Jedes Jahr beziehen die Schweizer Versorger aus Frankreich die Strommenge von vier bis fünf Atomkraftwerken des Typs Mühleberg über gemeinsame Abnahmeverträge aus dem alten Jahrtausend. Dieser Strom kostet mittlerweile ein Mehrfaches des an den Börsen gehandelten Stroms, wie aus den Geschäftsberichten der Importgesellschaften AKEB, ENAG und KBG hervorgeht.

Zwischen 5 und 7 Rappen pro Kilowattstunde kostete der französische Atomstrom zuletzt. An der Börse werden derzeit jedoch Preise um 3 Rappen bezahlt. Hochgerechnet ergibt sich daraus ein Verlust von rund 300 Millionen Franken pro Jahr.

Hohe Wertberichtigungen

Entsprechend haben die Stromkonzerne in den letzten Jahren hohe Wertberichtigungen vorgenommen. Fast die Hälfte der Verluste tragen Axpo und ihre Tochter CKW, weitere 20 Prozent gehen je an Alpiq und BKW. Doch auch kleinere Bezüger wie die Stadt Zürich, Repower oder die SBB hängen am teuren Strom.

Bislang habe man den Strom aufgrund laufender Verträge noch kostendeckend verkaufen können, sagt der Vertreter eines Elektrizitätsunternehmens. Doch nun komme man damit in die roten Zahlen. 

Lange Knebelverträge

Die Verträge sind teilweise an die Laufzeiten der Kraftwerke gebunden und dürften noch entsprechend lange in Kraft bleiben. Die genauen Konditionen kennen jedoch nur wenige, denn offengelegt werden die Details der Verträge nicht.

Entstanden sind die meisten Lieferverträge und Beteiligungen an französischen Kraftwerken in den 1980er- und 1990er-Jahren. Damals fürchtete die Schweizer Stromwirtschaft eine «Versorgungslücke», nachdem das Projekt für ein neues Atomkraftwerk in Kaiseraugst AG nach grossen Protesten eingestellt wurde.

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