Zehn Jahre nach dem Konkurs der Tessiner Treuhandfirma Sogevalor prüft das Tessiner Appellationsgericht das erstinstanzliche Urteil gegen drei Kadermitglieder. Der Berufungsprozess hat in Locarno TI begonnen.

Vier frühere Kadermitglieder der Sogevalor wurden am 14. Dezember 2012 in erster Instanz unter anderem wegen Betrugs und Misswirtschaft zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Strafgericht Lugano TI erachtete sie als mitverantwortlich für den Konkurs der Firma im Jahr 2004.

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Drei der Beschuldigten - nämlich Präsident und Vizepräsident des Verwaltungsrats sowie ein Buchhalter - legten dagegen Einspruch ein. Die Verteidiger plädierten im ersten Prozess auf Freispruch. Sie schoben die gesamte Verantwortung für die betrügerischen Machenschaften dem früheren Direktor der Firma zu. Dieser verschwand nach dem Konkurs.

Finanzloch von 70 Millionen Franken

Die Betrugsaffäre der Sogevalor kam im Sommer 2004 ans Licht. Mehrere Kunden der Tessiner Effektenhändlerin hatten die Eidgenössische Bankenkommission (EBK), heute Finanzmarktaufsicht (Finma), auf Unregelmässigkeiten aufmerksam gemacht.

Die EBK entzog der Sogevalor die Bewilligung. Über die Firma wurde der Konkurs verhängt. Die Betrugssumme wurde in der Anklageschrift auf 131 Millionen Franken beziffert. Davon sollen rund 70 Millionen Franken komplett verloren gegangen sein. 111 Kunden galten als betroffen, etwa 80 als finanziell geschädigt.

Kunden zu Investitionen ermutigt

Den früheren Mitarbeitern der Sogevalor wird vorgeworfen, über die finanziellen Probleme der Firma Bescheid gewusst zu haben. Sie sollen Kunden dennoch zu Investitionen ermutigt haben. Das Geld habe zur persönlichen Bereicherung und zum Stopfen von Finanzlöchern gedient.

Die erstinstanzlich ausgesprochen Freiheitsstrafen lagen zwischen zwei Jahren bedingt und dreieinhalb Jahren. Der Berufungsprozess ist über mehrere Tage angesetzt. Der Termin der Urteilsverkündung ist noch nicht bekannt.

(sda/chb/sim)