Einbruch kommt nicht ganz überraschend, schliesslich hatte Richemont bereits für den Monat April einen Umsatzrückgang von 15 Prozent (in LW) gemeldet und laut der Exportstatistik des Branchenverbandes FH nahmen die Ausfuhren von Schweizer Uhren in den Monaten Mai (nominal: -10 Prozent), Juni (-16 Prozent) und Juli (-14 Prozent) jeweils deutlich ab. Die August-Statistik wird kommende Woche veröffentlicht. Auch Analysten hatten für Richemont im Durchschnitt (AWP-Konsens) einen Umsatzrückgang in Euro von 12 Prozent und in Lokalwährungen um 10 Prozent erwartet.

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Richemont selbst führt als Gründe für den Umsatzschwund die gute Entwicklung in den Vergleichsmonaten des Vorjahres, die Rückkaufaktionen aus den Lagern der Händler sowie das derzeit schwierige globale wirtschaftliche Umfeld an. Besonders schwach entwickelte sich Europa (-18 Prozent in LW), was mit den rückläufigen Touristenzahlen nach den diversen Terroranschlägen im Zusammenhang steht. Darunter habe insbesondere das Geschäft in Frankreich gelitten, schreibt Richemont.

Grossbritannien gegen den Trend

Ganz im Gegensatz dazu wuchs der Absatz in Grossbritannien. Nach dem Brexit-Votum im Juni habe sich das britische Pfund gegenüber den meisten anderen Währungen deutlich abgeschwächt, was die Verkäufe angekurbelt habe. Die Luxusgüterbranche profitiert auf der Insel von den ansteigenden Touristenzahlen.

Weniger deutlich als in Europa gingen die Verkäufe in Asien-Pazifik (-9 Prozent) nach unten. Dabei sei das Wachstum in Festland-China und Südkorea von der anhaltenden Marktschwäche in Hongkong und Macau überlagert worden. Der Rückkauf von älteren Uhrenmodellen sei vor allem bei Händlern in diesen beiden Märkten erfolgt, so die Mitteilung.

In Amerika nahm der Umsatz in Lokalwährungen um 6 Prozent ab. Dies sei vor allem den Uhren zuzuschreiben, wogegen sich Schmuck und Accessoires besser verkauften. In Japan brachen die Verkäufe nach dem «sehr guten Vorjahr» um 25 Prozent ein. Aber auch der starke Yen hemme die Konsumlust der Touristen.

Uhren schlechter als Schmuck

Der Umsatz mit Schmuck von Cartier oder Van Cleef & Arpels sank in der Berichtsperiode um 16 Prozent (-15 Prozent in LW). Die Uhrenverkäufe mit Marken wie Piaget, JaegerLeCoultre oder IWC gingen in Euro um 19 Prozent (-18 Prozent) zurück.

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Aufgeteilt nach Vertriebskanälen nahmen die Verkäufe in erster Linie im Grosshandel deutlich ab (-22 Prozent in Euro; -21 Prozent in LW). Aber auch in den markeneigenen Boutiquen und Verkaufsstandorten verzeichnete Richemont ein Umsatzminus von 8 Prozent (-6 Prozent in LW), wobei sich da besonders die Verkäufe in Europa und Japan rückläufige entwickelt hätten.

Bedingungen werden kaum besser

An den schwierigen Marktbedingungen dürfte sich in kurzer Frist kaum was ändern, glaubt Richemont. Dennoch sei man von den langfristigen Wachstumsaussichten, welche die Luxusgüterindustrie weltweit biete, nach wie vor überzeugt. Richemont sei mit einer starken Bilanz und einem etablierten Markenportfolio gut positioniert, um davon zu profitieren.

Im Ausblick warnt die Gesellschaft zudem vor einem Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr. Aufgrund von Restrukturierungskosten im Umfang von 65 Millionen Euro sowie den Auswirkungen aus den Produktrückkäufen werde das operative Ergebnis um rund 45 Prozent tiefer ausfallen als noch im Vorjahr.

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Auch der Reingewinn dürfte in dieser Grössenordnung abnehmen, so die Mitteilung weiter. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2016/17 (per Ende September) werden am 4. November publiziert.

(awp/gku/ama)