Die Schweizer stehen auf Tesla – und Tesla auf die Schweiz. So sehr, dass der Autobauer hierzulande eine Erweiterung seines Geschäftsnetzes plant. «Wir haben acht Stores in mehreren Ballungszentren. Aktuell sehen wir uns diverse Grossräume an, weil wir in der Schweiz weiter expandieren wollen», sagte Tesla-Länderchef Jochen Rudat gegenüber handelszeitung.ch auf dem Genfer Autosalon

Bei der Expansion helfen soll das neue Modell X, das Tesla in Genf erstmals dem europäischen Publikum präsentiert. Konzernchef Elon Musk stellte den Geländewagen mit den sich nach oben öffnenden Türen im vergangenen Herbst in den USA vor, dort ist bald Vertriebsstart. Im Verlauf des Sommers soll der Wagen auch in der Schweiz ausgeliefert werden, ab 88´500 Franken wird der SUV zu haben sein.

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«Schweizer Markt ist extrem wichtig für uns»

Bei Tesla setzt man auf die Vorliebe der Schweizerinnen und Schweizer: «Der Schweizer Markt ist extrem wichtig für uns. Das haben wir schon beim Model S gesehen, als die Nachfrage nach dem Allradmodell explodierte», sagt Rudat, der neben dem Schweiz-Geschäft auch das in Deutschland verantwortet. Seinerzeit heuerte Tesla neue Mitarbeiter an, weitere Stores wurden eröffnet. Mit Erfolg, wie Rudat zusammenfasst: «In der Schweiz konnten wir im Oberklassenmarkt im vergangenen Jahr alle Wettbewerber hinter uns lassen: Mercedes, BMW, Audi und Porsche zusammen haben in der Schweiz nicht so viel Fahrzeuge verkauft wie Tesla.» Einer der Gründe, warum andere Premium-Autobauer aktuell fieberhaft am Gegenentwurf zum Elektro-Sportwagen von Tesla basteln.

Auch Tesla will mit neuen Fahrzeugen punkten, nach dem Roadster S-Modell wird die X-Version ein SUV sein. Wert legte der Tech-Konzern aus dem Silicon Valley vor allem auf die Sicherheit: Da im Motorraum kein schwerer Metallblock eingebaut ist, kann das Auto laut Hersteller einen Aufprall besser abdämpfen – was die Verletzungsgefahr für die Insassen verringern soll. Dass die Batterien im Unterboden in einer festen Hülle verbaut sind, ist demnach ein weiterer Vorteil. So soll der Schaden bei einem Seitenaufprall geringer sein.

Mittelklassewagen soll Ende 2017 kommen

Ein weiterer Pluspunkt ist die Performance: Das Elektroauto beschleunigt in 3,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer, die Batterie schafft laut Hersteller 500 Kilometer am Stück ohne neues Aufladen. Das grosse visuelle Highlight sind die sich nach oben öffnenden Flügeltüren, in die Sensoren integriert sind. So stossen sie nicht an niedrige Decken oder an andere Fahrzeuge, steht der Tesla in einer engen Parklücke.

Bei der Expansion in der Schweiz helfen soll neben dem Modell X auch das geplante Model 3. Der Verkaufsstart des Mittelklassewagens, der Tesla endlich auf dem Massenmarkt zum Durchbruch verhelfen soll, ist in den USA für Ende 2017 geplant. Das Model 3 soll ähnlich gross werden wie ein 3er BMW oder ein Audi A4 und preislich zwischen 35´000 und 40´000 Franken liegen, sagt Rudat. «Wir zielen auf die Halbierung der Kosten ab.»

«Der grosse Masterplan von Elon Musk»

Tatsächlich ist Tesla heute noch immer eine Wette auf die Zukunft. Entscheidend wird der Durchbruch am Massenmarkt sein. Rudat dazu: «Tesla hat die Vision, die eigene Technologie allen zugänglich zu machen. Das ist der grosse Masterplan von Konzernchef Elon Musk, den er so schon früh kommuniziert hat.» Dass der Konzern noch immer rote Zahlen schreibt, begründet man bei Tesla mit den hohen Reinvestitionen für die neuen Produkte.

Verzögerungen beim Model 3 wie beim aktuellen Model X, als sich die Auslieferung um über drei Jahre nach hinten verschob, befürchtet Rudat nicht. Die Verspätung begründet der Tesla-Mann in erster Linie mit der herausfordernden Sensorentechnik in den Flügeltüren und dem Design der neuen Sitze: «Wie in einem Flugzeug haben sie nun Stauraum unter den Vordersitzen – wir haben mehrere Anbieter abgelehnt und die Sitze am Ende selbst gebaut – einfach, weil wir keine Kompromisse eingehen wollten.»

Batteriewerk in Nevada

Ein wichtiger Punkt für die Zukunft von Elektrofahrzeugen ist die Versorgung mit Energie. Seit vergangenem Jahr produziert Tesla im US-Staat Nevada in Reno Batterien, die finale Ausbaustufe ist für 2020 geplant. In der Fabrik wird mittlerweile auch die Superbatterie Powerwall hergestellt. Diese soll genug Strom für einen oder mehrere Haushalte liefern. In der Schweiz wird sie als erstes von der Bauerngenossenschaft Fenaco vertrieben, wie die «Handelszeitung» vergangene Woche berichtete.

Tesla Plan sieht vor, in Reno schliesslich Akkupacks für rund 500´000 Fahrzeuge herzustellen. Dank der sogenannen Gigafactory sei der Preis für eine Kilowattstunde bereits heute um 30 Prozent gesunken. Das ist wichtig für das Unternehmen, sagt Rudat: «Diese Skaleneffekte brauchen wir, um auf dem Massenmarkt erfolgreich zu sein.»