Leicht hatten sich die Chefentwickler in München die Aufgabe nicht gemacht. Drei Generationen lang hatten sie auf das klassische Stoffverdeck gesetzt, den traditionellen Inbegriff für Open-air-Feeling. Jetzt, mit der Neuauflage der 3er-Serie, wartet BMW erstmals mit einer Hardtop-Variante auf. Die harte Schale war zugegebenermassen ein Wagnis, doch letztlich waren es BMW-typische Überlegungen, die Blech den Vorzug verschafften. Das Hardtop sorgt für bessere Steifigkeit und damit Sicherheit, es bietet – gerade in unseren Breitengraden – eine volle Wintertauglichkeit und zudem jederzeit einen optimalen Wetterschutz, und es steigert das Komfortgefühl, beispielsweise mit einem tieferen Geräuschpegel als bei einem Stoffdach. Zudem: Optisch mussten in der Linienführung wenig Abstriche gemacht werden, das 3er-Cabrio ist immer als BMW-Familienmitglied zu erkennen, offen wie geschlossen. Die äussere Form bleibt das Abbild des Charakters des Fahrzeuges, sie verspricht, offen noch dominanter als geschlossen, ein ausserordentliches Fahrerlebnis. Von der langen Motorhaube über die flache, gestreckte Schulterlinie bis zum niedrigen Heck zeugen die sportlichen Proportionen von einer gewissen Leichtigkeit des Entwurfs.

Wahre Werte stecken in Technik

Allerdings, das Premium-Cabrio nur nach seinem Äusseren zu bewerten, wäre höchst unfair. BMW wäre nicht BMW, hätte man nicht eine gehörige Portion Technik, Know-how und, wichtig für die Akquisition, Sportlichkeit ins Auto gepackt. Bleiben wir beim Stahldach: Dieses, dreiteilig in Sandwichbauweise gefertigt, lässt sich per Knopfdruck ab Mittelkonsole automatisch öffnen und schliessen. 22 Sekunden muss man bis zum Freiluftvergnügen warten. Gedacht wurde selbst an ein ausgefeiltes Restwasser-Ableitungssystem; dafür lässt sich das Dach nur – anders, als dies Audi beim TT Cabrio bietet – im Stillstand und nicht bis zu einer Rollgeschwindigkeit von 20 km bedienen.

Keine Rolle spielt das Stahldach für die Fahrdynamik und die Spurtschnelligkeit (6 Sekunden von 0 auf 100 km/h), trotz des Zusatzgewichtes von gegen 200 kg. Denn die wahren Werte stecken unter der Haube. Fünf Motorversionen – darunter ein Diesel – stehen zur Wahl, getestet wurde von der «Handelszeitung» das Topmodell 335i mit Reihen-Sechszylindermotor mit Twin-Turbo-Technik, Benzindirekteinspritzung und Vollaluminium-Kurbelgehäuse.
306 PS gibt das Triebwerk ab, genügend Leistung, um mit vier Passagieren offen und flott über jeden Schweizer Alpenpass zu kreuzen. Wobei der Benzinverbrauch dann relativ rasch die 12-l-Limite touchiert. Was wiederum für die Dieselvariante 330d (231 PS) und 6,8 l Spritverbrauch spricht.
Bleibt die Frage des Preises: BMW bietet Cabriospass ab 59500 Fr. (320i); das Topmodell 335i lässt 77100 Fr. locker machen. Wobei, wie immer bei BMW, die Ausbauschritte (bis hin zum Sitzleder, das unter Sonnenbestrahlung seine Farbe ändert und weniger abstrahlt) rasch in den fünfstelligen Bereich klettern.

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BMW 335i Cabriolet

Motor: Sechszylinder-Benziner mit 2993 cm2 Hubraum
Leistung: 225/306 kW/PS bei 5800 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1300–5000 U/min
Gesamtgewicht: 1810 kg
Gepäckraumvol: 210–350 l
Verbrauch: 11 l/100 km
Preis: Ab 77100 Fr.; Testwagen: 95930 Fr.
Testwagenlieferant: BMW (Schweiz) AG, Dielsdorf