Steigende Energie- und Lebensmittelpreise und Knappheit an Fachkräften geben Anlass zu Bedenken, ob die Inflation wirklich unter Kontrolle ist. Kommt dazu, dass die grösste Notenbank der Welt, die Fed, das Steuer resolut herumgerissen hat und die Geldpolitik lockert.

Im Zuge dieser Entwicklungen wird Gold wieder verstärkt als Inflationsschutz angepriesen. Befürworter dieser These verweisen auf den kräftigen Anstieg des Goldpreises in den vergangenen Monaten. Bei genauerem Hinsehen liegen die Dinge aber komplizierter. So mussten beispielsweise in den USA für einen Warenkorb, der 1980 noch 100 Dollar gekostet hat, 2001 bereits 215 Dollar bezahlt werden. Der Goldpreis ist in dieser Periode aber von 850 auf 257 Dollar pro Unze gesunken. Und auch wenn man die Periode von 1980 bis heute betrachtet, also die seit 2001 anhaltende Goldhausse einbezieht, hat Gold den Kaufkraftverlust nicht wettgemacht.
Einige Analysten wie der Südafrikaner Paul van Eeden vertreten die Ansicht, dass einer der Hauptgründe dafür, dass Gold in den 90er Jahren so schlecht abgeschnitten habe, der sei, dass es in Dollar kotiert sei. Der Dollar jedoch sei in diesen Jahren überbewertet gewesen. Dann aber hätten die Finanzkrisen in den 90er Jahren zu einer Flucht in den Dollar geführt. Für die Bürger der von solchen Krisen betroffenen Länder wie Mexiko, Russland oder Indonesien hätte sich Gold in dieser Zeit durchaus als wirksame Absicherung gegen die Geldentwertung erwiesen.

Gold verliert auch an Wert

Der mittlerweile verstorbene Professor Roy Jastram hat untersucht, wie sich die Kaufkraft des Goldes in Grossbritannien und den USA in Phasen sinkender und Perioden steigender Preise verhalten hat (siehe Grafik). Im Falle der USA von 1808 bis 1976 und für Grossbritannien von 1623 bis 1976. In Zeiträumen steigender Preise ist die Kaufkraft des Goldes gefallen und in Phasen sinkender Preise hat die Kaufkraft zugenommen. Nun besteht zwar das Problem, das auch Jastram sieht, dass in diesen Jahrhunderten nicht nur Kriege und andere politische Erschütterungen stattgefunden haben, sondern sich das Währungssystem stetig verändert hat.
Trotz dieser ernüchternden Erkenntnis heisst das Buch, in welchem Jastram diese Zusammenhänge aufzeigt, «The Golden Constant». Es zeigt sich nämlich, dass wenn man die Kaufkraft des Goldes zwischen den Spitzen zweier Inflationszyklen vergleicht, es Erstere bewahrt hat. Allerdings erfordert dies einen Zeithorizont im Bereich von fünfzig Jahren.

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Als Krisenwährung bewährt

Vor dem Hintergrund der Resultate Jastrams muss die Rolle des Goldes in einem anderen Licht gesehen werden. Jastram schreibt: «Jedermann, der den Zusammenbruch der Währung seines Landes befürchtet, handelt rational, wenn er seine Vermögenswerte in Gold sichert.» Aber, so Jastram weiter: «Wenn allerdings diese Massnahmen in eine Strategie umgemünzt werden, welche vor der wiederkehrenden Preisinflation schützen soll, dann bricht das Argument in sich zusammen.»
Somit taugt Gold also besser als Absicherung gegen Krisen denn als genereller Schutz gegen Inflation. Als Krisenmetall hat sich Gold nicht zuletzt deshalb bewährt, weil es zum einen, auch wenn es mittlerweile seines monetären Status beraubt ist, doch immer wieder als Zahlungsmittel akzeptiert ist. Gold hat zudem als Rohstoff einen inneren Wert. Man kann es als Schmuck, aber auch für diverse industrielle Zwecke verwenden. Und nebst diesem inneren Wert hat Gold als Vermögenswert noch einen anderen Vorteil: Es gibt kein Gegenparteirisiko. Wer physisch Gold hält, muss sich im Gegensatz zu einem Obligationär oder Käufer eines derivaten Instruments nicht darüber sorgen, ob die Gegenpartei im Krisenfall noch zahlungsfähig ist.

Inflationsgeschützte Anleihen

Wer also Gold in seinem Portefeuille hält, sollte genau bedenken, aus welchen Motiven heraus das geschieht. Geht man von einer tieferen Krise als Folge sich weiter ausbreitender Probleme in den Kreditmärkten aus, dann ist es sehr wohl möglich, dass die Kreditdeflation einen länger anhaltenden Rückgang der Preise nach sich zieht. In diesem Falle ist die Wette auf Gold gut fundiert.
Geht man jedoch davon aus, dass als Folge der momentan verfolgten Geldpolitik einfach die Inflationsraten etwas anziehen, muss Gold als Mittel gegen diese Gefahr hinterfragt werden. In diesem Falle sind inflationsgeschützte Anleihen (siehe Box) die bessere Anlage.

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Anleger-Tipp

TIPS steht für Treasury Inflation-Protected Securities. Bei solchen Wertschriften wird der Betrag, der bei Fälligkeit der Obligation ausbezahlt wird, periodisch an den Index der Konsumentenpreise angepasst.
Je grösser die Geldentwertung, desto grösser der letztlich zurückbezahlte Betrag. Die halbjährlichen Couponzahlungen entsprechen einem fixierten Prozentsatz des um die Inflation angepassten Nominalbetrags.

Beispiel
Beim Kauf einer Anleihe von 1000 Dollar mit einem realen Coupon von 3% (zahlbar halbjährlich 1,5%) bei einer Inflation von 1% über die ersten
6 Monate beträgt der Wert der Anleihe zu Jahresmitte 1010
Dollar. Der Coupon wäre 15.15 Dollar (1010 mal 1,5%).