Auf Feinschmecker kommen harte Zeiten zu. Erst seit ein paar Jahren haben die vor der Küste des Jemen gefangene Dorade Rosé, der Red Snapper aus Neuseeland und der afrikanische Viktoriabarsch ihren festen Platz auf unseren Speisekarten. Doch schon bald könnten die exotischen Fische wieder aus den Restaurants verschwinden. Schuld daran sind Terroristen und die neue Angst vor Bomben in der Luftfracht.

Denn mit dem massenweisen Umschlag verderblicher Ware könnte Schluss sein, wenn die Sicherheitsvorschriften für die Luftfracht drastisch verschärft werden (siehe Kasten). «Wir können nicht sicherstellen, dass jede einzelne Styroporkiste nochmals kontrolliert wird», erklärt ein Sprecher von Lufthansa Cargo, einer der grössten Frachtfluggesellschaften der Welt. Im schlimmsten Fall könne der Import von Frischfisch nach Europa per Flugzeug zum Erliegen kommen.

Ein Gipfel der Europäischen Union soll Mitte Dezember über ein Paket für unionsweite Massnahmen entscheiden. Ein Zeitplan, der den Frachtfirmen, den Airlines und ihren Kunden grosse Sorgen bereitet. Sie warnen: Die Durchleuchtung jedes einzelnen Stücks Luftfracht zur Verhinderung von Terroranschlägen würde internationale Frachtfirmen in den Bankrott treiben, die ohnehin geschwächten Airlines weiter belasten und trotzdem keinen umfassenden Schutz bieten.

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Nach Volumen werden zwar 98 Prozent aller weltweit transportierten Waren verschifft und nur 2 Prozent geflogen. Die grenzüberschreitende Luftfrachtmenge wird nach Schätzungen des internationalen Luftfahrtverbandes IATA aber bis 2014 um mindestens einen Drittel auf 38 Millionen Tonnen im Jahr steigen - darunter immer öfter Pakete und Päckchen, in denen Ersatzteile für Maschinen, Flugzeuge oder Kreuzfahrtschiffe versendet werden. Je länger diese wichtigen Bestandteile in Kontrollen hängen bleiben, desto teurer für die Unternehmen.

2009 wurden laut der IATA von den Airlines 26 Millionen Tonnen ins Ausland spediert; zusammen mit der inländisch geflogenen Fracht ergibt dies ein Total von 37 Millionen (siehe Grafik).

Sollten die Sicherheitsbestimmungen ähnlich verschärft werden wie etwa in den USA oder Israel, kommen auf die Unternehmen hohe Kosten zu. In den USA wird seit August die gesamte Fracht im Bauch von Passagiermaschinen auf Sprengstoff und andere unerlaubte Stoffe gescannt. Allein das kostet pro Jahr umgerechnet mehr als 650 Millionen Franken.

Hälfte der Fracht in Passagierfliegern

Das Problem: Waren, die mit Frachtflugzeugen nach Europa geflogen worden sind, werden nach dem Umladen oftmals ungeprüft in den Laderäumen von Passagiermaschinen weitertransportiert. Zwar fliegen Lufthansa, Air France, British Airways, Swiss und Co. überwiegend Fracht von bekannten Grosskunden - aber niemand kann ausschliessen, dass kleinteilige Sendungen von irgendwoher in den Laderäumen unter der Passagierkabine mitfliegen. Hier lauert denn auch die grösste Gefahr möglicher Paketbomben: Etwa die Hälfte aller Luftfracht weltweit landet auf ihrem Weg zum Endabnehmer in einem Passagierflieger.

Deshalb ist es nach Ansicht von Experten sinnlos, die Sicherheitsbestimmungen allein in Europa massiv in die Höhe zu schrauben. Die entscheidende Frage ist: Wie gelingt es, die anderen Abgangsorte in der Welt sicherer zu machen?

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«Die absolute Sicherheit im Versand ist eine Illusion. Auch wenn die Vorkehrungen immer besser werden», sagt Rico Back, Chef des deutschen Spediteurs GLS, des nach eigenen Angaben führenden Qualitätsanbieters Europas. Der amerikanische Logistikkonkurrent United Parcel Service gibt sich zurückhaltender. Es gebe eine Task Force, eine Eingreiftruppe, die international besetzt sei und Massnahmen berate, so ein Sprecher.