Sie sind ein Import aus den USA und galten den Lebensversicherern des alten Kontinents als der Umsatztreiber der Zukunft schlechthin: Die fondsgebundenen Rentenversicherungen mit Kapitalgarantie, auf Englisch Variable Annuities (siehe Box).

«Verständlichkeit, harte Garantien und die Chance, von der Erholung auf den Finanzmärkten zu profitieren: Bessere Voraussetzung für Wachstum kann ein Produkt kaum haben», pries Fabian Rupprecht, Leiter Einzelleben von Axa Winterthur, die Vehikel erst kürzlich in dieser Zeitung . Experten sahen das mittelfristige Marktpotenzial in Europa bei 40 Mrd Euro.

Doch inzwischen dürften das wohl Wunschträume sein. So hat gerade Axa in Deutschland zwei Variable-Annuity-Produkte aus dem Angebot nehmen müssen. In den USA ist mit Hartford ein Anbieter der ersten Stunde in Schieflage geraten. Und in der Schweiz hat der Rückversicherer Swiss Re seine Aktivitäten in diesem Segment jüngst gänzlich ausgesetzt.

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Repricing für RentaSafe

Was steckt hinter der plötzlichen Delle im Variable-Annuity-Boom? Die Finanzkrise, einerseits, aber auch zwei für die Produkte spezifische Probleme. Nämlich einerseits der Umstand, dass die Versicherer ihren Kunden über lange Fristen - im Durchschnitt 25 Jahre - garantierte Rentenzahlungen versprechen. Das Kapital des Versicherungsnehmers ist jedoch in Fondspolicen angelegt. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Versicherer zur Sicherstellung der Leistungen eine extrem langfristige Wette gegen die Finanzmärkte eingehen müssen. Das hat zur Folge, dass sich die Versicherer gegen starke Abweichungen absichern müssen. Wegen der extremen Schwankungen an den Märkten ist ein solcher «Hedge» in den letzten Monaten aber eine kostspielige Sache geworden.

«Programme zur Absicherung der Finanzmarktrisiken sind unter den gegenwärtigen Marktbedingungen in der Tat teuer», bestätigt Swiss Re. «Sie können davon ausgehen, dass die Hedging-Kosten an manchen Tagen doppelt so hoch waren wie beim Launch unseres Angebots», sagt auch Annemie D’Hulster, CEO von Bâloise Life in Liechtenstein, die für den Mutterkonzern das Produkt RentaSafe vertreibt. Die Preissteigerungen für die Garantien haben nun dazu geführt, dass RentaSafe vergangenen Februar neu gepreist werden musste.

Zweites Problem: Die Komplexität. Bei den in Deutschland in Schwierigkeiten geratenen TwinStar-Produkten von Axa hatten die Kunden die Wahl zwischen verschiedenen Fonds innerhalb ihrer Variable-Annuity-Police. Was wiederum die Verwaltung, aber besonders auch das Hedging zusätzlich verteuert. Einzelne Variable-Annuity-Produkte zahlen zudem auch die Renten nach individuellem Schlüssel an die Kunden aus.

Swiss Life drückt aufs Pedal

Immerhin: Bâloise hat das Komplexitätsrisiko eingegrenzt, indem sie RentaSafe-Käufer nur in einen Fonds investieren lässt. Das Produkt sei in der Schweiz «vielversprechend» angelaufen, so D’Hulster. Auch Zurich nimmt von komplexen Produkten Abstand, beim Vertrieb in den USA würden ausserdem Leistungen nicht garantiert. In der Schweiz sei der Umsatzanteil von Variable Annuity noch «gering», so Zurich.

Bei Konkurrentin Swiss Life hingegen machten nichttraditionelle Produkte 2008 bereits 40% des Neugeschäfts aus. Der Lebensversicherer lässt sich auch nicht bremsen: Das bestehende Angebot Swiss Life Champion Duo werde 2009 in der Schweiz wie auch im Ausland mit weiteren Produkten ergänzt. Derweil vertreibt Axa Winterhur die Schweizer Twinstar-Produkte weiterhin. Innert eines halben Jahres seien damit Prämien im dreistelligen Millionenbereich generiert worden.